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Lebendiger Adentskalender

Dienstag, 01 Dezember 2020

Lebendiger Adentskalender

In diesem Jahr öffnen wir jeden Tag im Advent ein Türchen mit Beiträgen von Studierenden und Lehrenden der Augsburger Hochschulen und Personen aus Kirche und Stadt.

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Advent

Freitag, 27 November 2020

Advent

Wieder da, der Advent, die Zeit der Erwartung und Wachsamkeit. Aber was wird erwartet? Weihnachten? Ok, Kinder freuen sich auf solche Spielchen: Christkind kommt, bringt Geschenke. Die Erwachsenen sollten aber wissen, – so die Prediger mit dem moralischen Zeigefinger – dass Jesus das eigentliche Geschenk von Weihnachten ist. Nur ist Jesus schon vor zweitausend Jahren gekommen. Muss man jedes Jahr von neuem so tun, als ob er am 25. Dez. wiederkäme und erwartet werden müsste; theologisch wohl etwas zu einfach gestrickt?

Was die Theologen immer haben! – Die adventliche Stimmung ist trotzdem schön: die behagliche Bude bei klirrender Kälte draußen, Glühwein und Plätzchen bei Freunden; vielleicht auch eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier (ach ja, die fallen dieses Jahr aus!) oder vielleicht sogar eine Roratemesse bei Kerzenlicht.

Gegenrede, wieder theologisch: Hat das wirklich was mit Gott, mit der Wachsamkeit zu tun, mit dem Auf-dem-Sprung-sein, mit dem Blick in die Lebenstiefen, christlich: mit Kreuz und Auferstehung, mit den Armen und Hungernden, jenen ohne Dach über dem Kopf, die von Krankheit gequält dem Tod ins Auge schauen?

Vorweihnachtliche Gemütlichkeit oder der Ernstfall des Lebens – was ist nun der wahre Sinn des Advents? – Tatsächlich ist für Jesus dann Advent, wenn „die Mächte des Himmels“ durcheinandergeraten, wenn der Boden unter den Füßen schwankt, wenn alles Geordnete nicht mehr gilt, wenn alle Sicherheiten wegfallen und Gott der einzige Rettungsanker ist.

 Mich beeindruckte die seltsame Erfahrung eines Mannes im Luftschutzkeller von Berlin am Ende des 2. Weltkrieges: Zunächst fühlte er sich bei aller Angst dort, in Gemeinschaft mit anderen, irgendwie sicher. Als aber die Wände des Kellers unter Bombenhagel zu bersten drohten und der Putz flog, wo es also sicher dem Ende entgegenging, da wandelte sich die Todesangst in einen seltsamen inneren Frieden, eine bisher nie gekannte Ergebenheit. War das ein adventlicher Augenblick?

Seid wachsam, sagt Jesus. Nicht in der Ich-Zentriertheit des Wohlgefühls, sondern in der Dezentriertheit des Ego auf das Große und Ganze, auf Gott hin. Denn sein Kommen muss das Gewohnte aufbrechen, um Neues möglich zu machen.

An diese Dialektik erinnert der Advent in seinem ersten Teil, bis zum 17. Dezember. Da geht es durchaus in erster Linie um das endzeitliche Kommen des Herrn, das allem Geknechteten, Zu-kurz-Gekommenen und Duldenden Recht verschaffen wird. Eine ernste Zeit also (deshalb das Violett in der Kirche und kein Gloria). Ab dem 17. Dezember dann, dem zweiten Teil des Advents (O-Antiphonen), kommt dazu die Vorfreude und die nähere Vorbereitung aufs Weihnachtsfest. Spätestens da könnte, sollte man neben Plätzchen und Weihnachtsbaum auch an das innere Aufräumen denken. Unter Umständen mit einem Lebens- oder Beichtgespräch.

Also doch irgendwie sauertöpfisch das Ganze, zumal bei Menschen im Saft des Lebens? – Nein, denn zumindest bei Jesus geht es niemals um eine Verkürzung der Lebensfreude, er warnt nur vor kurzen Abstechern und ‚breiten Wegen‘ (Mt 7,13). Wer die Zeit des reifenden Wartens nicht erträgt (quasi die Weihnachtsstimmung schon im Oktober haben will), kommt auch am Fest kaum auf seine Kosten.

Insofern ist Warten nicht nur etwas für kindliche Gemüter, um die Konsumspannung zu erhöhen. Warten ist vielmehr eine Chance zur Klärung der eigenen Standpunkte, Beziehungen und Bedürfnisse. Die vielleicht Gott im Wege stehen. Dazu kann dann auch eine Verklärung des Advents zur „staden“ Zeit in romantischer Candlelight-Stimmung durchaus etwas beitragen.

P. J. Gregur

Beten für den Klimaschutz?

Freitag, 20 November 2020

Beten für den Klimaschutz?

Diese Frage beantwortet Pastoralreferent Dennis Nguyen diese Woche in einem Podcast-Video.

'Offizielles' Gebet

Donnerstag, 12 November 2020

'Offizielles' Gebet

Es gibt viele schmucke Abzeichen,  aber nur ein Vereinswappen, und viele unterschiedliche Ländersymbole, aber nur eine Nationalfahne; und es gibt viele Gesänge, aber nur ein Deutschlandlied, die Nationalhymne. Sie ist wichtig, unveränderlich, ‚sakrosankt‘, Symbol, das die Identität einer Gemeinschaft repräsentiert. Entehrt oder zerstört man solche Symbole, um den Gegner ins Herz zu treffen, so kann das Kriege auslösen.

Wie der Staat offizielle Symbole und Veranstaltungen kennt, so gibt es auch in der Kirche identitätsstiftende Zusammenkünfte, Bauten, Bilder und Symbole, liturgische Geräte und gottesdienstliche Kleidung. Vieles Schmucke und Wertvolle davon wird in privater Initiative auf die Beine gestellt, je nach Gusto. Dazu zählen auch die unterschiedlichen, nicht offiziellen Gebetsformen und Feiern wie Frühschicht, Taizegebet, Nightfever. Daneben gibt es aber auch die sog. die offizielle Liturgie, mit der Eucharistiefeier und den Sakramenten im Zentrum, rituelle Standards, die für alle verbindlich sind. Weniger bekannt ist vielleicht, dass dazu auch das Stundengebet zählt. Man meint das Stundengebet sei nur etwas für Kleriker und Ordensleute, sie müssten ihr ‚Brevier‘ brav beten. Und da man unter Gebet etwas rein Persönliches versteht, verrichteten es früher viele von ihnen rein privat, für sich im stillen Kämmerlein. Dabei ist es, wie die Hl. Messe, ebenfalls eine offizielle Feier der Kirche, die das Zusammenkommen in der Gemeinschaft voraussetzt. Deshalb ermuntert das 2. Vatikanische Konzil alle zur Feier der Tagzeitenliturgie, wie man das Stundengebet heute nennt. Denn alle sind Kirche.

Aus diesem Grund beten – nein, feiern! – wir in der Kapelle mittwochs um 19 Uhr die Vesper (Abendlob) und täglich mittags (Montag bis Freitag) die Sext (Mittagsgebet). Feiern heißt: wir singen sie, denn der Gesang enthebt uns dem Alltag und ist eine Sache der Liebenden. Die offizielle Liturgie läuft freilich – weil Symbol – nach dem vorgegebenen Schema ab. Aber wie die Nationalhymne alle Deutschen unter einer Melodie und dem einen offiziellen Text verbindet, so nehmen wir die formale Verbindlichkeit der Vesper – mit dem Hymnus, den Psalmen, den Cantica usw. – nicht als ein lästiges Korsett wahr, sondern als eine Vor-Gabe, die uns über alle Zeiten und Grenzen hinweg gemeinschaftlich verbindet („Lied, das die Welt umkreist“).

Herzliche Einladung dazu! Jeden Mittwoch um 19 Uhr in der KHG-Kapelle

P. J. Gregur

Dummheit & Weisheit

Donnerstag, 05 November 2020

Dummheit & Weisheit

Ehrlich gesagt, ich hatte irgendwie immer schon Sympathien für die fünf ‚Dummen‘, die das Öl für ihre Lampen vergessen haben. Oder ist es einfach eine Schwäche für Menschen, die sich ungeschickt anstellen? Bloß, weil sie einmal unachtsam waren, schloss man ihnen die Tür vor der Nase zu!

Aber Jesus geht es mit der Parabel von den zehn Jungfrauen, die im kommenden Sonntagsevangelium verkündet wird, nicht um Details oder menschliche Höflichkeiten und Gepflogenheiten. Worum aber dann? Ich stelle mir ein Feuerwehrauto vor, dessen Tank beim fälligen Einsatz leer ist. Dümmer ging’s nicht. „Seid also wachsam!“ – meint Jesus! Bereit sein, darum geht es.

Dummheit, wie das Evangelium sie einigen Jungfrauen unterstellt, ist nicht der Gegensatz zur Begabung im Rechnen, Lernen und dem gescheiten (Daher-)Reden. Es ist Mangel an Weisheit (von der in der Lesung die Rede ist). Weise wird man nicht über Nacht, man kann die Weisheit nicht auf die Prüfung hin lernen. Weisheit lernt man durch Erfahrung, Kommunikation, Achtsamkeit, Rücksicht, am meisten vielleicht durch schwierige Situationen, auch durch Leid. Menschen, die viel ertragen, erdulden, zurückgesetzt werden, die ihre Zeit für andere und die ‚gute Sache‘ opfern, sie lernen eher Weisheit als die sog. Erfolgreichen. Und die auf diese Weise ‚Armen‘ sind es dann am ehesten, die in der „Torheit des Kreuzes“ die Weisheit Gottes erkennen. „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ So Paulus an die Korinther (1 Kor 1,22-24).

Langen Atem haben, den Tank rechtzeitig füllen (beten!), das Leben als Ganzes überblicken, Gottes Weisheit d.h. Jesus integrieren, und von da aus den Augenblick bewerten, das ist, denke ich, weise. Die fünf ohne Öl in ihren Lampen stehen für Menschen, die gedankenlos in den Tag leben. - Nehme ich das Evangelium eigentlich ernst, wenn ich mit ihnen Mitleid habe?

 P. J. Gregur

 

Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben

Freitag, 23 Oktober 2020

Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben

An Allerheiligen und beim Besuch des Friedhofs rückt der Tod wieder näher an uns heran. Und damit auch die Fragen, die uns immer wieder quälen, mit Schmerz erfüllen und oft unbeantwortet bleiben. Wieso musste dieser Mensch schon aus unserer Mitte gehen? Wieso lässt Gott so viel Leid zu?

Dabei ist für mich wichtig, dass ich nicht allein bin in dieser Situation. Fulbert Steffensky hat es mal passend formuliert: „Ich benutze die Sprache meiner lebenden und toten Geschwister, und ich benutze damit auch ihren Glauben.“ Wenn wir Gebete sprechen oder Erzählungen aus der Bibel lesen, dann glauben wir nicht in erster Linie „etwas“, sondern wir glauben den Menschen, die sie uns überliefert haben. Diese Zeugen der Hoffnung sind Propheten, Jesus, Jüngerinnen und Jünger, Heilige aber vor allen Dingen auch Leute wie du und ich.
Väter, Mütter, Großeltern, Freunde und Fremde haben über all die Jahre die Botschaft der Freude und Hoffnung weitergegeben. Überlege doch mal, wer für dich so ein „Zeuge der Hoffnung“ war, der dir von Gott und Glauben erzählt hat.
Auch wir sind nun Teil dieser Überlieferungskette.

Steffensky sagt weiter: „Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben. Die Opfer fordern Versprechungen, die größer sind, als mein Herz wissen und vertreten kann. Da ich niemanden Opfer sein lassen will, nicht einmal mich selber, rufe ich: Gott wird die Toten nicht vergessen.“
Im Vertrauen an all die Menschen, die uns vorausgegangen sind und der Zusage Gottes geglaubt  und diese weitergegeben haben, dürfen wir uns einreihen.

Es ist nicht immer leicht, oft kommen auch mir Zweifel. Doch der Glaube an eine Gerechtigkeit, die unser Denken übersteigt, bekräftigt mich an ein Leben nach dem Tod zu glauben und mich ebenso im hier und jetzt für eine bessere Welt einzusetzen. Es kann ja nicht sein, dass die Tyrannen dieser Erde, die Unterdrückung und der Tod das letzte Wort haben.

Das Vertrauen auf Gott und das Bewusstwerden ein Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, kann immer wieder Mut schenken - und Sätze, die von Generation an Generation weitergegeben wurden:
„Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,4)

 

Michael Rösch

Gott lieben - wie geht das?

Freitag, 23 Oktober 2020

Gott lieben - wie geht das?

Ein Werktag. Ich gehe in die Kirche, um die Abendmesse zu feiern, zu der sich überwiegend ältere Menschen einfinden. Heute sehe ich auch einige jüngere. Nur, sie kommen nicht in die Kirche, sie eilen an ihr vorbei. Wohin des Weges?, frage ich, die ich vom Sehen her kenne. Wir haben Pfarrgemeinderatssitzung, so die engagiert-unschuldige Antwort. – Die Szene ist mir in Erinnerung geblieben. Und kommt mir erneut in den Sinn, wenn ich im Sonntagsevangelium lese: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.“ (Mt 22,37) Das ist das erste Gebot, sagt Jesus, fügt freilich das zweite als ebenbürtig hinzu: den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Zurück zum Pfarrgemeinderat und den Messbesucherinnen: Das engagierte Zusammenkommen des Pfarrgemeinderats während der Liturgie geht wohl auf die Nächstenliebe zurück: Für das Wohl der Pfarrei zu sorgen. Das ist uns – gottlob – in Fleisch und Blut übergegangen: Helfen, Zeit haben, trösten, Schöpfung bewahren, für Gerechtigkeit einstehen, die Diakonie planen, der Gesellschaft nützen. Fast in jeder Predigt hört man davon. Aber wie man Gott lieben soll, darüber wird wenig geredet. Dabei ist das das erste Gebot.

Gott lieben, wie geht das also? – Schwierig, weil man Gott nicht sieht, nicht spürt, ihn nicht anfassen kann, weil er oft ganz der Ferne ist. Als würde jemand sagen: Du sollst den Staatspräsidenten oder den Papst lieben. Kann man überhaupt Liebe befehlen?

Vielleicht helfen uns die, die zum Gottesdienst gekommen sind. Zunächst zum Rosenkranz vielleicht und dann zur Heiligen Messe. Was tun sie eigentlich für die Pfarrei und Gesellschaft Nützliches? Beten, dass die Arbeit gelingt oder der liebe Gott dafür seinen Segen gibt? Das tut er ohnehin, zumal wenn es um die Nächstenliebe geht. So zu denken, wäre schon wieder eine Funktionalisierung des Christlichen. Nein, sie kommen als Freunde Gottes, die seine Größe bekennen und loben wollen, die seine Liebe preisen, die Beziehung zu ihm pflegen, zweckfrei und selbstlos. Freundschaft plant man nicht, sie lebt man. Die Liebe ist nicht nützlich, sie ist Kraftquelle. Und sie braucht Zeichen, Zeiten und Orte, um zu erblühen, damit daraus Früchte der Nächstenliebe reifen. Dabei nicht zu vergessen: Gott braucht unsere Liebe nicht: „Du bedarfst nicht unseres Lobes, … unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren. Doch uns bringt es Segen und Heil“ (4. Werktagspräfation). Denn nur Liebende haben Kraft, über sich hinauszuwachsen, Großes zu leisten.

Zwei Gruppen ein- und derselben Pfarrei, jede in ihre Richtung: die einen zur Sitzung, die anderen zum Gottesdienst. Die einen dem Gebot der Nächstenliebe folgend, die anderen der Gottesliebe. Beides ist gleich wichtig, sagt Jesus. Und es geht das eine nicht ohne das andere. So lag mir damals das Wort auf der Lippe: Aber wieso zur Sitzung während des Gottesdienstes? Ich hab’s nicht gesagt, um die Gefühle nicht zu verletzten. Aber zu bedenken ist es allemal. Denn das zweite Gebot resultiert aus dem ersten.

P. J. Gregur

All my friends are heathens...

Donnerstag, 15 Oktober 2020

All my friends are heathens...

Welches Glaubenszeugnis heute gefragt ist

All my friends are heathens, take it slow
Wait for them to ask you who you know
Please don't make any sudden moves
You don't know the half of the abuse

Diese Zeilen stammen aus dem Lied Heathens (dt. Heiden) des US-amerikanischen Duos Twenty One Pilots. Es ist der Soundtrack zum Kinofilm Suicide Squad, der 2016 in den Kinos lief. Sechs Schwerverbrecher und gestörte Persönlichkeiten müssen sich zusammenfinden, um die Welt zu retten. Ihrem Verhalten nach würden wir sie kaum als vorbildliche Christen bezeichnen - eher als Gottlose, als "Heiden".

Tyler Joseph blickt tiefer in die Personen, wenn er im Lied über die "Heiden" spricht. Es geht ihm nicht um eine Abwertung und Abgrenzung der Guten von den Bösen, der Gläubigen von den Ungläubigen oder den Kirchgängern von den Nichtkirchgängern. „Heiden“ sind für ihn alle Menschen, die auf irgendeine Weise an der Welt zerbrochen sind oder verletzt wurden und so den Glauben an bessere Zeiten verloren haben.(1)

Resignierte, schwache und verwundete Menschen finden sich auf beiden Seiten des Kirchenportals. Wir wissen nicht, welche Lebensumstände und Schicksalsschläge sie zu "Heiden" gemacht hat.

Wait for them to ask you who you know vs. Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern. (Mt 28,19) ???

Manche beklagen, die Kirche habe an Strahlkraft verloren, weil ihre Vertreter selbst zu schwach im Glaubenszeugnis sind und mit zu wenig Gewissheit, Stärke und Eifer über Gott sprechen. Zum einen ist richtig: "Wer andere entzünden will, muss selbst brennen." (Augustinus zugeschrieben) – aber ist es richtig daraus zu schließen: Wer andere nicht (sofort) entzündet, brennt zu wenig?

Die Verkündigung des Evangeliums funktioniert nicht wie Werbung, die sich bei jeder Möglichkeit in unser Leben drängt. Überzeugt ein über jeden Zweifel erhabener Glaube? Überzeugt die Antwort, die eine Welterklärung gibt, ohne dass nach ihr gefragt wurde?

Was überzeugt, das sind Christinnen und Christen, die im gewöhnlichen Alltag mitten unter den "Heiden" leben;
- die zuerst den anderen verstehen wollen, bevor sie mit ihrer Botschaft verstanden werden;
- die selbst durch mühsame und dunkle Wegstrecken, mit ihren Fragen und Zweifeln darum kämpfen, ein bisschen mehr zu glauben als zu zweifeln;
- die um Worte ringen in einer leidgeprüften Welt und dabei beten "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" (Mk 9,24);
- die ihren Glauben und ihre Hoffnung sichtbar machen im absichtslosen Einsatz für andere. Sie werden von den "Heiden" gesehen und dann gefragt werden, wen sie kennen: Jesus Christus.

 Dennis Nguyen

Unser Leben sei ein Fest

Freitag, 09 Oktober 2020

Unser Leben sei ein Fest

„Unser Leben sei ein Fest“

So beginnt ein bekanntes neues geistliches Lied. Und verlangt Unmögliches. Lieder können es sich jedoch leisten, romantisch zu träumen: „Licht im Dunkeln, Licht für die Welt, ein Kind, ein Traum, ein Weg“, „Du schenkst uns die Freude, die Nacht ist vorbei“, „Gott, in deinen Händen wünsch ich mir mein Haus“, „Nada te turbe“ etc (Liederbbuch „God for You(th)“). Die Alltag sieht oft anders aus.

Aber darf man deshalb nicht träumen, sich eine bessere Welt vorstellen? Wenn nicht, dann könnte man auch keine Feste feiern. Eine Hochzeitsfeier ist auch eine ‚Vorspiegelung falscher Tatsachen‘ ("Himmel voller Geigen"): Zwei schwören sich auf einen langen gemeinsamen Lebensweg, obwohl erfahrungsgemäß Richtungskämpfe vorprogrammiert sind.

Aber eine Feier ist nicht Ausdruck der prosaischen Lebenswirklichkeit, sondern die Verheißung einer besseren. Als solche durchbricht die Feier den Alltag und hilft, ihn zu bestehen. Feiern sind kein Sahnehäubchen auf dem Kuchen, sondern der Geschmackgeber für das Ganze, Bojen im Meer, die Orientierung geben. Wie die Lieder, sind sie vor allem keine Kopf-, sondern eine Herzens-Angelegenheit. Man denkt bei der Hochzeit nicht über die möglichen Eheschwierigkeiten, man feiert nicht das (Un-)Vernünftige, sondern das Schöne einer Beziehung.

Auch bei der Feier der Gottesdienste ist es so. Nur dass hier nicht die brüchige Treue der Menschen zueinander, sondern die zuverlässige Beziehung Gottes zu den Menschen gefeiert wird. So sind von ihm aus die Verheißungen des kommenden Sonntags vom „Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen“ (Jes 25,6), kein Wunsch-, sondern ein Realtraum. Die reelle Basis dafür bilden der Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir sonntäglich in der Heiligen Messe feiern. Die Eucharistiefeier ist das Realsymbol des Festmahls, das Gott am Ende für alle Völker bereiten wird. Sie verpflichtet und gibt Kraft, sie unter den Mitmenschen zu bewerben, zur Hochzeitsfeier des Lammes einzuladen. „Was er uns gibt, das gibt er für alle, damit wir es teilen mit allen Menschen. So sind wir Freunde an seinem Tisch“ (GfY 128).

Lob der Schöpfung

Samstag, 03 Oktober 2020

Lob der Schöpfung

Lob der Schöpfung - Franz von Assisi

Am 4. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Heuer fällt dieser Tag mit dem Erntedankfest zusammen, an dem der Schöpfung gedacht wird. Ein guter Zufall, denn Franziskus ist bekannt für seinen „Gesang auf die Schöpfung“, den Sonnengesang. Bewahrung der Schöpfung ist gegenwärtig eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Auch in kirchlichen Kreisen wurde sie als eines der Ideale christlichen Handelns erkannt (man höre das Hirtenwort des Augsburger Bischofs Betram).

Als Christ wird man sich allerdings vorsehen, Franziskus romantisch zu verniedlichen, etwa nach dem Motto: Franz fand die Natur in ihrem Eigenwert ganz toll, im Gegensatz zu einer Zeit, die die Erde um des Himmelreiches willen geringachtete. Nichts dergleichen; sein Gesang ist theo-logisch, auf das Verhältnis zwischen Gott und seiner Schöpfung bezogen. Zu Beginn des Sonnengesangs wird das deutlich: „Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.“ Dann folgt die Aufzählung der kosmischen ‚Geschwister‘, die dieses Lob realisieren, Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer.

Es geht also nicht um die Natur an sich, sondern um das Lob Gottes; und zwar zunächst mit einem höchst merkwürdigen Gedanken, dass nämlich Gott selbst „Lob“ ist. Daher kann er allein sich selbst gebührend loben: „dein ist das Lob“. Kein Mensch ist in der Lage, seine Lobwürdigkeit angemessen auszudrücken („ist würdig“). Zumal der Mensch sich prinzipiell immer wieder selbst an Gottes Stelle positioniert, selbst ‚gelobt‘ sein will (Erbsünde). Im Gegensatz zur Natur; sie will nichts, ist daher rein, unschuldig; sie lebt das aus, was ihr wesentlich bzw. von Gott ins Stammbuch geschrieben ist: in ihrem schlichten Da-sein, Gottes Ursprünglichkeit und Schönheit abzubilden und ihn so zu loben. „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes“ (Ps. 19). Nur in dieser Eigenschaft, als Abbild der Schönheit und Weisheit Gottes ist auch sie lob-würdig und eine Schwester des Franziskus. Sein Sonnengesang ist nicht ein „Loblied auf die Schöpfung“, sondern ein Lob Gottes mit der Schöpfung oder aufgrund der Schöpfung.

Die Ökologie, die gegenwärtig in aller Munde ist, auch in der christlichen Sozialethik, kann nach Franziskus nur Gott-bezogen begründet werden. Naturverklärendes Engagement für die Umwelt fällt früher oder später dem Pragmatismus, dem Nützlichkeitsstreben des Menschen zum Opfer. Nur wenn die Natur als Schwester und Bruder im Konzert des kosmischen Lobes Gottes begriffen wird, wird sie in ihrer unantastbaren, in Gott gründenden Würde erkannt, anerkannt und dann – hoffentlich – auch bewahrt.

P. Josip Gregur SDB

 

 

 

Wenn Dinge Kopf stehen (sollten)

Mittwoch, 23 September 2020

Wenn Dinge Kopf stehen (sollten)

Wenn Dinge Kopf stehen (sollten)

Den Menschen, besonders in Europas Norden, liegt die Ordnung sehr am Herzen. Ordnung tut gut, schafft Gewohnheit, gibt Sicherheit im Umgang mit Dingen und miteinander oder einfach: ‚Ordnung muss sein!‘ Ältere lieben Gewohnheit und Brauch, die Jüngeren finden sie eher anstrengend. Die meisten aber, die jüngeren und älteren leben angepasst.

Wie war das bei Jesus, an dem sich die Christen orientieren (sollten), war er angepasst? Sicher nicht. Jesus war kein artiger Zeitgenosse, schon eher ein Chaot, um es plakativ zu sagen: Er bricht das Sabbatgebot (Mt 12), er hält das Fasten nicht ein (Lk 5), er stößt die Tische der Händler im Tempel um (Mt 21), er kennt kein Zuhause (Mt 8), nennt die Gesetzeslehrer „übertünchte Gräber“ (Mt 23), er schert sich um verwandtschaftliche Bande nicht (Mk 3), er hat keine Berührungsängste mit den öffentlich geächteten Sündern (Lk 19) und kommenden Sonntag sagt er den Hohepriestern und den übrigen Volksvertretern sogar, dass „Zöllner und die Dirnen … eher in das Reih Gottes gelangen“ werden als die selbsterklärten ‚Ordentlichen‘ (Mt 21,31). Damit stellt er die gesellschaftlichen Gepflogenheiten auf den Kopf.

Das kann nur dann verwundern, wenn man übersieht, dass seine ganze Existenz ‚Kopf steht‘. Es gibt zwar welche, die beispielsweise ihre hochdotierte Managerstellung aufgeben und irgendwo, sozusagen auf einer einsamen Insel, alternativ leben. Aber dass jemand dabei seinen Egotrip aufgibt, davon ist kaum auszugehen. Von Jesus aber heißt es, ebenfalls kommenden Sonntag in der zweiten Lesung, er habe sich seiner Gottgleichheit „entäußert“ (‚entleert‘, griechisch kenosis; Phil 2), indem er Mensch wurde und sich selbst „bis zum Tod am Kreuz“ erniedrigte. Damit irritiert er nicht nur unsere Selbstverständlichkeit von Oben und Unten, sondern revolutioniert die gewöhnliche Denke in die christliche Denkordnung hinein. Maria hat diese schon in ihrem Magnifikat besungen: Gott „stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“. Jesus muss nicht vom Thron des Ego gestürzt werden, er steigt freiwillig herab. So ist seine Selbstentleerung der Modus (die Theologen sagen: Sakrament) und Beispiel christlichen Lebens: Du sollst innerlich leer werden, dein Ego zurückstellen. Dann bist du für Gott und den Mitmenschen offen: ‚Nicht wie ich will, Vater, sondern wie du willst‘, so Jesus in Getsemani vor seinem Tod, dem endgültigen Loslassen.

Wow, hört sich das dramatisch und duster an! – Ist es aber nicht; halt ungewöhnlich. Denn die Logik dieser jesuanischen Revolution ist nicht, dass man am Schluss leer ausgeht, sondern, dass man von DEM erfüllt wird, der das Leben in Fülle ist. Das kapiert man freilich nur im Maß des eigenen Glaubens, sprich Gottesbeziehung. – Herr, hilf unserm Unglauben!

Einfangen

Samstag, 25 Juli 2020

Einfangen

Fast jede App, die du öffnest, schiebt die Werbung aller Art hinten nach. Und mit jedem Update wird’s mehr. War sie anfangs nur fast verschämt am oberen und unteren Ende, nervt sie jetzt zunehmend mit ihrer Großflächigkeit und dem ewigen Nachladen. Alle sind dabei, Menschen für ihre Anliegen und Produkte zu fangen. Die Ideologien machen es, die Politik macht es, und in Zeiten der Massenmedien gibt es kaum eine Institution ohne Internetauftritt. Was nicht veröffentlicht ist, existiert nicht, heißt es. Das ist nichts Neues, auf andere Art und Weise war es immer so. Denn einerseits muss man auf sich aufmerksam machen und andererseits schmeichelt es, wenn man umworben wird.

Wenn Jesus im Evangelium das Reich Gottes mit einem Fischernetz vergleicht (Mt 13,47), dann geht es ebenfalls ums ‚Einfangen‘. Er sendet seine Apostel in die Welt mit dem Auftrag, alle zu seinen Jüngern zu machen (Mt 28,19). Man hat nichts gegen Werbung, die gute Sachen anbietet. Was nervt, ist, wenn sich hinter der schönen Fassade Schrott verbirgt. An jesuanischer Werbung ist gut, dass sie dir nicht aufdringlich Kram andrehen will. Im Benediktbeurer Alten Festsaal gibt es ein Deckenbild, das Jesus als Angler zeigt. An seine Angel hat er nicht den Wurm, sondern sein Herz gehängt. Das unterscheidet ihn von Verführern. Sie wollen dich mit einem Wiederhaken einfangen. Jesus hat weder auf das schöne Reden noch auf die trügerische Miene gesetzt, sondern auf die innere Substanz, auf die überzeugende Tat und eben – auf das Herz, die Liebe. Er will nicht, dass du noch mehr hast, sondern ein authentischer Mensch wirst. Was Zeit braucht. Das besagt das Gleichnis von der langsam wachsenden Saat oder vom Himmelreich, das wie ein im Acker verborgener Schatz auf Entdeckung wartet.

Bei einer App kannst du die Werbung nicht einfach wegklicken. Aber wie du hier auf die billige Masche nicht hereinfällst, so sei auch sonst bei Schaumschlägern und Possenreißern vorsichtig. Schau zweimal hin, versuch, hinter die Fassade zu blicken. Und das Wichtigste: Schau, ob dort die Liebe oder das pure Interesse hervorlugt.

Zur Unterscheidung der Geister ist die stressfreie Zeit gut, wo man wieder zu sich selbst kommt und klarer sieht, z. B. die Ferien. Gute Zeit und bis zum Herbst wieder! 

P. J. Gregur

Weizen und Unkraut

Freitag, 17 Juli 2020

Weizen und Unkraut

 Unter den Vorhaltungen, die man den Religionen gewöhnlich macht, ist, dass sie für die Gewaltausbrüche zwischen Menschen und Gruppen verantwortlich seien. ‚Mein Gott ist der richtige, also kann ich dem deinen gegenüber nicht tolerant sein; meine Religion allein ist die seligmachende, also ist deine falsch; meine Konfession ist die echte, deine häretisch, also darf ich dich bekämpfen.‘ So oder ähnlich können die Schlussfolgerungen ausfallen, meint man. Auch das Christentum sei hier nicht ausgenommen. Habe man doch im Namen Gottes Kreuzzüge organisiert, Hexen verbrannt, die Abweichler auf den Scheiterhaufen geführt.

Ich lese gerade das Buch „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“, eine bis ins Letzte dokumentierte, spannende Untersuchung der Kirchengeschichte durch den Historiker Arnold Angenendt. Dort kann man die geistesgeschichtliche Komplexität in Bezug auf Hexen und Häretiker nachlesen: Es war z. B. die gesellschaftliche Angst, Gottes Zorn könnte wegen Häresie alle treffen. Hinsichtlich der religiösen (In-)Toleranz belegt der Autor, dass das Christentum die gesellschaftliche Gewalt gerade nicht gemehrt, eher im Rahmen des Möglichen eingeschränkt habe. Bei Stammesreligionen sei es plausibel, den eigenen Stammesgott den anderen aufzuzwingen. Die Universalreligionen aber hätten das Zeug, jedes Tellerranddenken zu überwinden. Vor allem im Christentum. Nicht nur, weil Jesus gesagt hat, wir sollten dem Schläger auch die andere Backe hinhalten (Mt 5,39). Sondern, weil er den unduldsamen Jüngern, die das Unkraut vom Weizen trennen wollten, im Evangelium des kommenden Sonntags „entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte“ (Mt 13,28-30). Es ist die Sache Gottes, nicht der Menschen, den Weizen vom Unkraut zu scheiden. Auf dieses Wort haben sich die Besonnenen in der Kirche von Anfang an wirkungsvoll berufen, wenn es galt, das pseudoreligiöse Gewaltpotenzial in die Schranken zu weisen.

 Vor allem aber ist das Christentum deswegen prinzipiell gewaltlos, weil Jesus  selbst die Gewalt radikal abgelehnt hat. Wäre er sonst am Kreuz gestorben? Jesu Wort: „An ihren Früchten werdet ihr sie [falsche Propheten] erkennen“ (Mt 7,20), könnte man daher positiv so variieren: An ihrer Wurzel, an der Gewaltlosigkeit Jesu, werdet ihr die Christen erkennen. Auf ihre Rückfälle in vorchristliche Atavismen – Thomas v. Aquin, Martin Luther und Calvin nicht ausgenommen – kann sich die Christenheit gewiss nichts einbilden. Auf Jesus allerdings schon!

 P. J. Gregur

 

Die Himmelsleiter

Samstag, 11 Juli 2020

Die Himmelsleiter

Die Himmelsleiter ist ein Motiv das Maler und Betrachter seid Jahrhunderten in ihren Bann zieht. Vermutlich da die Leiter eine direkte Verbindung von Himmel und Erde – Gott und Mensch – darstellt. Die Bilder und Vorstellungen geben teilweise einen Einblick in die Beziehung eines Einzelnen zu Gott.

 

 

Hintergrund ist die Bibelstelle im Buch Genesis (Gen 28,10-22) als sich Jakob in Bet-El aufhält:

Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran. Er kam an einen bestimmten Ort und übernachtete dort, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein.

Da hatte er einen Traum: Siehe, eine Treppe stand auf der Erde, ihre Spitze reichte bis zum Himmel. Und siehe: Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. Und siehe, der HERR stand vor ihm und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten und durch dich und deine Nachkommen werden alle Sippen der Erde Segen erlangen. Siehe, ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe.

Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der HERR ist an diesem Ort und ich wusste es nicht. Er fürchtete sich und sagte: Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Er ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels. Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goss Öl darauf. Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El - Haus Gottes - . Früher hieß die Stadt Lus. Jakob machte das Gelübde: Wenn Gott mit mir ist und mich auf diesem Weg, den ich gehe, behütet, wenn er mir Brot zum Essen und Kleider zum Anziehen gibt, wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters, dann wird der HERR für mich Gott sein und dieser Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, soll ein Gotteshaus werden. Von allem, was du mir gibst, will ich dir gewiss den zehnten Teil geben.


Wie ist unsere Leiter, unsere Beziehung zu Gott? Wackelt sie oder fehlt die nächste Stufe?

Was ist für dich ein wichtiger Ort geworden? Wo steht dein Haus Gottes?

Wir wünschen dir, dass du immer wieder weiter steigen kannst auf deiner Lebens-, ja deiner Himmelsleiter.


Michael Rösch und Heidi Esch

 

Sein Joch ist sanft

Freitag, 03 Juli 2020

Sein Joch ist sanft

Hört euch zuerst diese Musik aus Händels „Messias“ an: His yoke is easy, his burthen is light (https://www.youtube.com/watch?v=Va2tVRUNXCk). Der Komponist wollte offenbar mit der Durchsichtigkeit der Stimmen und der scheinbaren Leichtigkeit der Komposition das Wort Jesu musikalisch ausmalen: „Sein Joch ist sanft, seine Last ist leicht“ (Evangelium vom Sonntag). Wer das Stück aber im Chor eventuell schon mal mitgesungen hat, wird bestätigen, dass das alles andere als leicht zu singen ist.

Wie in der Händels Musik, so steckt nicht nur in diesem Wort, sondern eigentlich im ganzen Leben Jesu eine unauflösbare Dialektik („Geheimnis des Glaubens“): Er ist Retter der Welt und stirbt selbst am Kreuz; er ist die Wahrheit und wird als Traditionsverdreher beschimpft; er ist die Liebe, und wird vom Hass niedergebeugt; er verspricht Erhörung und doch bleibt scheinbar alles beim Alten.

Sein Joch ist sanft? Das Christentum, vor allem das katholische, wird oft denunziert und abgelehnt, weil es angeblich den Menschen die Lasten auflegt, statt sie ihnen zu nehmen: Gebote und Verbote en masse.  Deshalb schmierte man vor Jahren an die Mauern: Jesus ja, Kirche nein. Aber Jesus ist kein süßer Heilsbringer. Sein Joch ist das Kreuz.

Das Kreuz soll leicht sein? – Hier wird es schwierig und keinem ist übelzunehmen, der es nicht nachvollziehen kann, besonders den Leidenden nicht. Aber es geht nicht um Kreuz, das Leiden an sich. Sondern wie ich mit dem Kreuz umgehe: Nicht abwerfen wollen, das geht sowieso meistens nicht. Annehmen heißt schon psychologisch die Devise. Der Clou des Christentum aber: sein Joch mit Christus tragen.

Ich habe einmal als Diakon in Augsburg Don Bosco einer Frau die Kommunion bringen sollen. Sie saß im Rollstuhl, beide Beine wurden ihr abgenommen. Ich hatte Angst, die Verbitterung vorzufinden. Es begegnete mir aber kein Elend, sondern eine gelassene, die Ruhe ausstrahlende, tief gläubige Christin. „Die Leute meinen, sie müssen mich trösten, wenn sie kommen. Am Schluss ist es umgekehrt: ich tröste sie.“ Diese Frau hatte es offenbar erfahren: His yoke is easy, his burthen is light (.

Vielleicht hörst du dir noch ein anderes Stück an, das um Gottvertrauen wirbt, den Choral bzw. das Gotteslob-Lied 416: „Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum lass ich nur walten.“ Diesmal vom großen ‚Kollegen‘ Händels, von J. S. Bach: (https://www.youtube.com/watch?v=2PlHqNMssHI, GL 416). Denn "mehr als Worte sagt ein Lied."

 

P. J. Gregur

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