Allgemein

Heilige

Freitag, 21 Januar 2022

Heilige

Am Montag, den 24. Januar jährt sich der 400ste Todestag des heiligen Franz von Sales. Er war Bischof von Genf, geistlicher Begleiter und Schriftsteller. Nach ihm wurden von Johannes Bosco die Salesianer benannt; wegen der geistlichen ‚coolness‘, großer Weitherzigkeit. Während andere die Angst vor Gott schürten, meinte er: „Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Fass Essig.“ Don Bosco, der Jugendapostel des 19. Jhs. in Turin, lebte diese Haltung im Umgang mit jungen Menschen: Nicht Regeln vor den Latz knallen und dann die Übertretung strafen, sondern: Dabei sein, mitmachen, lieben, was junge Menschen gern haben. Die erzieherische Sympathie ist der besagte Honig, auf den nicht nur Jugendliche fliegen.

Am Dienstag feiern wir in der KHG das Thomas-von-Aquin-Fest. Auch er ein Heiliger, diesmal aus dem 13. Jh. Theologiestudierenden ist er vertraut, er prägte mit seiner philosophischen Theologie ganze Jahrhunderte bis heute.

Franz von Sales – geistliche Milde, Johannes Bosco – pastorale Liebe, Thomas von Aquin – Nachdenken über Gott; was ist ihnen gemeinsam? Dass sie für die Kirche und Welt Großes geleistet haben? Thomas hat am Ende seines Lebens erkannt: Alles, was ich geschrieben habe, ist im Grunde nur wertloser ‚Stroh‘. In der Tat werden diese Menschen in der Kirche bis heute nicht aufgrund ihrer Leistung verehrt, sondern aufgrund ihrer Heiligkeit.

Und was ist Heiligkeit? – Ein Heiliger setzt sich Gott aus wie der Mond der Sonne. Er leuchtet und wärmt nicht aus eigener Kraft, sondern kraft der Sonne. Indem wir uns Gott aussetzen im Gebet, Gottesdienst, Meditation, werden auch wir heilig(er). Um die Wirkung brauchen wir uns dann nicht weiter zu kümmern, die kommt wie von selbst.

Eine schöne Woche!

P. J. Gregur, Salesianer Don Boscos (SDB)

Einheit in Vielfalt

Freitag, 14 Januar 2022

Einheit in Vielfalt

Vielfalt erfreut, varietas delectat, wusste man schon immer, auch als es noch nicht industriell gestanzte Einheitsware gab. Die Natur lässt keine zwei gleichen Individuen zu, weder in der Pflanzen- noch in der Tierwelt. Seit Jahrmillionen gab es keine zwei gleiche Wolken, nicht einmal zwei identische Schneeflocken, unendlich schöpferisch ist die Phantasie ihres Schöpfers. Vielfalt wehrt der Langeweile, das Einerlei kann ‚tödlich‘ sein. Seltsam dann aber, wenn Menschen einander oft über einen Kamm scheren wollen, sie in ideologische Schubladen stecken, durch die Einheitsbrille ihrer Erwartungen kritisch beäugen und durch den Fleischwolf gewohnter Vorstellungen drehen. Oft sind es gerade die Gläubigen, die ‚bunte Vögel‘ in ihren Reihen nicht dulden.

Gegen das Einerlei redet der Apostel Paulus in der Gemeinde von Korinth an. Die Unverträglichkeit der Vielfalt dort brachte Zwietracht und Spaltungen unter die Christen. Um sie zusammenzuhalten, macht Paulus klar, dass Unterschiede nicht schlecht, sondern im Gegenteil gut sind. Jeder Mensch hat Begabungen (Charismen), die anderen nützen können.[1] Der eine kann gut rechnen, die andere geschickt reden; die eine tief glauben, der andere forsch anpacken; der eine charismatisch beten, die andere Not lindern. „Es ist normal, verschieden zu sein“, heißt es in einem Song (zu berührenden Bildern von Menschen mit Handicap[2]).

Verschiedenheit ja – aber nicht Chaos; Einheit in Verschiedenheit! Und wie geht das? „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“ (1 Kor 12,4-6). Mit Gott als Mitte im Denken und Tun kann man die Eigenart der anderen ertragen, sie sogar lieben.

Zum Schluss (ganz unter uns, nicht weitersagen!) eine psychologische Weisheit aus dem Spruchkalender: „Pfeif auf Regeln. Sei die Ausnahme. Damit erntest du nicht von allen Applaus, wohl aber Respekt.“ 

Eine bunte Woche! 

P. J. Gregur

 [1] https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2022-01-16

 

 

Was bleibt von Weihnachten?

Mittwoch, 05 Januar 2022

Was bleibt von Weihnachten?

Der Weihnachtsbaum nadelt – die Kerzen sind abgebrannt – Geschenkpapier landet in der Tonne.

 Was bleibt von Weihnachten?

Auch die Sterndeuter aus dem Osten werden bald auf einem anderen Weg in ihr Land heimziehen. Nur ihre Schätze werden sie zurücklassen für das Kind und seine Mutter. Die Schätze der Sterndeuter, auch für uns.  

Weihrauch! Es stinkt gewaltig auf diesem Planeten. Umweltverschmutzung nimmt uns die Luft zum Atmen. Hassreden und gehässige Drohungen stinken wie die Pest. Der Weihrauch ist ein Symbol der Reinigung. Er hüllt uns ein in den duftenden Mantel der Menschlichkeit und des Mitgefühls. So wie der Weihrauch von der Erde aufsteigt, verbindet er uns mit dem Göttlichen. Ein Zeichen der Anbetung. Der Weihrauch stärke unseren Glauben.

Myrrhe. Ein Kraut, das alles symbolisiert, was wir nur schwer zu verdauen ist und was uns sauer aufstößt. Ein Bitterkraut. Aber von heilsamer Wirkung. Das Kind in der Krippe ist gekommen, um unser Leben zu teilen, um die Sünde zu tilgen und für uns Leiden und Tod auf sich zu nehmen. Heilung und Heil wird uns geschenkt. Auferstehung ist uns verheißen. Die Myrrhe vermehre unsere Hoffnung.

Gold. Die Welt giert nach Gold. Geld regiert die Welt. Besitz und Macht entzweien Menschen und Völker und Religionen; führen zu Korruption, Kriegen und Gottvergessenheit. Das wahre Gold ist eine Währung des Herzens, stärkt die Bereitschaft zu teilen und weckt die Freude an der Gemeinschaft. Das wahre Gold entflamme unsere Liebe. 

Was bleibt von Weihnachten?

Mach es wie Gott

werde Mensch

P. Gerhard Eberts MSF

Weihnachtliche Logik

Freitag, 24 Dezember 2021

Weihnachtliche Logik

An Weihnachten, so die Erinnerung aus der Schülerzeit, war für mich immer ein gewisses Missvergnügen, in der Messe am Tag das Evangelium vom Logos, „Wort“ zu hören: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“. Zu abrupt, innerhalb von ein paar Stunden, dieser Übergang von der Krippenidylle hin zur hochkomplizierten Theologie.

Heute denke ich: Was hätten wir davon, bliebe es bei der herzrührenden Szene im Stall von Bethlehem? Was für eine Heilsbotschaft wäre die Geburt eines Kindes in Armut und Elend irgendwo am Ende der Welt? Elend hat die Menschheit selbst genug. Da braucht es schon eine tiefere weihnachtliche Sicht, mit der sich der kritisch denkende Mensch auseinandersetzen kann, vielleicht muss. Johannes bietet sie zu Anfang seines Evangeliums, das Zitat von oben stammt daraus.

Für die Griechen war Logos nicht nur Wort, sondern die Weltvernunft, eine Art rationale Struktur, nach der alles seine Logik hat, nach der die Natur sich entwickelt und ihren Zielen entgegenstrebt. Jeder Mensch trage in sich einen Samen davon und ist daher ein rationales Wesen. Die christlichen Denker rezipierten das, fügten aber hinzu: Ok, nur ist dieser Logos nicht die mathematische Logik eines blinden Weltgetriebes oder irgendein moralisches Gesetz im Menschen. Nicht kosmische Rationalität ist es, sondern liebendes Umfangen allen Seins, dessen Grund Gott als Liebe ist. Die Liebe aber ist nie anonym und theoretisch, sondern konkret erfahrbar, sie offenbart sich als personales Gegenüber. Aus diesem Grund ist für uns – leibliche Wesen – „das Wort Fleisch geworden“.

Mit der Fleischwerdung des Wortes passiert eine ‚Heilung an der Wurzel‘ kosmischen Ausmaßes: Der tragende Logos aller Schöpfung – sie ist durch ihn geworden – offenbart sich an Weihnachten den Menschen als Immanuel, Gott mit uns. Wozu aber? Um unserer Erdenschwere, Selbstgenügsamkeit und Gottvergessenheit entgegenzuwirken. Als Realsymbol (Sakrament) der Liebe vereinigt Jesus in sich Himmel und Erde, Gottheit und Menschheit und begründet so den Anfang einer neuen Welt. Wir Christen klinken uns in diesen Prozess leiblich erfahrbar ein durch die Taufe, vor allem aber in der Eucharistie, der verstätigten Gegenwart des Menschgewordenen in der Liturgiefeier der Kirche.

Zugegeben: das ist hochtheologisch. Aber, wie gesehen, auch biblisch, altkirchlich und bis heute ostkirchlich. Billiger ist, meine ich, Weihnachten nicht zu haben.

Ich beglückwünsche uns alle zu diesem kosmischen Ereignis der Liebe an Weihnachten! Sie möge die Logik unseres Denkens und Handelns im neuen Jahr bestimmen. In diesem Sinn wünschen euch das gesamte Team der KHG, die Hauptamtlichen und der Sprecherrat,

gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

P. J. Gregur

Gruß

Freitag, 17 Dezember 2021

Gruß

Ist es nicht selbstverständlich, dass man grüßt? Wieso betont dann das Evangelium des kommenden Sonntags extra, dass Maria ihre Verwandte Elisabeth beim Besuch „begrüßte“? Was denn sonst, möchte man meinen, ist es doch mehr als selbstverständlich. – Bei Freunden und Bekannten schon. Sonst aber empfinden wir nichts dabei, achtlos aneinander vorbeizulaufen. Natürlich kann man in der Fußgängerzone nicht alle grüßen, das wäre eine Überforderung der Höflichkeit. Aber dort, wo weinige unterwegs sind? Beim Spaziergang im Wald zum Beispiel. Da kommt mir eine/r entgegen, mein Blick prüft, ob ich grüßen kann: Kein Interesse!

Andersherum freu ich mich. Denn Grüßen ist mehr als bloße Floskel. Man wird beachtet, wird an-gesehen, gar angesprochen; und wer möchte nicht ‚angesehen‘ sein? Nichtbeachtung kränkt, ‚kalte Schulter‘ ist verletzend. Die Beachtung hingegen kann einen ganzen Tag emotional heilen. Der Gruß bewegt immer etwas in der Tiefe, befördert das Lebensgefühl, induziert es und stärkt. Die Seele kommt ins Schwingen. Wie heißt es doch im Evangelium weiter: Als Elisabet den Gruß Marias hörte, „hüpfte das Kind  vor Freude“ in ihrem Leib.

So spielt der Gruß eigentlich in der Sphäre des Segens. Segnen heißt lateinisch benedicere, gut-sprechen: Es ist gut, dass es dich gibt und es wird gut sein, wenn es dich weiterhin gibt.

Sollten wir uns das nicht öfters sagen? Durch einen freundlichen Blick oder das einfache Guten Tag bzw. hierzulande: Griaß di!

Seid gegrüßt zum 4. Advent!

P. J. Gregur

Be happy, Maria

Freitag, 10 Dezember 2021

Be happy, Maria

Diese Woche, am 8. Dez. hatten wir das Hochfest der Immaculata, Maria ohne Erbsünde Empfangene und Empfangende. Der anstehende Dritte Advent aber ist der Gaudete-Sonntag; das Eingangsstück zur Sonntagsmesse hebt mit „Gaudete, freut euch!“ an. Wenn an übrigen Adventsonntagen in der Kirche das Violett angesagt ist – als Zeichen der Bußgesinnung –, so wird jetzt das Rosa-Messgewand genommen; das strahlende Weiß – helle Freude! – von Weihnachten bricht hier schon durch.

Beide Festtage, der Dritte Advent und die Immaculata, hängen durch ‚Freude‘ zusammen. Denn unser ‚Freut euch‘ gründet im Gruß an Maria, mit dem „der Engel des Herrn“ die Menschwerdung Gottes ankündigt: Chaire, Maria! Auf Griechisch kommt das Gemeinte deutlicher zum Ausdruck als in unserem „Gegrüßet seist du, Maria“. Es bedeutet: Freu dich, Maria, sei glücklich, genieße es, be happy!

Worüber soll sich Maria freuen? Was für eine Frage: Soll sie doch Immanuel, ‚Gott mit uns‘ austragen, Gott, der „der Herr (ist), dein Gott, in deiner Mitte“. Gott, der selbst froh ist, wie die 1. Sonntagslesung kühn anmerkt: „Er freut sich und jubelt über dich, … er jubelt über dich und frohlockt.“

Der Schöpfer der Welt selbst als Urgrund aller Freude? Ja, wenn man bedenkt, dass Chaire Maria mit Charis zusammenhängt, auf welches unser ‚Charisma‘, Begnadetsein zurückgeht. Gnade jedoch nicht als huldvolles Gewähren (der gnädige Gott erbarmt sich des Sünders), sondern als Erfüllung mit Gottes Schönheit, seiner Herrlichkeit und Freude; seinem ‚Jubel‘ über den Vollbesitz allen Lebens, das er an seine Schöpfung weiterschenken will. Daher dann der Engelsgruß an Maria weiter: „du bist, voll der Gnade“, d. h. voll der Freude und göttlicher Schönheit. „Ganz schön bist du, Maria, und der Makel der Erbsünde ist nicht an dir.“

Apropos Immaculata, die man gern mit ‚Jungfrau‘ verwechselt: Jungfrau ist mehr als Nicht-Empfängnis auf menschliche Weise. Jungfräulichkeit bedeutet die Ganzhingabe an Gott, ohne Wenn und Aber, ‚mit Haut und Haar‘. Wer das tut, ist jungfräulich, ob verheiratet oder ledig. Der Gegensatz zu Jungfräulichkeit ist die Erbsünde, Getrenntsein von Gott. Aber das ist ein anderes Thema und führt jetzt zu weit. Bleiben wir bei der Freude, die nicht theologisch grübelt, sondern spontan jubelt: „Meine Seele preist die Größe des Herrn“.

Einen freudig-begnadeten Dritten Advent!

P. J. Gregur

The same procedure as usual?

Freitag, 03 Dezember 2021

The same procedure as usual?

In diesen Tagen ist mir das Buch von Norbert Lohfink in die Hände gekommen. Es heißt: „Gegen die Verharmlosung Jesu“. Darin spricht dieser katholische Bibelausleger gleich im ersten Kapitel darüber, dass man Jesus missversteht, wenn man meint er wollte einer gewissen Wohlfühlmentalität das Wort reden, dem Individuum zu mehr irdischem Glück verhelfen. Jesu „Reich Gottes“ bestehe vielmehr in der radikalen Erwartung, dass Gott in jedem Augenblick ankommen und dadurch alles umkrempeln kann. Im Leben vieler Menschen es auch tut.

Jesus verharmlosen ist folglich auch dann, wenn man den Advent nur als eine heimelige Zeit im Sinn hat, mit Kerzen und Punsch, mit Nikolaus, Christkind und lieblich-rieselnder Musik. Man sollte freilich unsere schönen Bräuche nicht schlechtreden. Aber Advent meint eben doch etwas anderes, Herbes, eigentlich Aufrüttelndes.

Corona – lieber Gott, lass sie vorübergehen! – zwingt uns zur Vorahnung, dass man sich in dieser Welt auf Dauer nicht gemütlich einrichten kann. Wir in der westlichen Welt hätten gerne The same procedure as every year („Diner for One“). Es genügt aber ein Blick auf die frierenden Menschen an den Grenzen der EU, um zu sehen, dass das nicht geht. Nichts sehnlicher erwarten sie und die Hungernden, Flüchtenden, Entrechteten und Ausgebeuteten aller Zeiten, als dass ‚diese Welt‘ vergeht. Das ist ihre adventliche Hoffnung.

Kirchenmusikalisch betrachtet holt daher nicht der Gesang „Wir sagen euch an den lieben Advent, sehet die erste Kerze brennt“ den Sinn dieser Zeit ein. Sozusagen: wir gehen auf ein kuscheliges Familienfest zu, wo alle versuchen, sich lieb zu haben. Eher lotet den Advent das Lied aus: „Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne.“ Ein Kirchenlied, das als Adventsgesang schlechthin gilt, im neuen „Gotteslob“ aber sinnigerweise am Ende des Kirchenjahres steht. Und da ist nicht Idylle angesagt, sondern bekanntlich die Erschütterung der liebgewonnenen Verhältnisse und – christliche Hoffnung! – das himmlische Hochzeitsmahl.

Zu ernst, das Ganze? – Nein, ich will die Stimmung nicht trüben, aber es ist wirklich eine besinnliche Zeit. Aber nicht Besinnung im Sinne der weihnachtlichen Kaufhausromantik (den Sinnen frönen), sondern im Sinne der inneren Umkehr, die Jesus predigt.

Besinnlichen Zweiten Advent!

P. J. Gregur

Dinner for One:

https://www.youtube.com/watch?v=5n7VI0rC8ZA

In Erwartung

Freitag, 26 November 2021

In Erwartung

Immer wieder, wenn nicht gar jeden Tag, wird in den Nachrichten über eine Naturgewalt berichtet, durch die eine Stadt oder eine ganze Umgebung hart getroffen wurde – vom Wegspülen ganzer Häuser über den Zusammenbruch der Versorgungsanlagen bis hin zum Tod mehrere Menschen. Wer könnte bei solchen Informationen nicht bestürzt und ratlos sein? Auf der anderen Seite ist es wohl leider oft auch so, dass erschütternde Nachrichten immer mehr zum „normalen Tagesgeschehen“ geworden sind. Der Mensch legt sich eine härtere Schale zu, lässt vieles an sich abprallen.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene nehmen das nicht hin und erzwingen seit längerer Zeit durch Schulstreiks und Demonstrationen im Rahmen der „Fridays for future“-Bewegung den Blick auf diese Katastrophen. Sie dulden nicht, dass weggeschaut wird und zeigen die Angst auf, die die Menschen in Erwartung dessen, was da noch kommen kann, haben sollten.

Genau hinzusehen, das haben uns nicht nur die jungen KlimaschützerInnen noch einmal deutlich ans Herz gelegt. Wachsam sein, Chancen ergreifen, seinen eigenen Teil beitragen – das ist so wichtig!

Im Evangelium des kommenden 1. Adventssonntags heißt es: „… richtet euch auf und erhebt eure Häupter…“ Und weiter: „Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren …“

Wie oft schiebt man ein offensichtliches Problem und auch das davon Ergriffensein von sich, weil man doch selbst noch so viel zu erledigen hat, jetzt keinen Kopf dafür hat. Lassen wir uns mit dem Beginn der Adventszeit wieder ganz bewusst darauf ein, bereit zu sein. Neben allen Schwierigkeiten verheißt die Botschaft, dass Jesus Christus in die Welt kommen wird, ja mehr als etwas Gutes! Vielleicht geht uns ja immer wieder das ein oder andere Licht auf, wie wir unseren eigenen Teil zu dieser frohen Botschaft beitragen können.

Anita Graf

Christkönig – Macht der Wahrheit

Freitag, 19 November 2021

Christkönig – Macht der Wahrheit

Am kommenden Sonntag feiern die Katholiken das Christkönigsfest.

Könige haben Macht. Heute ist es uncool, die Macht groß herauszuhängen. Man wird sich aber nichts vormachen. Es muss nicht immer so deutlich sein: „Du Opfer!“ Die  Überlegenheit hat auch andere Formen. Selbstbewusstsein macht Eindruck, Attraktivität und gutes Aussehen verschaffen An-sehen und schmeichelnde Unterwerfung. Aus gutem Haus zu stammen, schadet bestimmt nicht. Eloquent, witzig und schnell im Kopf, bringt Vorteile. Gut Vernetzte profitieren von der Macht der Mächtigen. Begabung und Wissen führen geradewegs zur Macht, von Geld gar nicht zu reden. Auch die falsche Bescheidenheit ist nichts anderes als Machtsuche, durch die Hintertür. Nein, Macht gehört zum Leben und wird angestrebt, so oder so. Es kommt nur darauf an, wer sie hat und wie sie ausgeübt wird.

„Bist du König“ fragt Pilatus breitbeinig den ihm auf Gedeih und Verderb ausgelieferten Jesus. Und wundert sich über die Antwort: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ Was für eine lächerliche Verknüpfung: Königtum und Wahrheit! Wann war Politik schon wahrhaftig?

Die Unlogik dieser Verbindung bei Jesus – Macht versus Wahrheit – mag ein Hinweis sein auf die Beschaffenheit der legitimen Macht: Authentisch, nicht aufgesetzt; gegeben, nicht ergattert; gewachsen, nicht gekauft; Vollmacht, nicht Bemächtigung. Vor allem bescheiden, weil verdankt: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre“ hält Jesus seinem Richter vor.

Bist du also jugendlich attraktiv, freu dich darüber aber bilde dir nichts ein; verschafft dir dein Herkommen Vorteile – sei dankbar; bist du talentiert – super; kannst du auf vieles blicken, blicke nicht herab. Denn: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest?“ (1Kor 4,7).

Dass wir mit unserem Wer- und Sosein Gott-gegebene sind, wissen alle religiös ‚musikalischen‘ Menschen. Dass wir aber von ihm geliebt und so zur Liebe ermächtigt sind, für diese Wahrheit steht Jesus vor der säkularen Machteinbildung nackt, ohnmächtig und zugleich souverän da. Denn die Gewissheit, im Allmächtigen verdankt zu sein, macht ihn innerlich frei. Diese Wahrheit schützt auch seine Jünger und Jüngerinnen vor Machtergreifung welcher Art auch immer.

Gesegnetes Christkönigsfest!

P. J. Gregur

Tutoren – gut, dass es Euch gibt!

Freitag, 12 November 2021

Tutoren – gut, dass es Euch gibt!

Franca ist dreizehn. Stolz verkündet sie: „Ich bin jetzt Tutorin an unserer Schule.“ „Und was machst du da?“ „Ich zeige den Neuen, wie sie sich an der Schule zurechtfinden können. Ich helfe ihnen bei der Hausarbeit und auch bei der Suche von Freunden.“

Ich informiere mich: Der Begriff „Tutor“ stammt ursprünglich aus dem Römischen und wird von dem Wort „tueri“ abgeleitet, was so viel heißt wie „schützen“. Er wurde von den alten Römern vor allem vor Gericht benutzt und bedeutet eigentlich „Vormund“ oder „Erzieher“.

An der Universität oder der Hochschule leiten TutorInnen Übungsgruppen und helfen so, beim Erlernen bestimmter Vorlesungen. Dabei sind die TutorInnen in der Regel selbst noch Studenten oder Studentinnen.

 In der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) helfen TutorInnen bei der Organisation von Veranstaltungen der Wohngemeinschaften. Sie „warnen“ manchmal auch die Nachbarn, wenn ein Fest in der KHG etwas länger dauert oder bei dem es laut werden kann. Das ist sehr verdienstvoll!

Respekt! Wenn schon Zwölf- und Dreizehnjährige ein solches Tutorenamt ehrenamtlich übernehmen. „Es macht Arbeit, ja!“ sagt Franca.  „Aber es bringt auch viel Spaß.“ 

Nächstes Jahr wird Franca gefirmt. Gefirmte und konfirmierte Christen sind Tutoren des Heiligen Geistes. Auch, wenn sie sich anders nennen. Der Heilige Geist ist selber ein Tutor: ein „Beistand“. Also nur Mut! Gut, dass es Euch gibt!

P. Gerhard Eberts MSF

Liebe zum Detail

Freitag, 05 November 2021

Liebe zum Detail

 

Vor einigen Tagen hatten wir in der KHG die Tische für viele Gäste zu decken gehabt. 'Unsereiner' bekam schon im Noviziat (Vorbereitung fürs Ordensleben) die entsprechenden Regeln beigebracht: Gabel links, Messer rechts mit der Schneide nach innen, bündig mit dem Tellerrand etc. „Komm, so genau muss das nicht sein, das bemerkt eh keiner, ob das Messer so oder so daliegt“. Wir erwarten ja junge Leute und nicht irgendwelche überkandierte Ästheten.

 Da haben wir sie: die (Un-)Treue im Kleinen, die etwas von der Treue im Großen verraten mag, von der auch Jesus an diesem Samstag spricht: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen“ (Lk 16.10).

Was verrät die Zuverlässigkeit in kleinen Dingen, was ist das Große dahinter? Ich würde sagen: die Liebe! Die Liebe achtet auf das Detail und auf das Schöne. Denn die Liebe lebt von der Schönheit: Schön gedeckter Tisch, schön arrangierte Liturgie, liebevoll verpacktes Geschenk, sorgsam eingeübte Musik; sie wecken festliche Freude und Freude ist das Elixier des Lebens. Auch der kleine freundliche Gruß en passant kann große Wirkung entfalten, das Gegenüber aus der Tristesse der Anonymität lösen.

An der schönen Liturgie, übrigens, sieht man, wie die Leute glauben. Spulen sie sie nur irgendwie herunter, wird man ihnen nicht abnehmen, dass sie Gott und die Mitfeiernden besonders ernstnehmen. Investieren sie Zeit, wird man sich am Gottesdienst erbauen, auch wenn nicht alles perfekt gelingt. Das gilt wohl dann ebenso fürs Arrangement der Tafel, an der man Freunde erwartet.

Schönen Gruß zum Wochenende!

P. J. Gregur

 

 

Gebote halten?

Freitag, 29 Oktober 2021

Gebote halten?

Das Alte Testament wird uns am kommenden, den 31. Sonntag im Jahreskreis, daran erinnern, dass es zur Liebe Gottes gehört, Gebote zu halten. Bis ins Kleinste. Das kann man verstehen, denn ich kann nicht sagen, dass ich jemand achte, wenn mir seine Vorgaben egal sind. Darum, aus Achtung vor Gott, haben die jüdischen Menschen, Pharisäer zumal, peinlich genau auf der Erfüllung der Gebote bestanden – und damit ziemlich genervt.

Aber schon im Alten Testament steht gleich im Anschluss an die Einschärfung der Gebote, dass es die Liebe ist, auf die es bei Gott am meisten ankommt: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Und Jesus, dem die ganze Gebotsgeschichte der Pharisäer leicht auf die Nerven ging, greift das auf und verpflichtet uns auf das einzig entscheidende Gebot: „Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Aber missverstehen wir Jesus nicht als einen Softie, der keine sonstigen Ansprüche stellt. Einmal wird er hervorheben, dass er die Gebote nicht aufheben will; er will sie aber „erfüllen“ (Mt 5,17). Mit anderen Worten, er hält sie für sinnvoll, insofern sie ‚Leitplanken‘ des Lebens sind. Was ihn nervt, ist der Formalismus, Pochen auf dem Buchstaben – so und nicht anders – dabei den Geist und Sinn dahinter vergessend.

„Halte dich an die Ordnung und die Ordnung wird dich halten“, sagten die Alten. Die geregelte Ordnung ist sinnvoll – solange der Sabbat um des Menschen willen da ist, und nicht umgekehrt.

So verstehe ich Jesus und grüße euch herzlich zur neuen Woche!

P. J. Gregur

Dreidimensional sehen

Freitag, 22 Oktober 2021

Dreidimensional sehen

„Räumliches Sehen ist nicht angeboren.“ So die medizinische Auskunft. Dreidimensionales Sehen müsse nach der Geburt durch visuelle Reize erst erlernt werden.

Ich habe mich darüber im WEB informiert im Hinblick auf die Heilung des Blinden durch Jesus im Sonntagsevangelium (Mk 10). Denn die meisten von uns sehen mit den leiblichen Augen gut, dreidimensional. Wie sieht es aber mit unserem inneren Auge: Sehen wir die Wirklichkeit um und über uns drei- oder nur zweidimensional? Ich meine: sehe ich nur mich, den anderen gegenüber, die Dinge und Ereignisse um mich herum? Und merke nicht, dass der Raum, in dem sich das Leben abspielt, mehrdimensional ist, d. h., dass es noch ein Drittes gibt: Das Geheimnis des Daseins, den Sinn, die Liebe und hinter allem – Gott. Für das leibliche Auge unsichtbar, für den „siebten Sinn“ der Seele aber zugänglich. Mehr noch als der Säugling es tut, muss dieses innere Auge lebenslang trainiert und geschärft werden, um die Mehrdimensionalität des geistigen Universums zu erahnen, in dem wir „leben, uns bewegen und sind“ (Apg 17,28).

Gesegneten Sonntag und eine schöne Woche!

P. J. Gregur

Von vorn

Freitag, 15 Oktober 2021

Von vorn

Das Spiel beginnt von vorn: Nach der Leichtigkeit des Sommers hat uns das neue Semester wieder.  Oder, wie die Älteren sagen, der Ernst des Lebens kehrt zurück. Doch die Jungen sollten lieber beim ‚Spiel‘ bleiben. Das Spiel ist zwar ernst, weil es volle Konzentration braucht, Konkurrenz, Kräftemessen und Einsatz angesagt sind. Und weil es genaue Regeln gibt, ohne die das Spiel fad und uninteressant wäre. Insofern ist das neue Semester eine Herausforderung, besonders für die Ersties im Team. Andererseits soll das Studium nicht verbissen zielorientiert sein, es soll Spaß machen. Dazu sind entsprechende Atmosphäre, Freude an Gemeinschaft und der Teamgeist wichtig.

Ich denke an Berny, einen Kommilitonen beim Fußball, der leider an Krebs verstorben ist: Er spielte gut, aber nicht mit tierischem Ernst, nur fürs Tor. Er spielte die Bälle den anderen zu, die lange nicht so gut waren wie er. Er erinnert mich an Jesus, der an diesem Sonntag seinen Anhängern sagt, in welchem Geist das Spiel des Lebens gelingen kann: Während „Herrscher dieser Welt“, die Mächtigen und Egoisten ihre Mitspieler fürs eigene Prestige missbrauchen, sollen die Christen Teamplayer sein: „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein“ (Mt 10,43f).

Immer noch verhindert Corona das unbeschwerte Zusammenspiel, immer noch sind vielfach nur Online-Vorlesungen…L. Bei uns in der KHG ist gottlob doch wieder einiges an Gemeinsamkeit los, schau Dir unser Programm an. Es soll helfen, im Geiste Jesu gut ins Wintersemester zu starten, die Freude nicht zu vergessen und den Teamgeist an der UNI und der Hochschule zu stärken.

Wir wünschen euch und uns allen eine gute erste Halbzeit im Spiel 2021/22.

P. J. Gregur

Schöne Ferien!

Freitag, 30 Juli 2021

Schöne Ferien!

Ist euch aufgefallen: Die Vögel, die sich im Frühjahr in Gesang und Gezwitscher gegenseitig überbieten, sind jetzt still geworden. Als hätten sie im Sommer unserer Lebensfreude den Platz machen wollen. Denn erst jetzt, nach den Klausuren, Hausarbeiten und Prüfungen, atmen auch wir durch. Es ist die Zeit der Freiheit und Muße, vorbei der Stress der Termine und Pflichten. Musste man sich im Semester fleißig und gescheit geben (sich also um das ‚Wahre‘ kümmern); und musste man Selbstdisziplin üben und sich zusammenreißen (also das ‚Gute‘ beachten), so ist jetzt die Zeit gekommen, sich dem 'dolce far niente' zu überlassen, der Freude zu frönen und die Schönheit der Welt neu zu sehen.

In  der Welt gibt es Wahres, Gutes und Schönes. ‚Das Schöne wird die Welt retten‘, lässt Dostojewski eine seiner Figuren sagen. In der Tat entsteht vieles Schlechte und Böse unter Druck und Stress. Gut sein zu müssen, bewirkt oft das Gegenteil. Der Wettkampf um Zeit, Geld und Erkenntnis raubt viel Lebensenergie. Das Schöne, im Gegensatz dazu, verfolgt keine Zwecke, es rechnet nicht ab, muss sich nicht beweisen, macht frei von allem Müssen. 

Hat das was mit Gott zu tun? Klar. Denn Gott ist gut, über alles gut, das Gute schlechthin. Allwissend ist er auch, er ist die Wahrheit an sich. Faszinierend aber ist er durch seine Schönheit – die Herrlichkeit, wie die Bibel sagt. Nicht von ungefähr beten wir in der Liturgie unentwegt , der Herrlichkeit Gottes teilhaftig zu werden.

Nimm Dir jetzt Zeit für das Schöne. Das Schöne ist erholsam und freimachend. Die Natur ist schön, deshalb fühlen wir uns dort wohl. Die Kunst ist schön, deshalb die herrlichen Kirchen, die Musik und das Theater. Denn das Schöne ist nicht Puderzucker auf dem Kuchen des Guten, sondern das Aufblühen seines Wesens: Schöne Ferien sind gute Ferien. Lass dich von Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung faszinieren; und bezaubern von der Kunst (in einer Kirche z. B.), mit der zumindest die europäische Kultur seine Schönheit ausdrücken und besingen wollte.

Im Namen des Teams der KHG: Schöne Ferien!

Bis zum Herbst!

P. J. Gregur

 

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