Allgemein

Spaßgeneration?

Freitag, 14 Mai 2021

Spaßgeneration?

„Spaßgesellschaft war gestern“, konstatierte die „Frankfurter Rundschau“ bezogen auf die Generation unter zwanzig. Unter Teenagern würde sich „neue Ernsthaftigkeit“ ausbreiten: Klima, Umwelt, soziale Gerechtigkeit ist den jungen ernst.

Aber Leben ohne Spaß? Spielen macht Spaß, gut essen, Freunde treffen, mal übern Durst trinken, ins Stadion gehen, Disco usw. Jemand im Netz – wo es übrigens eine Menge Tiefsinniges zu Spaß und Freude gibt – meint, der Spaß gehe auf die augenblickliche Befriedigung der Triebe zurück (Sicherheitstrieb, Aggressionstrieb, Bindungstrieb, Nahrungstrieb, Sexualtrieb). Das Wort Spaß hängt mit dem italienischen Wort spasso zusammen, das Zeitvertreib und Vergnügen bedeutet - muss auch sein, Christentum ist kein Spaßverderber.

Viele der Achtundsechziger-Generation meinten, auch der muss Gottesdienst Spaß machen. Frage ist, ob das auch bei der damaligen „heutigen Jugend“ unbedingt gefragt war. Denn auch junge Leute bringen die Religion spontan mit der Ernsthaftigkeit zusammen. In der Bibel jedenfalls kommt der Spaß nicht vor. Dafür aber umso mehr die Freude. Der verlorene Sohn zog mit seinem Vermögen weg und hatte eine Menge Spaß. Bis das Geld weg war. Den Unterschied zwischen Spaß und Freude erlebte er als seine Reue auf die Barmherzigkeit des Vaters stieß; beglückt sah er: Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Macht, Genuss und Unabhängigkeit machen Spaß; Hingabe, Verzicht und Bindung Freude. Wenn der Leib auf seine Kosten kommt, dann sind wir vergnügt, bei der Seele ist es das innere Glück. Der Spaß will Kurzweil, die Freude Ewigkeit.

Darauf richtet uns Jesus aus. Er hatte sicher auch Spaß, bei der Hochzeit in Kana z. B. Aber seine Mission war Freude. Diese erbittet er für die Seinen beim Abschiedsgebet, das am kommenden 7. Ostersonntag zu hören ist: „Aber jetzt komme ich zu dir [Vater] und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben“ (Joh 17,13).

Gesegnete Woche und viel Spaß an der Freude!

P. Gregur

Verkannte Liebe?

Freitag, 07 Mai 2021

Verkannte Liebe?

 „Frühmorgens im blühenden Mai, da Berge noch schliefen und der Mond nicht untergehen wollte, öffnete ich leise die wacklige Gartentür, das Reisebündel um die Schulter werfend. Die alte Mutter ging hinter mir her, stumm den Blick zur Erde gesenkt: Sie konnte nicht wissen, was in der Seele mir vorging und warum seit gestern ich kein Wort mehr sprach; so Vieles wollten wir uns noch sagen, doch alles entschwunden ist jetzt.“[1]

So ungefähr fasst ein kroatisches Lied den Abschied eines Bauernjungen von seiner Heimat, um sich in der Welt zu beweisen. Die wehmütige Szene weckt auch meinerseits die Erinnerung an die zahlreichen Abschiedsszenen: Meiner Mutter muss mein Aufbrechen nach Deutschland jedes Mal wie eine Reise ans Ende der Welt vorgekommen sein. Und immer wollte sie etwas mitgeben, wenigstens den Proviant, den ich zwar nahm, aber stets ungeduldig kommentierte, vielleicht um die bedrückte Stimmung zu kaschieren: „Ich kann doch unterwegs einkehren oder mir was Frisches kaufen.“ Sie ihrerseits ertrug kommentarlos die Lieblosigkeit. Mir aber zog es unterwegs, beim Auspacken, das Herz zusammen: Wollte sie doch mit der bescheiden eingepackten Gabe etwas von sich selbst mitgeben.

So sind die Mütter eben. Sie ertragen, dass ihre Herzenswärme oft dümmlich verkannt wird. Ist das nicht überhaupt das Schicksal des Mütterlichen, das nicht nur im Privaten unterschätzt wird, sondern in einer durchökonomisierten Gesellschaft insgesamt eine schlechte Reputation hat? Mir kommen dabei die drei belächelten ‚Ks‘ in den Sinn: Kinder, Küche, Kirche; wer möchte schon darauf reduziert werden? Dabei sind Kinder die Zukunft der Gesellschaft, die Küche elementare Grundlage des Lebens und die Kirche die Platzhalterin für den Sinn des Ganzen. Wobei, klarerweise, die Väter hier inzwischen nicht weniger gefordert sind.

Was mich aber bei diesem Thema auch noch bewegt, ist das oft pubertär anmutende Gebaren gegenüber der mater ecclesia, der Kirche in der alten Metapher des Mütterlichen. Von ihr möchte man erst recht nicht ‚bemuttert‘ werden. Dass sie uns aus der Taufe gehoben hat, den Ursprung und das Ziel des Lebens erschließen will, an der Wiege der christlichen Kultur stand und ihr das soziale Gewissen einpflanzte (vgl. Paulus); und dass sie ihren ‚Kindern‘ weiterhin Sonntag für Sonntag – bei allen Abstrichen – die Quintessenz der Botschaft Jesu überliefert und einschärft: „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe“ (Sonntagsevangelium): all das scheint oft nicht viel zu gelten. Erst recht schätzt man ihren Proviant an Sakramenten gering; man könne sich ja die Heilmittel angeblich selbst und woanders besorgen. Zugegeben: Sie hat sich durch ihre schlechten Sachwalter nicht selten stiefmütterlich gegeben. Dennoch, glaube ich, wird auf lange Sicht hin, von den Besonnenen zumindest, ihre Verkennung bemerkt und ihr möglicherweise verlegen nachgerufen werden: Verzeih, Missachtete; schön, dass es dich gibt!

Den irdischen Mamas aber, da man sie nicht ewig hat, soll nicht irgendwann, sondern jetzt schon ein Dankeschön für die selbstlose Mütterlichkeit gesagt werden: Sie leben hoch!

Einen schönen Mutter-Sonntag!

P. J. Gregur

 



[1] https://www.youtube.com/watch?v=pe_ms84GXJk

 

Wir waren dann mal weg

Freitag, 30 April 2021

Wir waren dann mal weg

Diese Woche Dienstag, am 27. 4., haben wir von der KHG in Augsburg bis Friedberg dem großen „Jakobsweg“ für einige Stunden symbolisch nachgespürt (selbstverständlich unter Beachtung der Corona-Regeln). Nach einer inhaltlichen Einstimmung durch Dennis (siehe unten) und der technischen Einführung durch Hannah sowie dem Pilgersegen machten wir uns einzeln auf den Weg. Unterwegs gab es zwei Stationen mit jeweils einem auf YouTube vorbereiteten, auf die Tageslesungen aufbauenden geistlichen Impuls. Der Ziel- und Höhepunkt war eine Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Jakob in Friedberg. Das tolle Frühlingswetter machte den Nachmittag für alle umso schöner. Die Agape freilich, das gemeinsame Ausklingen des Weges in einem Biergarten etwa, gab es leider nicht...

Ihr könnt euch durch das Anhören der Impulse von Hannah und Dennis unserem Pilgern nachträglich innerlich anschließen.

Einführung:

 Der Impuls der ersten Weg-Station:

 Zur zweiten Station bei St. Afra im Felde

 

Einen gesegneten Sonntag und eine schöne Woche!

P. J. Gregur

 

Steh auf!

Freitag, 23 April 2021

Steh auf!

"Auf er stehen" war das Motto beim ökumenischen Gottesdienst zum Semesterstart. Im Zentrum stand die Frage was Auferstehung für uns bedeutet. 
Falls ihr beim Gottesdienst von ESG und KHG nicht dabei sein konntet, könnt ihr ihn hier nochmals anschauen:

 

Der Segen

Freitag, 16 April 2021

Der Segen

Der Segen

Kann man alles segnen? Diese Frage wird immer wieder aktuell, wenn ambivalente Dinge gut-geheißen werden, die Waffen beispielsweise oder Autos, die andere gefährden können. Denn segnen heißt auf Latein benedicere, auf Deutsch eben gutheißen oder gutsagen, benedeien. „Es ist gut, dass es dich gibt“ ist schon ein Segen. Zum kirchlichen Segnen kommt die Symbolik des Kreuzes und des Weihwassers dazu. Dann ist der Segen amtlich oder sakramentlich, wie man theologisch sagen würde.

In der Vergangenheit war die Verteidigung des Landes ein solch hohes Gut, dass die Öffentlichkeit die Waffensegnung nicht anstößig fand. Die Autosegnung wird nach wie vor bejaht, weil man damit zur Arbeit, zum Arzt, und in die Freizeit fahren kann. Wer aber daran denkt, dass die Waffen nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zum Angriff ‚gut‘ sind, und dass durch das Auto Menschen auch zu Tode kommen, wird Probleme mit ihrer prinzipiellen Gutheißung haben.

Die Kirche war von Anfang an sehr segensfreudig. Nicht nur, dass sie beispielsweise beim Aufkommen des Telegraphen mit dem Segen gleich zur Stelle war, sie hatte auch ein Formular für die „Segnung jeglicher Dinge“ parat. Darum fragen sich heute viele, warum sie Probleme mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben muss. Geht es doch um die Liebe zweier Menschen und wer, wenn nicht die Kirche, sollte die Liebe gutheißen.

Aber es geht nicht nur um die Liebe, die selbstverständlich hohes Gut und gutzuheißen ist. Warum die (Welt-)Kirche zurückhaltend ist, hat mit der sakramentlichen Segnung der Ehe zu tun, von der sich andere Zweierbeziehungen unterscheiden sollen. Im offiziellen liturgischen Segensbuch wird festgehalten: „Dinge [auch Beziehungen] werden gesegnet, wenn sie wegen ihrer Eigenart in besonderer Weise auf den Schöpfer hinweisen.“ Welchen Schöpfer? Den Schöpfer allen Lebens. Wenn daher Gott, die Liebe, den Menschen nach seinem Bild als Mann und Frau erschuf, so wohl mit der Absicht, ihm nicht nur in ihrer Liebesbeziehung zu ähneln, sondern auch im Hinblick auf die schöpferische Lebensweitergabe. Er segnete sie in ihrer Konkreativität mit ihm (vgl. Gen 1,28).

Eine schöne, gesegnete Woche wünscht euch im Namen der KHG

P. J. Gregur

Weißer Sonntag

Freitag, 09 April 2021

Weißer Sonntag

Erstkommunion, Mädchen als weiße Bräutchen, Buben in weißem Anzug: der weiße Sonntag! Stimmt irgendwie, insofern die Kommunion mit der Taufe zusammenhängt – und das tut sie ja. Ohne Taufe keine Eucharistiefeier und auch keine Kommunion. Die weißen Kleider, Erinnerung an die Taufe als Bedingung der Möglichkeit der Kommunion.

Das Weiß assoziiert man mit Reinheit, Unschuld und Frische des Neuanfangs. Am Grab des Auferstandenen ist der Engel in weiß; die Ältesten und Erlösten um den Thron Gottes im Himmel tragen Weiß (Offb7). „Wer siegt, wird mit weißen Gewändern bekleidet werden. Nie werde ich seinen Namen aus dem Buch des Lebens streichen“ (Offb 3). Die ersten Christen sind mächtig stolz darauf, bei der Taufe in der Osternacht eine weiße Tunika zu bekommen (heute die Albe, weißes Gewand, des Priesters). Diese trugen sie bis zum Gottesdienst am darauffolgenden, dem "weißen" Sonntag.

Es war nicht nur Romantik. Die um den himmlischen Thron in weißen Gewändern halten Palmzweige in der Hand, Symbol für das Martyrium: „Dies sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.“ Mit anderen Worten: Sie sind für Christus gestorben. Der Lohn? Das Lamm führt sie zum „Wasser des Lebens“, er wischt die „Tränen von ihren Augen ab“.

Nur ihnen? Und was ist mit mir, der ich für die Taufe nichts kann, die ich nicht einmal schätze? Geschweige denn, auf mein Christsein stolz zu sein. Und auch sonst ziemlich von Gott ‚gesondert‘ lebe, ein Sünder bin. Bekomme auch ich das weiße Gewand?

Schon im Alten Testament spricht Gott: „Sind eure Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie. Sind sie rot wie Purpur, wie Wolle werden sie“ (Jes 1). Während David deshalb noch beten muss: „Wasche mich und ich werde weißer als Schnee!“ (Ps 51), stehe ich schon im Chor der Erlösten und stammle, wenn auch etwas verschämt, mit: „Zum Mahl des Lammes schreiten wir mit weißen Kleidern angetan, Christus, dem Sieger, singen wir, der uns durchs Rote Meer geführt“ (Osterhymnus).

P. J. Gregur

Fest der Auferstehung

Sonntag, 04 April 2021

Fest der Auferstehung

„Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung: Stunden werden eingeschmolzen und ein Glück ist da“, Sätze aufgebrochen“, „Waffen umgeschmiedet“, „Sperren übersprungen“ usw., lauter Auferstehungen im Alltag. Mir gefällt dieses Lied und doch mag ich es nicht. Es ist klar, was gemeint ist: Wenn wir christlich handeln, dann sind das „Glück“, das „Lied“, der „Friede“ und der „Geist“ Jesu da. Aber irgendwie dünn ist das alles, menschengemacht, fast nach dem Motto: wenn wir im Sinne Jesu nett zueinander sind, dann ist das Leben schöner und sinnvoller. Auferstehung braucht es dazu nicht.

Es gab in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Theologen, die auch gemeint haben die Auferstehung Jesu bedeutet: Die Jünger wussten auf einmal, dass Jesus lebt bzw. dass „die Sache Jesu“ weitergeht. Sie hätten ihre tiefste Überzeugung und Sehnsucht als Auferstehung erfahren.

So geht das aber nicht. Die Menschen vor zweitausend Jahren waren auch nicht simpel gestrickt. Auch sie wollten ihr Leben und ihren Glauben nicht auf die innere Überzeugung von irgendjemand bauen. Betrüger liefen auch damals zuhauf umher.

Nein, es ist damals etwas passiert, das die innere und äußere Welt der Apostel völlig durcheinander gebracht hat. Eine geistige Kernexplosion sozusagen, mit realem Hintergrund. Sonst wären sie nicht für Jesus nach und nach in den Tod gegangen. Sie taten es eindeutig aufgrund der Auferstehung Jesu. Darum sagt Paulus: „Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube. […] Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.“ (1 Kor 15,14 u. 20).

Unser Glaube stützt sich auf die Zeugen der Auferstehung, die Apostel. Darum sind in allen Pfarrkirchen an der Wand rundherum zwölf Kerzen angebracht, Lichter der Auferstehung sozusagen. Alles steht in diesem Licht: der Sonntag als wöchentliches Ostern, die Eucharistiefeier als Feier des Todes und der Auferstehung Jesu, alle übrige Liturgie. Die Christen, die Kirche, alles Christliche ist das Ergebnis der Auferstehung. Und auch Garant der Tradition, der Über-Gabe der Auferstehungsbotschaft von Generation zu Generation. Nicht der selbstgemachten, der gefühlsmäßigen, sondern Auferstehung als Faktum schlechthin. Halleluja!

Ein gesegnetes Osterfest im Namen des ganzen Teams der KHG Augsburg!

P. J. Gregur

 P. s. Immer wieder schön…. https://www.youtube.com/watch?v=SXh7JR9oKVE

Abgrund des Seins

Freitag, 02 April 2021

Abgrund des Seins

Menschen fragen – bewusst oder unbewusst – nach dem Sinn des Lebens. Diejenigen, die bewusst fragen, Philosophen und Theologen beispielsweise, fragen auch nach dem Sein dahinter: Ist alles, was wir sehen, messen, betasten und erfahren wirklich oder nur Schein? Klingt albern, aber wenn man Träume anschaut, den Wechsel der Gefühle, Freundschaft und Feindschaft, Liebe und Hass, merkt man wie seltsam ‚unwirklich‘ alles sein kann. Und wenn es dick kommt, Sinn-los. Trotzdem ist es für die meisten ausgemacht, dass die Wirklichkeit um uns wahr und sinnvoll ist.

Einige einflussreiche Denker des 19. und 20. Jhs. sagen: Die Frage nach Sinn und Sein ist falsch gestellt, sie setzt schon voraus, dass es diese gibt. Überhaupt neige das Denken dazu, sich etwas vorzumachen. Die Erfahrungen des ‚Daseins‘, des Todes, der Angst und Schuld ließen ahnen, dass es keinen Seinsgrund gibt, eher einen gähnenden Abgrund: Wir blickten in die Leere des Nichts!

In diesen Tagen der Passion Jesu hören wir den geheimnisvollen Satz aus dem Johannesevangelium: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19,37). – Auf einen Toten schauen? Mit dem angeblichen Mut der philosophischen Verzweiflung sozusagen: Du sollst dem Nichts tapfer in die Augen schauen, das führt dich aus der Täuschung in die Eigentlichkeit des Daseins. Nimmt den Tod und die Angst einfach hin, dann bist du frei?

Dass es einen Daseins-Abgrund gibt, steht außer Zweifel, der Mensch selbst ist ein Abgrund, darüber schrieb einer ein dickes Buch (F. Ulrich, Homo abyssus). Aber in der tiefsten Tiefe dieses Abgrunds ist nicht Sinn-loses Nichts. Sondern der Gekreuzigte des Karfreitags ist der Sinn. Wir sollten den Blick auf ihn halten und aushalten. Nicht um unseren Mut zum Nichts zu beweisen, sondern in der Ahnung, dass hier ein geheimnisvoll-dialektischer Quantensprung des Lebens vor sich geht: Gott lässt sich zunichtemachen, damit das Dasein Sinn-voll wird.

J. Gregur

Der Tod geht vorbei

Mittwoch, 31 März 2021

Der Tod geht vorbei

Der Tod geht vorbei - diese etwas eigenartige Überschrift hat ein Schüler einmal der ersten Lesung des Gründonnerstages gegeben. Mose bekommt von Gott den Auftrag, das Paschafest zu feiern.  Es ist der Beginn des Auszuges aus Ägypten, der Anfang der Befreiung aus der Sklaverei.  Was am Anfang dieser Rettung steht, übersehen wir allzu schnell: Der Auszug aus Ägypten ist teuer erkauft. Die Erstgeborenen der Ägypter müssen sterben. Das Blut an den Türpfosten schützt die Israeliten, aber es ist das Blut, das den jungen Lämmern den Tod gebracht hat.  Die Bitterkräuter, die zum Lamm des Pessachmahles gereicht werden, machen deutlich: Das Fest ist ein Essen im Angesicht des Todes. Es gibt keine Familie, die nicht die Bitternis des Leids in dieser Stunde der Rettung kennt. Keine Befreiung aus der Sklaverei ohne, dass dafür andere mit dem Leben bezahlt haben. Wer am Leben bleiben durfte, ist unweigerlich verflochten mit dem Tod.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Erzählung einigen nicht schmeckt. Eine martialische Erzählung aus früheren Zeiten, die nicht mehr ins heute passt.  Wozu die Rede um die Opfer? Wozu das Schlachten der Lämmer? Ist nicht auch eine vegetarische Version des Paschamahls möglich? Es muss doch möglich sein, dass ein Leben nicht auf Kosten anderen Lebens möglich ist!

Am Gründonnerstag feiern wir nicht mehr das Paschafest, sondern das letzte Abendmahl Jesu. Kein Lammfleisch auf dem Altar, sondern die „vegetarischen“ Gaben von Brot und Wein. Ein Zeichen dafür, dass der alte Kult des Opferns überholt ist? Sicher, unser Gottesdienst ist auf den ersten Blick „vegetarischer“ geworden. Aber dann eigentlich doch nicht. Jesus spricht beim Letzten Abendmahl über die Gaben Brot und Wein: Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut, hingegeben für euch. Reine Rhetorik?

Der Anschein, wir hätten diese Zeit des Alten Testaments in unserer Welt überwunden, trügt. Wir erleben die Nacht des Paschafestes auch heute. Der Tod geht vorbei. Nicht erst seit dem Coronavirus stehen wir ratlos vor der Frage: Warum wurde ich verschont, während andere, schuldlos, unerklärlich starben? Und auch Unterdrückung und Unfreiheit sind heute noch Realität.

Die Welt lebt, weil einige sich opfern. Nicht selten arbeiten andere für unseren Wohlstand bis zur Hingabe ihres Lebens. Unschuldiges Blut wird vergossen, ungerechte Opfer von anderen verlangt.

Davon unterscheiden müssen wir die vielen Menschen, die sich freiwillig und aus Überzeugung für andere opfern. Mit Hingabe leben, arbeiten, helfen, spenden. Die Welt lebt, weil einige ihre eigenen Interessen hintenanstellen und sich aufopferungsvoll für Benachteiligte, Schwache, für Kinder und Alte, für Fremde und Einheimische einsetzten.

Jesus schafft das Opfern der Lämmer für den Gottesdienst nicht ersatzlos ab. Vielmehr stellt er sich bei der letzten Paschafeier selbst an die Stelle des Opferlammes. Sein eigenes Leben und Sterben deutet er als ein Leben und Sterben für die Menschen. Sein Leben, damit unser Leben Erfüllung findet: in Versöhnung, in Freiheit, mit Frieden. Jesus Christus ist das Opferlamm des Neuen Bundes, so sagt das Neue Testament über ihn. In einer Welt, in der alle mit Leid und Tod verstrickt sind, in der Ungerechte und Unschuldige geopfert werden, feiern wir Eucharistie – den Dank für Jesu stellvertretende Lebenshingabe.

Wenn Gottes Sohn Opfer menschlicher Ungerechtigkeit wurde, dann hat es für uns eine besondere Dringlichkeit alle Situationen zu beenden, in der Ungerechtigkeit und Unterdrückung Menschen zu Opfern zwingt und wir auf Kosten anderer leben.

Wenn Gottes Sohn sich im Abendmahlssaal vor den Jüngern hinkniet um ihnen die Füße zu waschen, dann hat der freiwillige, überzeugte Dienst an anderen Menschen höchsten Wert für uns, wie für die Welt. „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ Der Auftrag Jesu, „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ erklingt über dem Gottesdienst hinaus.

Als Theologe will ich keine Empfehlung über Ernährungsgewohnheiten geben. Aber theologisch gesprochen, ist das Leben als Christ kein Leben als Vegetarier – sprich ein Leben, das sich der Lebenshingabe entziehen will. Wir dürfen Lebenskraft schöpfen aus den Leben Jesu.

So gesehen sind die drei österlichen Tage, die mit dem Gründonnerstag beginnen, kein „vegetarisches Fest“, aber auch kein Opferkult. „Es gibt kein Leben, ohne den Tod anderen Lebens.“ Dieser Satz wird verwandelt in: Es gibt kein erfüllteres Leben, als die liebende Hingabe meiner Lebensenergie. Dann heißt es: Der Tod ist vorbei.

Dennis Nguyen

 

 

 

Superhelden sind gefragt

Samstag, 27 März 2021

Superhelden sind gefragt

Uns faszinieren bombastische Inszenierungen und Siegertypen. Filme, Theaterstücke und Bücher handeln zumeist von Helden; oft sind es sogar Superhelden, die mit ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten siegen. Um das Ziel zu erreichen ist Gewalt dabei ein akzeptiertes Mittel.

Jesus tanzt in vielerlei Hinsicht aus der Reihe. Gerade am Palmsonntag wird das uns sehr deutlich vor Augen geführt. Er wählt eine ganze andere Inszenierung und überlässt dabei nichts dem Zufall:
Auf einem Fohlen einer Eselin zieht Jesus nach Jerusalem ein. Ihm folgen seine Jüngerinnen und Jünger. Ihre Hände sind leer. Damit ist es eine Friedensdemonstration par excellence.

Dem gegenüber steht die Machtdemonstration der römischen Weltmacht: Pontius Pilatus als Präfekt der Provinz Judäa liefert bei Prozessionen ein Spektakel imperialer Stärke. Pilatus sitzt schwerbewaffnet hoch zu Ross, wenn er seine Stadt betritt. Bewaffnete Fußsoldaten, Reiter, Standarten und andere Machtsymbole transportieren eine klare Botschaft. Hier kommt ein Befehlshaber, dem sich alles unterzuordnen hat – notfalls mit Waffengewalt.

Wie die Menschen damals in Jerusalem erwarte auch ich oft einen Superhelden, der sofort alles wieder in Ordnung bringt. Doch Gott geht mit und durch Jesus einen anderen Weg.
Er ist ohnmächtig gegenüber der Macht und Gewalt des Staatsapparates und der korrupten Elite der Hohepriester. Selbst zur Verteidigung lehnt Jesus Gewalt als falschverstandene Sicherheit ab. Bei seiner Gefangennahme mahnt er seine Freunde in aller Deutlichkeit. Aufgrund seiner konsequenten Liebe zu allen Menschen verliert er – (zunächst) sein Leben.

Gott ist nicht nur triumphal und allmächtig zu sehen. Um uns auf Augenhöhe zu begegnen hat er einen außergewöhnlichen und unglaublichen Weg eingeschlagen. Jesus ist auch der Mann, der vor einem anrollenden Panzer gewaltfrei stehen bleibt. Er ist ebenso die Frau, welche mit Rosen in der Hand auf bewaffnete Polizisten in einem totalitären Staat zugeht. Jesus ist in einer leidenden Kranken wie in einem Jugendlichen zu finden, der nicht mehr weiter weiß.

Jesus passt einfach nicht in unsere Erzählungen von Superhelden. Er sprengt den Rahmen. Vertrauen wir seiner gewaltfreien Revolution der Liebe, die spätestens mit dem Einzug in Jerusalem begonnen hat.

Michael Rösch

 

Lieber heiliger Josef

Freitag, 19 März 2021

Lieber heiliger Josef

 

Lieber Josef! „Du Opfer“ heißt es verächtlich im Jugendjargon, wenn einer sich nicht wehren oder durchsetzen kann oder wenn er verkannt wird. Ich weiß nicht warum mir das gerade bei Dir kommt. Aber irgendwo stimmt es schon: Bleibst Du doch trotz seltsamer Umstände bei Maria; hockst auf alten Bildern mit besorgter Miene abseits der Krippe von Bethlehem, grübelst und sagst nichts; fliehst Hals über Kopf mit den beiden vor den Schlächtern des Herodes nach Ägypten hinunter, der Wüste, wilden Tieren und Räubern ausgesetzt. Spätestens da hätte einer die Flinte ins Korn geworfen.

 

Und wieder kein Wort von Dir, zumindest ist nichts überliefert. Dabei wüsste man doch gerne wie es in Dir aussah: Spielt der liebe Gott ein bizarres Spiel mit mir? Was habe ich mir nur aufgehalst? Bin ich ein Opfer? – Oder hast Du dir‘s mit Träumen geholfen? Sie als Gottes Morgenröte erfahren? Dann wäre Dein Stummsein keine Resignation, eher Ergebenheit, Achtsamkeit, Lebensweisheit, oder tiefer: Hingabe an den Willen Gottes.

 

Dir ist es wahrscheinlich egal, aber das schätzen viele bis heute: Dass Du Dich nicht nach vorne drängtest, auf die Bühne, ins Rampenlicht. Als hättest nicht auch Du viel zu posten gehabt! Ich frage mich, ob Jesus von Dir oder Du von ihm gelernt, dass Geduld einen längeren Atem hat; dass die stille Liebe von zäher Kraft ist; dass eigentlich die ganze Welt auf Hingabe angewiesen ist. Hast Du bei Feldarbeit vielleicht schon mit ihm über das dunkle Wort (des kommenden Sonntags) sinniert: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Ich nehme an Er hat Dich ahnen lassen, dass wer „sein Leben in dieser Welt gering achtet, es bewahren wird bis ins ewige Leben.“

 

So steht Dein Schweigen nicht als Schwäche vor mir, eher als Weitblick eines Weisen. Vielleicht wollte der Papst Franziskus die Kurzsichtigkeit unserer Tage zurechtrücken, als er am 8. Dezember 2020 bis zum 8. Dezember 2021 Dein „Josefsjahr“ ausrief. Freilich: es wird bei uns davon nicht sonderlich Notiz genommen. Aber ich möchte glauben, dass der ‚sanften Zähigkeit‘ Deines Beispiels die Zukunft gehört. Immerhin hast Du bis in unsere Tage in Geduld gewartet, in der Mitte der Kirche, im Eucharistischen Hochgebet der Messe, genannt zu werden. Und so verstehe ich es irgendwo doch – zumal als Dein Namensträger –, wenn man in Bayern den 19. März als öffentlichen Feiertag hätte beibehalten wollen. Mach‘s gut und schau auf uns, wie Du für Jesus und Maria gesorgt hast!

 

Dein Josip (Josef) Gregur

 

 

Stille

Freitag, 12 März 2021

Stille
Sonderabteil im ICE
 
Foto: Eberts

Stille

   

Bitte Ruhe!

Silentium!

Was sagst du?
Du hast nichts gesagt?
Aber warum ist es hier so laut?

Laut?
Es sagt doch keiner was!

Richtig: Du schweigst
Dein Mund jedenfalls schweigt

Aber hör doch!
Es ist laut in deinem Kopf
Unerträglich, der Lärm
den du mitgebracht hast

Von der Straße
aus der Wohnung
vom Fenster

Ständig streitet es sich
widerspricht es sich
rechtfertigt es sich
in deinem Kopf

Still jetzt!

Geben wir es auf
uns rechtfertigen zu wollen
uns verteidigen zu müssen
miteinander zu streiten

Lass los!
Nicht ur die geballten Fäuste
auch die geballten Gedanken

Befiehl deinem Ich:
Sei still!

Stille
Stille
Stille

Spürstu du
wie sie dich umarmt

Merkst du
wie sie deinen Kopf frei macht

Schmeckst du
wie sie deine Zunge befreit

Fühlst du
wie sie deine Seele erfüllt

Hörst du
welche Freiheit sie schenkt

Er gebot dem Wind und den Wellen
und es trat Stille ein.

P. Gerhard Eberts MSF

Mein Haus – und was darin wohnt

Freitag, 05 März 2021

Mein Haus – und was darin wohnt

Wer schon einmal eine Behausung aufgebaut hat – und sei es nur ein Zelt – weiß, wie mühsam das sein kann. Am Ende soll ja alles sicher stehen und auch diversen Stürmen standhalten können. Wer gar schon ein eigenes Haus gebaut hat, weiß auch, dass viel Zeit vergeht bis alles von Grund auf gebaut ist. Von sechsundvierzig Jahren ist beim Tempelbau im Evangelium die Rede, erheblich länger als man sich das bei eigenen Projekten vorstellen kann. Alles wieder niederreißen – weil sich die Kaufleute den Tempel zu einem falschen, eigenen Nutzen gemacht haben.

Wenn ich bei jemandem zu Besuch war, habe ich oft eine Tafel mit einer Art Regelkatalog am Eingang gesehen: In diesem Haus lachen wir gemeinsam, helfen wir uns gegenseitig, versöhnen wir uns,… Dies impliziert auf eine Art und Weise, dass dieses Haus einen bestimmten Sinn hat – in diesem Fall ein Haus nämlich, in dem Menschen zusammenleben und sich überlegen, wie dies am besten gelingen kann. So hat auch die Kirche als Gotteshaus seiner Erfüllung im Zusammenkommen, um in Gemeinschaft seinen Glauben zu feiern. Aus dieser Perspektive ist wohl ganz gut verständlich, warum Jesus so deutlich wird und die Verkäufer hinausjagt. Und dennoch steht geschrieben, dass er mit seinem Ausspruch den Tempel seines Leibes meint.

Schauen wir einmal auf uns: Was wohnt in unserem leiblichen Haus, was treibt sich da so herum, treibt sogar vielleicht ab und zu sein Unwesen darin. Vielleicht ist die Fastenzeit eine gute Zeit, einmal in den eigenen Tempel hineinzuschauen und aufzuräumen. Dabei können wir bestimmt auch so manche Schätze und Perlen entdecken und uns darüber freuen. Jesus kann von sich sagen: Ich werde den Tempel in drei Tagen wieder aufbauen. Seine Auferstehung kann auch für uns eine Chance sein. Mit seiner Hilfe können wir in unserem Tempel aufräumen und ihn vielleicht auch ein Stück niederreißen lassen. Dann aber dürfen wir sicher sein, dass in uns lebendig wird, was zu unserem ganz eigenen Tempel gehört. Und wir dürfen uns von ihm helfen lassen, weil er jede und jeden von uns kennt.

Anita Graf

zwischen Tabor und Morija

Dienstag, 02 März 2021

zwischen Tabor und Morija

Eine Bergtour kann ganz unterschiedlich verlaufen, das wissen alle, die es regelmäßig in die Berge zieht, um den Alltag hinter sich zu lassen. Wetterumbrüche und Extremsituationen sind wahrscheinlicher als beim Spaziergang zuhause. Wie unterschiedlich ein Tag in den Bergen aussehen kann, sehen wir auch in den Lesungen des zweiten Fastensonntags.

Während die Bergtour Jesu mit Petrus, Jakobus und Johannes zu einer wahrhaft positiven Extremsituation wird, führt der Weg, den Abraham mit seinem Sohn Isaak auf einen Berg im Land Morija gehen muss, beinahe in eine Katastrophe.

Auf dem Berg der Verklärung gehen existenzielle Wünsche in Erfüllung: Einmal über den Sorgen und Problemen stehen; aus dem Alltag und der Arbeit herausgehoben werden. Die Jünger werden zu Eingeweihten und dürfen sehen und hören, was andere nur glauben und hoffen können.  Wer wünscht sich nicht, Gott einmal mit einer solchen Gewissheit erfahren zu haben? Für eine kurze Zeit damit auch die Wahrheit über sich selbst und die Welt klar zu erkennen?

Doch es gibt auch die andere, weniger glanzvolle Gotteserfahrung. Abraham erfährt einen geradezu gegenteiligen Gott, als er den Befehl bekommt, seinen Sohn auf einem Berg zu opfern. Damals wie heute bleiben Gottes Pläne oft unverständlich. Wir stehen vor Extremsituationen, in denen übermenschliches gefordert wird; in denen sinnloses von uns verlangt wird. Unser Schicksal, wie auch das der anderen bleiben im Dunkeln.

Spielt Gott ein falsches Spiel mit uns? Auf der einen Seite der Freund, Begleiter, Schöpfer und Geber aller guten Dinge. Auf der anderen Seite die undurchsichtige, schwere Opfer fordernde Autorität? Wie passen diese zwei Seiten Gottes, wie passen diese zwei Extremsituationen unserer Wirklichkeit zusammen?

Ich finde keine Antwort darauf, aber ich bin überzeugt davon, dass die Antwort, wenn, dann nur von einem kommen kann: Gott. Auch ohne Erklärung gehen wir nicht leer aus: Am Ende der beiden Bergerlebnisse steht mehr als ein Versprechen: „Segen in Fülle“ und die Auferstehung.

Dennis Nguyen

 

Erste Lesung:

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Ísaak,
geh in das Land Moríja
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar!
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf.
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sagte:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.

Der Engel des Herrn
rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
Ich habe bei mir geschworen – Spruch des Herrn:
Weil du das getan hast
und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

Evangelium:

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein.
Und er wurde vor ihnen verwandelt;
seine Kleider wurden strahlend weiß,
so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose
und sie redeten mit Jesus.
Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
Wir wollen drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
Da kam eine Wolke und überschattete sie
und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
Dieser ist mein geliebter Sohn;
auf ihn sollt ihr hören.
Als sie dann um sich blickten,
sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen,
gebot er ihnen,
niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten,
bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
Dieses Wort beschäftigte sie
und sie fragten einander, was das sei:
von den Toten auferstehen.

 

Die Verklärung Jesu und was Instagram-Bilder damit zu tun haben

Freitag, 26 Februar 2021

Die Verklärung Jesu und was Instagram-Bilder damit zu tun haben

Kennst du den Film “Die Unglaublichen”? In meiner Kindheit, also 2005, war dieser Film recht erfolgreich. Aus diesem Film stammt folgendes Zitat, welches zur Situation der Jünger im heutigen Evangelium passt: “Worauf wartest du denn? – Keine Ahnung. Vielleicht auf was Unglaubliches?”. Irgendwie brauchten die Jünger ein Zeichen, dass Jesus eben nicht nur ein einfacher Prophet war, der Reden schwingen und Menschen heilen konnte. Sie haben vielleicht auf eine wirklich unglaubliche Sache gewartet, damit sie Jesus endlich richtig verstehen konnten.
Die Situation, die sich auf dem “hohen Berg” abspielte, klingt eben wirklich unglaublich: Jesus redet mit Elija und Mose und Gott bezeichnet ihn als seinen Sohn. Petrus verfällt sofort in Aktionismus und möchte für die drei Propheten jeweils eine Hütte bauen. Er möchte die Situation festhalten, muss aber merken, dass die Verklärung früher vorbei ist, als ihm lieb ist.
Dieses Festhalten von Ereignissen kennen wir gut. Anders als vor 2000 Jahren können wir von unglaublichen Ereignissen einfach ein Bild machen und sie auf Instagram teilen. Wir machen Bilder von uns, von der Natur, von wunderbaren Aktionen und Veranstaltungen. Der Philosoph Johannes Scotus Eriugena bezeichnet die Welt als “Theophanie”: Gott manifestiert sich in der Natur, genau die, die wir tagtäglich fotografieren. Wir wollen also Gott, etwas Unglaubliches, festhalten, ähnlich wie Petrus. Indem wir versuchen, den Moment für die Zukunft festzuhalten, zu sichern, verpassen wir es oft, diesen Moment zu genießen. 
Was können wir also mitnehmen? Die anderen Jünger haben es richtig gemacht: SIe haben den unglaublichen Moment genossen. Lasst uns das in Zukunft auch versuchen, in den wichtigen Momenten das Handy wegzulassen und uns voll auf das Wesentliche einzulassen. Denn das Unglaubliche, was wir erleben dürfen, ist die Welt, das In-Erscheinung-Treten Gottes!

Sebastian Trefon

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