Allgemein

Kitsch und Liebe

Freitag, 24 Juni 2022

Kitsch und Liebe

Heute ist das Herz-Jesu-Fest und jeden ersten Freitag im Monat die Erinnerung daran. Bildlich oft dargestellt als mit Dornen umwundenes Herz auf der Brust Jesu, wovon Gnadenstrahlen in alle Richtungen ausgehen. In letzter Zeit wurde ein ähnliches Herz-Jesu-Bild aus der Privatoffenbarung der polnischen Ordensschwester Faustina Kowalska weltbekannt.

Hierzulande ist man gerne kritisch gegenüber solchem (religiösen) Kitsch. Aber den stellen auch wir uns gerne hin in Form von Gartenzwergen und allerlei sonstigem bunten Zeug. Von den süßtriefenden Schlagern, die viele (heimlich) gerne hören, und dem heimeligen Weihnachtsbaum nicht zu sprechen. Während die Kritiker für den Kitsch wegen seiner angeblichen Inhaltsleere nichts als Ablehnung übrighaben, beobachte ich, nicht nur in meiner südlichen Heimat, dass gläubige Menschen vor einer süßlichen Lourdesmadonna eher ihr Herz ausschütten als vor einem Caravaggio-Kunstwerk. Vermutlich, weil sie mehr Liebes- und Herzenswärme ausstrahlt.

Um diese geht es aber bei den Herz-Jesu-Darstellungen. Sie mögen auf den ersten Blick eine heile Welt evozieren, so wie jede erste Liebe mit kitschigem ‚Herzelein, Spatzilein‘ beginnt. In einem zweiten Schritt verliert die Liebe aber alles Kitschige, mutiert vom Gefühl zum Liebe-Wollen und verjüngt sich zur herben Hingabe: Wie die Liebe Jesu am Kreuz. Ein Gottesloblied (GL 799) besingt das so:

Du König auf dem Kreuzesthron, Herr Jesus Christus, Gottes Sohn: dein Herz, verwundet und betrübt, hat uns bis in den Tod geliebt.

Die dich verworfen und verhöhnt, hast du geheiligt und versöhnt; im Tod hast du, o Schmerzensmann, dein göttlich Herz uns aufgetan.

Schönes, gesegnetes Wochenende!

P. J. Gregur

Imagefrage

Freitag, 17 Juni 2022

Imagefrage

Jeder und jede möchte gut dastehen. Deshalb steht man morgens vor dem Spiegel, richtet die Frisur zurecht und trägt vielleicht ein Makeup auf. Während aber andere auf diese Fassade reinfallen können, wissen wir, was sich dahinter versteckt. Und fragen uns: Wer bin ich eigentlich? Wer und wie möchte ich sein?

Selbst Jesus ging es scheinbar nicht anders. Er erkundigt sich im Evangelium dieses Sonntags (Lk 9, 18–24) nach seinem Image: „Für wen halten mich die Leute?“ Offenbar berichteten die Jünger ihm bisher nicht, was sie so hören, aber jetzt wo er direkt fragt: Angeblich bist du Elija oder sonst ein Prophet. Immerhin.

Auch von dir und von mir reden die Leute dies und das. Meistens hinter dem Rücken und dazu oft nur Falsches. Man sollte sich nicht darum scheren. Was uns aber nicht egal ist, ist die Meinung der Freunde. So fragt Jesus weiter: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Diese Frage ist keine Image-Frage mehr. Bei Jesus zumindest nicht. Er fragt eigentlich: Nach wem richtet ihr eure Leben aus? Nach modischen Idolen der Glamourwelt oder glaubt ihr, dass ich der „Christus Gottes“, der Gesalbte des Höchsten bin? Petrus zumindest gab das von sich und wird von Jesus gelobt. Aber kapiert er, was er sagt? Wohl kaum, wenn man sonst seine Kleingläubigkeit sieht. Es ist ihm aber nicht zu verdenken, denn was Jesus sonst verlangt, ist für unsere Alltagslogik schwer verdaulich: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Mit Jesus gehen ist also nicht einfach. Dafür aber nachhaltig: Es soll ins ewige Leben führen bzw. zu einem Geliebtsein, das alle Masken obsolet macht.

Schönes, gesegnetes Wochenende!

P. J. Gregur

Ideenfeste

Freitag, 10 Juni 2022

Ideenfeste

Unmittelbar nach Pfingsten feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag und am Donnerstag darauf Fronleichnam (= Leib des Herrn). Das sind sogenannte Ideenfeste. Die meisten Feste im Kirchenjahr sind Ereignisfeste: An Weihnachten gedenken wir der Geburt Jesu, an Ostern seiner Auferstehung, an Pfingsten der Herabkunft des Heiligen Geistes; Dreifaltigkeit Gottes ist aber kein Ereignis, sondern eine Wahrheit, eine ‚Idee‘. Deshalb Ideenfest. Fronleichnam ebenso, da feiern wir die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament des Altares.

Vielleicht wäre es besser, von Wahrheitsfesten zu sprechen. Idee klingt ja irgendwie harmlos (‚ich hab ‚ne Idee‘), erinnert sogar an Ideologie. Eine Ideologie ist gerade das Gegenteil von Wahrheit, sie ist „falsches Bewusstsein“.

Andererseits: Klingt Wahrheitsfest nicht anmaßend? Was ist Wahrheit, fragte schon Pilatus kritisch beim Prozess Jesu. Auch moderne Geisteswissenschaften sind von einer letzten Wahrheit wenig überzeugt. Der eine sieht es ja so, der andere anders. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.

Dass alle frei sind, zu denken was sie wollen, klingt gut. Aber spätestens, wenn sich daraus in der Praxis Konflikte oder Kriege ergeben, haut das nicht hin. Dann muss eine Wahrheit her, sonst gibt es ein Heil-loses Durcheinander.

Die Religion ist von einer letzten Wahrheit überzeugt.

Was ist nun die Wahrheit von Dreifaltigkeit und von Fronleichnam und wozu sind sie gut? – Dreifaltigkeit sagt, dass Gott nicht in einer einsamen Ferne thront, sondern in sich pulsierende Liebes-Beziehung ist, Vater zum Sohn, Sohn zum Vater, im Heiligen Geist. Diese Liebe ist die Seins-Plattform aller guten Beziehungen auch beim Menschen, dem Geschöpf dieser Liebe. Fronleichnam sagt, dass selbst die Liebe Gottes nicht bei sich bleiben kann. Sie will, zuletzt in der Hingabe des eucharistischen Brotes, unter uns wohnen: Diese Liebe, Jesus Christus, kann von sich sagen: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6), und: Die(se) Wahrheit wird euch freimachen (Joh 8,32). Wovon? Von der Angst, alles sei zufällig, alles gleichgültig und daher sinnlos. - Feste des Kirchenjahres sind wie Bojen im Meer des alltäglichen Einerlei.

Gesegnete Zeit! P. J. Gregur

Ursprung alles Guten

Freitag, 03 Juni 2022

Ursprung alles Guten

Da führt eine Gruppe der KHG über Pfingsten eine Reise nach Kroatien durch. Alles soweit gut, bis Corona dann doch Einiges durcheinanderbringt. Als auch das verarbeitet wird, gibt einer der Kleinbusse unterwegs den Geist auf. Man sitzt in Österreich und überlegt wie weiter. Einer der Gastgeber in Kroatien ist bereit, den Weitertransport mit zu organisieren. Zum Glück ist das nicht nötig, das Auto wird noch rechtzeitig repariert. Aber der Geist der Hilfsbereitschaft über alle Grenzen hinweg macht dankbar und froh.

Es ist Pfingsten in der Kirche. Das Fest des Guten Geistes, der von Gott kommt. Er schwebte am Urbeginn über dem Chaos und ordnete das Universums zum Kosmos. Er durchdringt alles, und was es an Gutem in dieser Welt gibt, ist ein Nachwehen seines Hauches: In jeder Geste der Freundschaft, jedem Lächeln und Verzeihen, in kleiner und großer Zuneigung, überall ist Atem des Geistes Gottes mit drin. Ob man es weiß oder nicht.

Wir Christen wissen es, sollten es wissen. Und stehen dazu, ja wir künden freudig davon. Wenn andere meinen, es sei selbstverständlich, dass es Positives gibt, danken wir. Denn nichts ist selbstverständlich und schon gar nicht das Gute.

Der Heilige Geist teilt sich in vielfältiger Weise den Menschen mit. Am schönsten kommt er in der Liebe vor. Denn er ist Abstrahl der Liebe, die sich aus dem Wesen Gottes in die Schöpfung ergießt. Vor allem in die Gemeinschaft der Christengläubigen, der Gott-Begeisterten. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche, denn damals passierte es, dass fremde Menschen sich plötzlich als Geschwister erkannten, die Apostel sich wie Betrunkene in die Welt wagten, dass eine Begeisterung einsetzte, die Jahrhunderte durchweht und unendlich viel Gutes gebracht hat.

Wir haben allen Grund, uns zu freuen und uns gesegnete Pfingsten zu wünschen!

P. J. Gregur

Wo Gott wohnt

Donnerstag, 26 Mai 2022

Wo Gott wohnt

Letzten Sonntag hörte ich eine Predigt zum Thema: Wo wohnt Gott? – Frage man die Kinder, sagen sie: im Himmel. Richtig. Frage man die Erwachsenen, sagen sie: in dir, in mir, in uns. Richtig. Frage man wiederum die Kinder, sagen sie: In der Kirche. Richtig. Aber nicht nur im Kirchengebäude, sondern in den Christen, die sich zum Gottesdienst und Gebet versammeln.

Wo wohnt er nun eigentlich? Die Philosophen der Antike meinten Gott wohne in jedem Menschen als logos spermatikos, wie ein Same in der Erde mit dem Potenzial aufzubrechen und zu wachsen. Ähnlich Meister Eckhart im 14. Jh., er sprach vom Seelenfunklein, vom göttlich angelegten Licht in jedem von uns. Andere wiederum, wie Spinoza und die ihm folgten: Gott ist als Geist in allem, was existiert, denn alles ist durch seine Schöpferkraft entstanden. Pantheismus! Auch christliche Denker, wie der Jesuit Teilhard de Chardin sehen, durchaus von der Bibel aus, Christus als Alpha und Omega, als Schöpfungs- und Erhaltungsachse von allem.

An Christi Himmelfahrt schauen die Apostel der Auffahrt Jesu in den Himmel nach. Ein neues geistliches Lied sagt dazu: „Schaut nicht hinauf, der Herr ist hier bei uns, jetzt noch verhüllt, doch bald in Herrlichkeit, wenn ihn alle sehn am Ende dieser Zeit.“ Er selbst hat gesagt: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). In dieser Gewissheit wissen sich Christen überall in seiner Hand und können mit dem jüdischen Religionsphilosophen M. Buber singen:

„Wo ich gehe – du! Wo ich stehe –du! Nur du, wieder du, immer du! Du, du, du! Ergeht`s mir gut – du! Wenn`s weh mir tut – du! Nur du, wieder du, immer du! Du, du, du! Himmel – du, Erde – du, Oben – du, unten – du, Wohin ich mich wende, an jedem Ende nur du, wieder du, immer du! Du, du, du!“

Einen schönen Sonntag im Nachklang von Christi Himmelfahrt!

P. J. Gregur

Wozu der Leib?

Freitag, 20 Mai 2022

Wozu der Leib?

Es gibt in der KHG Augsburg den Versuch eines neuen Gesprächsformats: „Was glaubst du?“ Es findet zweiwöchentlich am Mittwochabend statt. Die Studierenden tauschen sich über ein möglichst interessantes Thema aus. Letzten Mittwoch ging es um die Frage: Wozu brauchen wir den Körper bzw. den Leib, der so störungsanfällig ist und uns oft nur Probleme macht? Warum sind wir nicht nur Geist? – Ein komplexes Thema.

Zur Sprache kam, dass ohne Leib keine sinnliche Erfahrung möglich wäre; nicht nur, dass man als Geist nicht riechen und schmecken könnte, auch beten ginge dann nicht. Aber was ist mit den reinen Geistern, den Engeln? Beten die nicht? Vielleicht beten sie nicht, aber schauend anbeten. Man fragte sich weiter: Was für einen Leib hat Jesus nach der Auferstehung und welchen werden wir nach dem Tod haben? Einen verklärten, einen Licht-Leib, wie er in den Nahtoderfahrungen vielfach bezeugt wird? Das Phänomen der Nahtod- bzw. außerkörperlichen Erfahrung ließ das grundsätzliche Leib-Geist-Problem aufkommen: Ist unser Gehirn der Sitz des Bewusstseins oder nur sein Transmitter?

Fragen über Fragen. Mir kam zum Schluss der Gedanke, dass Gott uns als leibliche Wesen wollte, damit wir die Hingabe üben. Wie? Als rein geistliche Wesen würden wir vielleicht nicht von unserem stolzen Ich loskommen, das der Liebe zu Gott und dem Nächsten im Weg ist. Die Störanfälligkeit des Körpers macht uns offen und bescheiden, lehrt, von uns loszulassen und Gott als Geber des (ewigen) Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen. Das Loslassen des Sterblichen führt uns zur Freiheit der Kinder Gottes. Das ist jeden Tag. Spätestens im Tod, wo er das Leibliche ganz aufgeben muss, lernt der Mensch den ‚Gehorsam‘, mit dem auch Jesus am Kreuz dem Vater die höchste Ehre gegeben hat: Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.

Einen gesegneten Sonntag!

P. J. Gregur

Passionsspiele versus Liturgie

Freitag, 13 Mai 2022

Passionsspiele versus Liturgie

 „Die Oberammergauer Passionsspiele sind das weltweit bekannteste Passionsspiel. In einer mehrere Stunden dauernden Aufführung stellen die Dorfbewohner Oberammergaus die letzten fünf Tage im Leben Jesu nach. Erstmals wurde das Passionsspiel 1634 als Einlösung eines Gelübdes nach der überstandenen Pest aufgeführt. Seit 1680 gilt ein zehnjährlicher Rhythmus, in der Regel im letzten Jahr eines Jahrzehnts.  Im 21. Jahrhundert musste die für 2020 vorgesehene Aufführung wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2022 verschoben werden. “ (Wikipedia)

 Die KHG Augsburg nahm am vergangenen Samstag mit ca. 50 Studierenden daran teil. Es war ein Kulturerlebnis, denn die Spiele sind Weltkulturerbe. Uns ging es aber um das geistliche Nacherleben der Schicksaalstunden Jesu. Ca. 4000 junge Menschen, denen wir uns angeschlossen hatten, gingen den Kreuzweg Jesu in fünfstündiger Vorstellung innerlich gebannt mit.

 Man fragt sich: Worin unterscheidet sich das von der oft so langweilig erlebten Sonntagsmesse, wo es ebenfalls um die existentiellen Stunden Jesu geht? Der psychologische Grund liegt auf der Hand: Die Passionsspiele erlebt man nur einmal, den Gottesdienst aber immer wieder. Aber es gibt den entscheidenden, theologischen Unterschied: Der Gottesdienst ist kein Nachspiel wie in Oberammergau, sondern Nachvollzug seines Auftrags „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Was ist dieses „dies“? Nicht das Nachspielen des Letzten Abendmahls oder des Kreuzwegs. In der Messe wird nicht Golgota nachgeahmt, sondern in Wort und Symbol das gefeiert, was Jesus am Kreuz real vollzogen hat: die liebende Ganzhingabe an den himmlischen Vater. Im Gegensatz zum Theater, wo man mehr oder weniger bequem zuschaut, setzt Liturgiefeier die Bereitschaft voraus, selbst existentiell den Weg Jesu durch den Tod zur Auferstehung mitzugehen, will sagen: sein Ego, um den sich alles dreht, zu ‚opfern‘, von sich loszukommen, um wirklich frei zu werden – für sich und für andere.

P. J. Gregur

 

Maienkönigin

Freitag, 06 Mai 2022

Maienkönigin

Es ist eine inzwischen über 200 Jahre alte Tradition, im Monat Mai besondere Andachten zur Ehren der Muttergottes abzuhalten. Dieser Brauch kommt von Italien des 18. Jahrhunderts her und breitete sich schnell in ganz Europa bzw. in der katholischen Welt aus. Das Besondere dabei sind die Blumenaltäre und der romantisch-innige Volksgesang. Zum Beispiel das Lied „Maria Mainkönigin“.

Maria, Maienkönigin! Dich will der Mai begrüßen, O segne seinen Anbeginn, Und uns zu Deinen Füßen.  Maria! Dir befehlen wir, Was grünt und blüht auf Erden, O laß es eine Himmelszier In Gottes Garten werden.

Es ist in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden. Der Text ist von Guido Görres, dem Sohn des  berühmten katholischen Schriftstellers Joseph Görres. Nicht nur das einfache Volk erfreute sich an solch triefend süßer Romantik, auch Intellektuelle waren damals bereit, sich nach der staubtrockenen Aufklärung dem religiösen Gefühl hinzugeben. Heinrich Heine dichtete bekanntlich: „Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen.“ Auch Marienfrömmigkeit speist sich von den ‚Frühlingsgefühlen‘, diesmal der göttlichen Liebe, die jedes Mal wie eine neu erblühende Landschaft empfunden wird. Da kann man nicht umhin, poetisch zu werden; wie im Jahr 1973 der Theologieprofessor Friedrich Dörr (Gotteslob Augsburg, Nr. 866):

1. Im Maien hebt die Schöpfung an zu blühen und zu singen. Die Erde hat sich aufgetan, uns neue Frucht zu bringen. Den Gnadenfrühling voller Pracht hast du, Maria, uns gebracht; Dir soll das Lob erklingen. 3. Du allerschönster Rosenstrauch, der je auf Erden blühte, befruchtet durch des Geistes Hauch, betaut von Gottes Güte: den Heiland, der aus dir entsprang, du nahmst ihn auf mit Lobgesang und liebendem Gemüte. 

Maria nahm IHN auf, um ihn weiterzugeben. Eine Aufgabe von uns allen, nicht nur jene der Hirten, an die wir an diesem 4. Ostersonntag auch denken.

 Schöne Woche!

J. Gregur

Maifeiertag

Freitag, 29 April 2022

Maifeiertag

 „Es reichen sich in Liebe die Hand,

vereinet zum Edelsten Streben,

die Arbeit der Werkstatt und vom Land,

im Kampf um ein besseres Leben.“

So heißt es in einer Strophe der „Parole des Proletariats“ auf der Titelseite des sozialdemokratischen Organs „Volksstimme“ vom 1. Mai 1901. Es war die Zeit, in der die soziale Frage auf den Nägeln brannte. Nicht nur bei den Sozialdemokraten. Auch der „Arbeiterpapst“ Leo XIII nahm sich 1891 der gesellschaftlichen Probleme in seiner Enzyklika Rerum novarum an. Sie gilt als Magna Carta bzw. einer der Grundtexte der Katholische Soziallehre. Was die Gedanken des Papstes allerdings von den Gedanken der Sozialisten unterscheidet, ist der Gottesbezug. In der Tat ist ohne Gott die menschliche Gerechtigkeit kaum wasserdicht. Warum sollte ein Arbeitgeber sich um die ‚Ressource Mensch‘ scheren, wenn er sie kapitalistisch ausbeuten kann und dafür vor niemand verantwortlich ist?

Um das Interesse am arbeitenden Menschen zu bekunden, legte die Kirche auf den ersten Mai, den „Kampftag der Arbeiterklasse“, den Gedenktag des hl. Josef, des Arbeiters. Hat er doch als Handwerker seine Familie ernährt. Leider hat man hierzulande eine Ausnahme erwirkt und feiert an diesem Tag die Patrona Bavariae. Nichts gegen Maria, wohlgemerkt! Aber ihr ist der ganze Monat Mai geweiht und wird, wieder woanders mehr als bei uns, mit schönen Maiandachten begangen.

In der Zeit, da die Schere zwischen Reich und Arm wieder auseinandergeht, wird die Frage der sozialen Gerechtigkeit immer brisanter. Es werden nicht nur die fremden Saisonarbeiter auf den Spargel- und Erdbeerfeldern ausgebeutet. Ein wirklich glaubender Unternehmer tut das allerdings nicht! Nur – wieviel von dem, was Jeus verkündet und für das Zusammensein der Menschen eingefordert hat, ist noch da? „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?“, so hat es Jesus selbst befürchtet (Lk 18,8). Jedenfalls haben sich viele unserer Heiligen aus dem Glauben heraus, nicht nur im 19. Jh., sozial engagiert. Und auch heute sind es vielfach Menschen des Glaubens, die unentgeltlich für andere einstehen.

Meint P. Gregur und grüßt euch herzlich zum Einstieg in den „wunderschönen Monat Mai“!

 

We are the champions! – Osteroktav

Freitag, 22 April 2022

We are the champions! – Osteroktav

Während meines Romaufenthaltes vor Jahren hat der Fußballklub Roma die italienische Meisterschaft gewonnen. Der Stadtbus, mit dem man sonst sein Ziel in wenigen Minuten erreichte, brauchte an diesem Sonntag fast eine Stunde. Hupende Autos, aus denen sich die Fans in südlicher Manier die Kehle heiser schrien, verstopften die Straßen: Campioni d’Italia siamo noi! Aber das war nur der Anfang. Eine Woche lang kamen Jung und Alt gegen Abend feiernd auf den Plätzen zusammen. Der krönende Abschluss war acht Tage darauf: Eine Million Menschen drängten sich auf dem Circus Maximus zusammen, um ihren Idolen zuzujubeln. Es wurde augenscheinlich, was mit einer Oktav (acht) gemeint ist: Für einen überragenden Anlass reicht ein Tag der Freude nicht aus.

Fußballfans jubeln auch bei uns aus voller Kehle, ihre Gesänge sind nicht nur aus dem Stadion zu hören. Dabei geht es nur um einen Sieg über den Rivalen aus der Nachbarstadt. Für den Sieg Jesu Christi über den Tod und die entsprechende Osterfreude hat die Liturgie der Kirche ebenfalls eine Woche, die Osteroktav, ja 50 Tage der Osterzeit vorgesehen. Nur: Jubelgesänge hörst du keine, selbst in der Kirche öffnet sich der Mund der Christen nur zögernd zum österlichen Halleluja. Der Grund? Vielleicht der Zweifel des Apostels Thomas, der als zäher Widersacher der Begeisterung in uns allen steckt: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh 20,25). Thomas war ursprünglich nicht dabei, so tut es sich jetzt mit dem Glauben schwer.

Das Dabeisein und die Stimmung im Stadion mitzuerleben, wäre wahrscheinlich ein Traum gewesen. Aber auch der Jubel der Römer hinterher hat bei mir Eindruck hinterlassen. Das heißt für die Glaubensweitergabe: Wie die gemeinschaftliche Begeisterung der Fans ein Fußballerlebnis ausmacht, ähnlich bringt der Enthusiasmus der Glaubenscommunity die Osterbotschaft so richtig unter die Leute. Insofern gibt Nietzsches Zarathustra zu denken: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“ Weil nicht die Lehre, sondern die Feier des Glaubens entscheidend ist, gibt es so etwas wie Osteroktav bzw. die fünfzig (Feier-)Tage bis Pfingsten – bzw. den Sonntag. Jeder Sonntag ist ein kleines Wochen-Ostern. – Wenn Du Dich mit Thomas‘ Zweifel nicht begnügen willst, feiere mit den ‚Fans‘ der Auferstehung Jesu den Sonntagsgottesdienst mit. Tut dem Glauben gut.

Und komm gut ins neue Semester!

P. J. Gregur

Auferstehung – ein Fake?

Samstag, 16 April 2022

Auferstehung – ein Fake?

Ist Jesus wirklich auferstanden? Das ist die entscheidende Frage christlichen Glaubens. Kritiker halten es für unwahrscheinlich. Bemerkenswerterweise plädiert ein jüdischer Theologe und Schriftsteller, Pinchas Lapide (+1997), für die Glaubwürdigkeit der Auferstehungsbotschaft. Denn wie wäre es zu erklären, dass aus einer Gruppe von verängstigten Jüngern, die Jesus in der Todesstunde im Stich gelassen haben, „über Nacht eine selbstbewusste Missionsgesellschaft (wurde), die von der Rettung überzeugt war. Eine so revolutionäre Umwandlung wäre unerklärlich, wenn es sich nur um eine Vision oder Halluzination gehandelt hätte.“ Und was ist, wenn sie seinen Leib gestohlen und dann behauptet hätten, er sei auferstanden? „Würden sich Betrüger im Namen einer Illusion quälen und verfolgen lassen, ja sogar freudig den Märtyrertod auf sich nehmen?“ – Im Sinne Lapides kann hinzugefügt werden: Es muss eine geistig-geistliche ‚Explosion‘ vonstattengegangen sein, deren Hintergrundstrahlung uns bis heute jubeln lässt: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!

 Ein frohes und gesegnetes Osterfest im Namen der ganzen KHG wünscht euch

P. J. Gregur

Wie das Leben so ist – Die Karwoche

Freitag, 08 April 2022

Wie das Leben so ist – Die Karwoche

Liebe Studierende und alle, die das lesen, die Überschrift „Wie das Leben so ist“, mag euch für die Karwoche ein wenig zu prosaisch und zu simpel vorkommen. Aber ich glaube, dass die Feiern der letzten Tage Jesu tatsächlich ein Abbild dessen sind, was auch wir mitmachen: Das Hosianna und das Kreuzige, Zustimmung und schroffe Ablehnung, Palmsonntag und Karfreitag: In Jesu Schicksal spiegelt sich das Menschsein von uns allen wider.

Aber das Schicksal Jesu als Spiegel menschlichen Lebens wäre für den Glauben zu wenig. So ist nicht der Karfreitag, sondern der Ostersonntag der Fluchtpunkt der Karwoche. Dann greift meine Überschrift in der Tat zu kurz. Denn Ostern ist etwas ganz aus dem Rahmen Gefallenes. Palmsonntage und Karfreitage, sie kennen und erfahren wir. Aber dass jemand die Schallmauer des Todes durchbricht, das ist so fremdartig, dass nicht nur die Athener den heiligen Paulus ausgelacht haben, als er davon sprach (Apg 17). Es ist der Prüfstein für die menschliche Raison schlechthin. Es sei denn Voltaire hat recht: „Die Auferstehung ist die einfachste Sache der Welt. Der, der den Menschen einmal geschaffen hat, kann ihn auch zum zweiten Male schaffen.“

„Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen“ (1 Kor 15,20), beteuert Paulus, und unterstreicht: „Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“. Ohne Auferstehung Jesu stürzte das zweitausendjährige Christentum wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Auch die Karwoche ohne Ostersonntag wäre ein Torso. Die Palmprozession, die Fußwaschung am Gründonnerstag, die Trauerfeier am Karfreitag, sie hätten keinen Sinn, wenn sie nur durchspielten wie das Leben so ist. Manchmal ist man auch in der Kirche zu sehr der Diesseitigkeit verpflichtet: sich nett unter die Zeitgenossen mischen, ihnen ‚aufs Maul schauen‘ (M. Luther), sich mit der Jesusfahne unterm Arm nützlich erweisen und so die Prosaik des Lebens ein wenig verklären. Auch dagegen erhebt der Apostel seine Stimme: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.“ Die erste Aufgabe der Kirche ist also, die Auferstehung auszurufen! Sie ist der Urgrund kirchlicher Verkündigung, ihres Dienstes am Menschen und ihrer Liturgie. Feiert mit, damit die Morgenröte des Ewigen die Todesschatten des Alltags überstrahlt. Stück um Stück, Jahr für Jahr.

Eine gesegnete Karwoche!

P. J. Gregur

„Heureka!“

Freitag, 01 April 2022

„Heureka!“

 „Bleib doch mal bei der Sache! So wird das nie etwas,“, mahnt mich der Engel des Gebetes. Er hat recht. Immer wieder schweife ich ab beim Rezitieren der Psalmen. Ein Gedanke, eine plötzliche Idee schwirrt durch meinen Kopf. „Ein Geistesblitz!“ Vielleicht vom Heiligen Geist?

 „Das wage ich zu bezweifeln!“, meint der Engel. „Aber schreib´s auf!“  „Den Geistesblitz?“ „Was denn sonst! Schreibe ihn auf, sonst ist er weg!“ „Aufschreiben? Jetzt!?“ „Nicht unbedingt beim Gebet! Aber überall sonst“, sagt der Engel. 

 Überall sonst:  Das kann sein, beim Lernen und Studieren, wenn einem die Augen fast zufallen. Geistesblitze, so sagt die Wissenschaft. mögen eine leichte Schläfrigkeit.  Und sie bevorzugen Tätigkeiten, bei denen keine große Aufmerksamkeit erforderlich ist: Staubsaugen oder Blumengießen. Spülen in der Küche. Sogar auf dem stillen Örtchen.  „Geistesblitze“ überraschen einen beim Spaziergang oder beim Joggen im Wald. Es ist ratsam, einen Stift und Block dabei zu haben. Natürlich! Das Handy reicht auch.

 Doch warum sollen wir diesem Phänomen überhaupt so viel Aufmerksamkeit schenken? Weil unser Unterbewusstes vieles gespeichert hat, auf das unser bewusstes Denken und Studieren nicht kommt so verkopft wie wir sind.  

 Wissenschaftler haben auch herausgefunden: „Geistesblitze“ kann man nicht erzwingen, weder errechnen, noch herbei beten. Sie kommen gerade dann, wenn man sie nicht erwarten. Die alten Griechen riefen bei einem „Geistesblitz“ „Heureka!“ Was so viel bedeutet wie: „Ich hab‘s gefunden!“

 Um „blitzgescheit“ zu sein. braucht man kein Abitur oder Studium.  Erfinder, Musiker, Literaten, Politiker, (eher selten), sogar Heilige berufen sich auf „Geistesblitze“ als zündende Idee für ihr Schaffen.

 Ein berühmtes Beispiel aus der jüngeren Kirchengeschichte ist die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).  Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei, vertraute der Konzilspapst Johannes XXIII. humorvoll seinem Tagebuch an: „Der erste, der überrascht war von meinem Vorschlag war ich selber ...“   

 P. Gerhard Eberts MSF

 

 

Der verlorene Sohn

Freitag, 25 März 2022

Der verlorene Sohn

Das größte Dilemma im Ukrainekrieg liegt wohl darin, dass Putin ohne Gesichtsverlust aus der angezettelten Katastrophe nicht herauskommen kann. Erniedrigt bzw. besiegt kann er sich vor seiner Klientel nicht mehr behaupten. Deshalb ist er für die ganze Welt gemeingefährlich geworden.

Betrachtet man diese Sackgasse, kommt man als Wurzelursache, als ‚Erbsünde‘ um den Stolz nicht herum. Es ist das Wesen des Stolzes, dem Teufelskreis des ‚Ich-ich‘ nicht entkommen zu können. Darin besteht übrigens auch die Hölle: Sie ist die Selbstbestrafung durch die narzisstisch-trotzige incurvatio in se ipsum (hl. Augustinus), Verbohrtheit in sich selbst, die jede Umkehr unmöglich macht. Warum, wie und zu wem umkehren, wenn es nur das Ich gibt?

Das Ich muss nicht nur eine Person sein, es gibt das kollektive Ich eines Nationalismus, einer Ideologie, einer Weltanschauung, einer angeblichen Tradition; Götzen, die auf den Plan treten, wenn es keinen Gott gibt. Die großen Verbrecher des 20. Jh. beispielsweise, Hitler und Stalin, kaschierten ihre Gott-losigkeit und Gangstermentalität auf diese Weise. Das vermeintlich nationale, de facto aber chauvinistische Wir treibt auch den Protagonisten der Aggression auf die Ukraine um. Es macht die persönliche Umkehr noch aussichtsloser.

Bereits die zigmal verbriefte Erkenntnis, dass Egoismen, individuell oder kollektiv, in der Regel beim ‚Schweinetrog‘ der Geschichte enden bzw. in Katastrophen münden, schon sie mahnt zur Besinnung. Besser und aussichtsreicher aber ist der Glaube, dass es da Größeres gibt als mein Ich und meine Ideologie, ein göttliches Du, das meine Verirrung nicht strafend sanktioniert, vielmehr in der Wurzel heilt. Wie beim verlorenen Sohn aus dem Evangelium lassen seine offenen Arme und die verzeihende Erwartung meinen Egotrip wie den Schnee in der Frühlingssonne schmelzen. Mit Gott kann ich ohne Gesichtsverlust umkehren und neu leben.

Einen gesegneten 4. Fastensonntag!

P. J. Gregur

Verlorener Sohn, Bibelied von Martin Pepper

https://www.youtube.com/watch?v=j1fXt3oHL3I

„Lange war ich weggelaufen, suchte in der Ferne mein Glück. War bereit, zu verkaufen, was mir von meinem Erbe blieb. Irgendwann war nur noch Leere, Hunger und Einsamkeit, als ob etwas gestorben wäre, zur Umkehr war ich nun bereit. Doch in mir lebte noch die Schande, ich schämte mich vor deinem Blick. Konnte mich doch nicht verwandeln, ich konnte doch nicht so zurück.

Da sah ich dich am Wegrand stehen, die Arme zu mir ausgestreckt. Ich wusste nun, mir war vergeben, ich war nicht länger angeklagt. Es tat so gut, nach Hause zu laufen, ich machte mich auf den Weg. Und ich begann, vieles neu zu begreifen, welch ein Glück! War ich noch vorher geblendet von Lüge, konnte die Wahrheit nicht seh`n. Da zeigte sich diese Klarheit der Liebe. Ich sah meinen Vater mir entgegen geh`n.

Du stecktest mich in neue Kleidung, gabst mir meine Würde zurück. Ich spürte so was wie Befreiung, ich fühlte mich nicht mehr bedrückt. Langsam wurde alles sichtbar, was ich schon längst verloren sah. Träume von erfülltem Leben waren plötzlich wieder da. In Gottes Haus ist Fülle des Lebens bereit. Und, wer sich aufmacht, erfährt: der Weg ist gar nicht weit.“

Anwalt haben

Freitag, 18 März 2022

Anwalt haben

Es gibt diese berühmte Geschichte von Baron Münchhausen, der sich selbst und sein Pferd am eigenen Haarzopf aus dem Morast herausgezogen haben will; ein physikalisches Unding. Auf Zwischenmenschliches übertragen könnte das heißen, dass nicht nur das ‚Selbstlob stinkt‘, sondern auch die Selbstrechtfertigung auf Misstrauen stößt: Je mehr du dich erklärst, desto befangener kommst du rüber. Besser ist es, jemand zu haben, der für dich spricht, dein Anwalt bzw. deine Anwältin ist.

Das Evangelium des kommenden 3. Fastensonntags inspirierte mich zu dieser Einleitung. Dort wird von einem Feigenbaum erzählt, der schon wieder die erwartete Frucht nicht liefert. Deshalb soll er umgehauen werden. Aber der Gärtner macht sich zu seinem Verteidiger und bittet den Gutsbesitzer um eine weitere Gnadenfrist: Lass ihn doch noch stehen, vielleicht bringt er seine Frucht nächstes Jahr doch.

Wer ist dieser Gärtner, der Anwalt des Baumes? – „Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus“ (1 Joh 2,1). Jesus ist Anwalt, nicht um den zornig-ungeduldigen Herrgott zu besänftigen. Gott hat ja „kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass ein Schuldiger sich abkehrt von seinem Weg und am Leben bleibt“ (Ez 33,11). Der Vergleich mit dem Gutsbesitzer, dessen Gnade ein Ende hat, ist nur ein Ausdruck für die Begrenzung unseres menschlichen Denkens: Irgendwann muss Schluss sein! Bei Jesus gilt das Wort, das er Petrus hinsichtlich Vergebungshäufigkeit sagte: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal d. h. immer. Der christliche Geduldsfaden sollte kein Ende haben.

Zurück zum Anwalt, praktisch und als Gewissensfrage, speziell jetzt in der Fastenzeit: Wann hast du dich zuletzt für jemand eingesetzt, für andere verwendet, ihre Sache dir zu eigen gemacht oder dich überhaupt dafür interessiert? „Ich habe keinen Menschen“, sagte der Gelähmte, um im entscheidenden Augenblick zum Gesundheitsteich hingetragen zu werden (Joh 5,7f). Es gibt auch jetzt viele, die keinen Menschen haben; zum Zuhören, zur Aussprache, als ‚Klagemauer‘, als Für-SprecherIn bei Mobbing und Verleumdung. Münchhausens Geschichte zeigt: Aus menschlichem Sumpf von Verstrickungen, Schuld und Bosheit kommt man ohne Gott und gegenseitige Hilfe kaum heraus.

Gesegneten dritten Fastensonntag wünscht euch

P. J. Gregur

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