Allgemein

Stille

Freitag, 12 März 2021

Stille
Sonderabteil im ICE
 
Foto: Eberts

Stille

   

Bitte Ruhe!

Silentium!

Was sagst du?
Du hast nichts gesagt?
Aber warum ist es hier so laut?

Laut?
Es sagt doch keiner was!

Richtig: Du schweigst
Dein Mund jedenfalls schweigt

Aber hör doch!
Es ist laut in deinem Kopf
Unerträglich, der Lärm
den du mitgebracht hast

Von der Straße
aus der Wohnung
vom Fenster

Ständig streitet es sich
widerspricht es sich
rechtfertigt es sich
in deinem Kopf

Still jetzt!

Geben wir es auf
uns rechtfertigen zu wollen
uns verteidigen zu müssen
miteinander zu streiten

Lass los!
Nicht ur die geballten Fäuste
auch die geballten Gedanken

Befiehl deinem Ich:
Sei still!

Stille
Stille
Stille

Spürstu du
wie sie dich umarmt

Merkst du
wie sie deinen Kopf frei macht

Schmeckst du
wie sie deine Zunge befreit

Fühlst du
wie sie deine Seele erfüllt

Hörst du
welche Freiheit sie schenkt

Er gebot dem Wind und den Wellen
und es trat Stille ein.

P. Gerhard Eberts MSF

Mein Haus – und was darin wohnt

Freitag, 05 März 2021

Mein Haus – und was darin wohnt

Wer schon einmal eine Behausung aufgebaut hat – und sei es nur ein Zelt – weiß, wie mühsam das sein kann. Am Ende soll ja alles sicher stehen und auch diversen Stürmen standhalten können. Wer gar schon ein eigenes Haus gebaut hat, weiß auch, dass viel Zeit vergeht bis alles von Grund auf gebaut ist. Von sechsundvierzig Jahren ist beim Tempelbau im Evangelium die Rede, erheblich länger als man sich das bei eigenen Projekten vorstellen kann. Alles wieder niederreißen – weil sich die Kaufleute den Tempel zu einem falschen, eigenen Nutzen gemacht haben.

Wenn ich bei jemandem zu Besuch war, habe ich oft eine Tafel mit einer Art Regelkatalog am Eingang gesehen: In diesem Haus lachen wir gemeinsam, helfen wir uns gegenseitig, versöhnen wir uns,… Dies impliziert auf eine Art und Weise, dass dieses Haus einen bestimmten Sinn hat – in diesem Fall ein Haus nämlich, in dem Menschen zusammenleben und sich überlegen, wie dies am besten gelingen kann. So hat auch die Kirche als Gotteshaus seiner Erfüllung im Zusammenkommen, um in Gemeinschaft seinen Glauben zu feiern. Aus dieser Perspektive ist wohl ganz gut verständlich, warum Jesus so deutlich wird und die Verkäufer hinausjagt. Und dennoch steht geschrieben, dass er mit seinem Ausspruch den Tempel seines Leibes meint.

Schauen wir einmal auf uns: Was wohnt in unserem leiblichen Haus, was treibt sich da so herum, treibt sogar vielleicht ab und zu sein Unwesen darin. Vielleicht ist die Fastenzeit eine gute Zeit, einmal in den eigenen Tempel hineinzuschauen und aufzuräumen. Dabei können wir bestimmt auch so manche Schätze und Perlen entdecken und uns darüber freuen. Jesus kann von sich sagen: Ich werde den Tempel in drei Tagen wieder aufbauen. Seine Auferstehung kann auch für uns eine Chance sein. Mit seiner Hilfe können wir in unserem Tempel aufräumen und ihn vielleicht auch ein Stück niederreißen lassen. Dann aber dürfen wir sicher sein, dass in uns lebendig wird, was zu unserem ganz eigenen Tempel gehört. Und wir dürfen uns von ihm helfen lassen, weil er jede und jeden von uns kennt.

Anita Graf

zwischen Tabor und Morija

Dienstag, 02 März 2021

zwischen Tabor und Morija

Eine Bergtour kann ganz unterschiedlich verlaufen, das wissen alle, die es regelmäßig in die Berge zieht, um den Alltag hinter sich zu lassen. Wetterumbrüche und Extremsituationen sind wahrscheinlicher als beim Spaziergang zuhause. Wie unterschiedlich ein Tag in den Bergen aussehen kann, sehen wir auch in den Lesungen des zweiten Fastensonntags.

Während die Bergtour Jesu mit Petrus, Jakobus und Johannes zu einer wahrhaft positiven Extremsituation wird, führt der Weg, den Abraham mit seinem Sohn Isaak auf einen Berg im Land Morija gehen muss, beinahe in eine Katastrophe.

Auf dem Berg der Verklärung gehen existenzielle Wünsche in Erfüllung: Einmal über den Sorgen und Problemen stehen; aus dem Alltag und der Arbeit herausgehoben werden. Die Jünger werden zu Eingeweihten und dürfen sehen und hören, was andere nur glauben und hoffen können.  Wer wünscht sich nicht, Gott einmal mit einer solchen Gewissheit erfahren zu haben? Für eine kurze Zeit damit auch die Wahrheit über sich selbst und die Welt klar zu erkennen?

Doch es gibt auch die andere, weniger glanzvolle Gotteserfahrung. Abraham erfährt einen geradezu gegenteiligen Gott, als er den Befehl bekommt, seinen Sohn auf einem Berg zu opfern. Damals wie heute bleiben Gottes Pläne oft unverständlich. Wir stehen vor Extremsituationen, in denen übermenschliches gefordert wird; in denen sinnloses von uns verlangt wird. Unser Schicksal, wie auch das der anderen bleiben im Dunkeln.

Spielt Gott ein falsches Spiel mit uns? Auf der einen Seite der Freund, Begleiter, Schöpfer und Geber aller guten Dinge. Auf der anderen Seite die undurchsichtige, schwere Opfer fordernde Autorität? Wie passen diese zwei Seiten Gottes, wie passen diese zwei Extremsituationen unserer Wirklichkeit zusammen?

Ich finde keine Antwort darauf, aber ich bin überzeugt davon, dass die Antwort, wenn, dann nur von einem kommen kann: Gott. Auch ohne Erklärung gehen wir nicht leer aus: Am Ende der beiden Bergerlebnisse steht mehr als ein Versprechen: „Segen in Fülle“ und die Auferstehung.

Dennis Nguyen

 

Erste Lesung:

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Ísaak,
geh in das Land Moríja
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar!
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf.
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sagte:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.

Der Engel des Herrn
rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
Ich habe bei mir geschworen – Spruch des Herrn:
Weil du das getan hast
und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

Evangelium:

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein.
Und er wurde vor ihnen verwandelt;
seine Kleider wurden strahlend weiß,
so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose
und sie redeten mit Jesus.
Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
Wir wollen drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
Da kam eine Wolke und überschattete sie
und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
Dieser ist mein geliebter Sohn;
auf ihn sollt ihr hören.
Als sie dann um sich blickten,
sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen,
gebot er ihnen,
niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten,
bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
Dieses Wort beschäftigte sie
und sie fragten einander, was das sei:
von den Toten auferstehen.

 

Die Verklärung Jesu und was Instagram-Bilder damit zu tun haben

Freitag, 26 Februar 2021

Die Verklärung Jesu und was Instagram-Bilder damit zu tun haben

Kennst du den Film “Die Unglaublichen”? In meiner Kindheit, also 2005, war dieser Film recht erfolgreich. Aus diesem Film stammt folgendes Zitat, welches zur Situation der Jünger im heutigen Evangelium passt: “Worauf wartest du denn? – Keine Ahnung. Vielleicht auf was Unglaubliches?”. Irgendwie brauchten die Jünger ein Zeichen, dass Jesus eben nicht nur ein einfacher Prophet war, der Reden schwingen und Menschen heilen konnte. Sie haben vielleicht auf eine wirklich unglaubliche Sache gewartet, damit sie Jesus endlich richtig verstehen konnten.
Die Situation, die sich auf dem “hohen Berg” abspielte, klingt eben wirklich unglaublich: Jesus redet mit Elija und Mose und Gott bezeichnet ihn als seinen Sohn. Petrus verfällt sofort in Aktionismus und möchte für die drei Propheten jeweils eine Hütte bauen. Er möchte die Situation festhalten, muss aber merken, dass die Verklärung früher vorbei ist, als ihm lieb ist.
Dieses Festhalten von Ereignissen kennen wir gut. Anders als vor 2000 Jahren können wir von unglaublichen Ereignissen einfach ein Bild machen und sie auf Instagram teilen. Wir machen Bilder von uns, von der Natur, von wunderbaren Aktionen und Veranstaltungen. Der Philosoph Johannes Scotus Eriugena bezeichnet die Welt als “Theophanie”: Gott manifestiert sich in der Natur, genau die, die wir tagtäglich fotografieren. Wir wollen also Gott, etwas Unglaubliches, festhalten, ähnlich wie Petrus. Indem wir versuchen, den Moment für die Zukunft festzuhalten, zu sichern, verpassen wir es oft, diesen Moment zu genießen. 
Was können wir also mitnehmen? Die anderen Jünger haben es richtig gemacht: SIe haben den unglaublichen Moment genossen. Lasst uns das in Zukunft auch versuchen, in den wichtigen Momenten das Handy wegzulassen und uns voll auf das Wesentliche einzulassen. Denn das Unglaubliche, was wir erleben dürfen, ist die Welt, das In-Erscheinung-Treten Gottes!

Sebastian Trefon

Quarantäne

Freitag, 19 Februar 2021

Quarantäne

Quarantäne ist in diesen Wochen nicht nur in aller Munde, sondern für manche leidvoll spürbar. Alle Ansteckungsverdächtige müssen soziale Kontakte meiden, unter Umständen bis zu vierzehn Tage zu Hause eingesperrt durchhalten.

Weiß man aber, woher der Begriff Quarantäne kommt? – Er ist religiösen Ursprungs.

Als im 14. Jh. die Pest wütete und Millionen Menschen dahinraffte, wusste man ihr nicht beizukommen. Wie denn auch? Aber dass sie durch Kontakte ansteckend ist und deshalb isoliert werden muss, war bald deutlich. Die Stadtrepublik Dubrovnik hat in der besagten Pestepidemie die reisenden Kaufleute, die in die Stadt wollten, für vierzig Tage in ein nahegelegenes Lazarett gesteckt. In die Quarantäne also (frz. quarantaine; vom lateinischen quadraginta bzw. dem galloromanischen quarranta). Dabei hat die religiöse Symbolik der Zahl eine Rolle gespielt: Die Erinnerung an die vierzigtägige Sintflut und die vierzigjährige Wanderung Israels aus der Sklaverei. Vierzig Tage hielt sich Jesus vor seinem öffentlichen Auftreten in der Wüste. Ebenso lange ist es von Weihnachten bis zum Fest Darstellung des Herrn und von Ostern bis Christi Himmelfahrt. Eine heilige Zahl dieses Vierzig also, die Zeit Gottes, die im Mittelalter der Pest ein Ende bereiten sollte.

Wie jedes Jahr, sind wir wieder zur vierzigtätigen geistlichen Quarantäne, zur Fastenzeit – oder Österlichen Bußzeit, wie die Fachleute sagen – gerufen. Denn auch die geistige Virusgefahr lauert: das Virus des Egoismus, das Virus der Geltung und Macht, das Virus des übermäßigen Konsums und so weiter. Die geistliche Quarantäne könnte bedeuten, diese Viren mal bewusst unter die Lupe zu nehmen und ihre Ausbreitung zu bremsen, angefangen bei sich selbst. Hierzu sind keine Tests vorhanden, aber der Verzicht ist eine bewehrte Methode, um das eigene Ich zurückzupfeifen, mal andere vorzulassen, die Verzeihung zu gewähren; das Handy liegenlassen und einen Besuch machen; bewusster essen, Energie sparen. Und – wenn es eine geistliche Quarantäne sein soll – Beten. Gottes Nähe ist ein ziemlich wirksamer Impfstoff gegen die Sünde d. h. Absonderung von Gott und dem Nächsten.

Wer heute über die Grenzen will, muss mit Quarantäne rechnen. Wer die Grenzen des guten Mit- und Füreinander überschreitet – und das tun wir leider alle – der/die sollte hin und wieder im stillen Kämmerlein sein Leben und Handeln Revue passieren lassen. Die Fastenzeit ist ein guter Tipp der Kirche in diese Richtung.

Eine gute (Fasten-)Zeit wünscht euch

P. J. Gregur

Valentin

Freitag, 12 Februar 2021

Valentin

 Wohl kaum ein Heiliger hat in den letzten Jahren so eine steile Karriere hingelegt wie Valentin, dessen Fest am 14. Februar gefeiert wird. Obwohl wir über sein Leben nur wenig Gesichertes wissen, ist sein Namenstag heute für unzählige Menschen mit dem Verschenken von Blumen an einen geliebten Menschen verbunden. Der Legende nach war Valentin im dritten Jahrhundert Bischof von Terni und traute, trotz des Verbots des Kaisers, christliche Paare. Dabei schenkte er ihnen Rosen aus seinem Garten, um zu verdeutlichen, was es mit der Liebe auf sich hat. Denn Rosen haben…

… einen langen Stiel, denn nur wer geduldig und langmütig ist, wer immer wieder nach dem Ursprung der eigenen Liebesbeziehung gräbt und aus ihm heraus zu leben versucht, kann auch in der Liebe wachsen und beständig sein;

 … Dornen, an denen wir uns wieder und wieder stechen. Wirklich lieben heißt nämlich auch, Tränen und Verletzungen auszuhalten;

 … eine wunderschöne Blüte, weil die Liebe uns als Menschen erst richtig zum Strahlen bringt. 

 Der heilige Valentin hat aus Liebe zu Gott und den Menschen schlussendlich sein ganzes Herzblut hingegeben. Weil ihm Beziehungen wichtiger waren als Gesetze, ist er als Märtyrer gestorben. So erzählt seine Legende von dem, was schon im Alten Testament das Hohelied der Liebe ausdrückt:

 

Stark wie der Tod ist die Liebe,

die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt!

Ihre Gluten sind Feuergluten,

gewaltige Flammen.

Mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen,

auch Ströme schwemmen sie nicht hinweg.

Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses,

nur verachten würde man ihn. (Hld 8,6-7)

 

Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr auch in diesen nicht ganz einfachen Zeiten etwas von der Ausdauer, dem Glühen und der Leidenschaft spüren könnt, das den Heiligen Valentin ausgezeichnet hat!

 Martin Blay

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/rosen-bouquet-von-rosen-blumenstrauß-1229148/ (abgerufen am 28.01.2021)

 

Öffnungszeiten, Sprechzeiten...

Freitag, 05 Februar 2021

Öffnungszeiten, Sprechzeiten...

Vor Jahren war ich als Reiseleiter mit einer Gruppe in Italien. Auf dem Programm stand auch der Besuch der Certosa di Pavia, eine wunderschöne Anlage, ehemals Kartäuserkloster. Sollte eines der Höhepunkte der Reise werden. Leider steckten wir in Stau, ich rief an. „Schauen Sie das sie rechtzeitig da sind, wir schließen um fünf“. Wir schafften es leider erst kurz nach fünf. Die werden doch für interessierte Hochschullehrer, Priester und Ordensleute eine kleine Ausnahme machen können, hoffte ich. Die Hoffnung wurde enttäuscht. Könnte ja jeder kommen.

Ein Pfarrhaus, die Mitbrüder sitzen zu Tisch. Telefon. Ich gehe hin. Der Pfarrer wird verlangt. „Toni, für dich“: – „Ich hab doch meinen freien Tag heute!“ Es war Montag. Aber nur ein Telefonat…, dachte ich.

Jesus zieht sich im Sonntagsevangelium zurück, um zu beten. Aber die Jünger steigen ihm nach, weil so viele Leute da sind: „ Alle suchen dich.“ – „Seht ihr denn nicht, dass auch ich mal Ruhe brauche, beten will?“ Nein, das sagt er nicht. Er geht der Notwendigkeit kommentarlos nach, er lässt sich brauchen.

Sprechzeiten – in den Büros, in den Geschäften, an der Uni, beim Prof, beim Pastoralreferenten, beim Pfarrer. – Beim Pfarrer doch nicht, der ist ja 'Realsymbol' der Gegenwart Jesu unter den Menschen. - Ok, ich sag schon nichts; ich denke halt nur an die ausgehängten Bürozeiten und den Anrufbeantworter: „Wir sind am Montag wieder für Sie da“.

Niemand kann 24/24 für andere da sein. Aber Jesu Beispiel gibt doch zu denken. Auch jenes des Paulus in der zweiten Lesung: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten“ (1 Kor 9,22).

Beispiele nur für die Hauptamtlichen in der Kirche – oder auch für mich?

Schönen Sonntag und eine gute Woche!

P. J. Gregur

Don Bosco

Freitag, 29 Januar 2021

Don Bosco

Am 31. Januar 1888 starb Johannes Bosco, der große Jugendseelsorger des 19. Jahrhunderts. Am Sonntag wird sein Gedenktag begangen. Zurecht gilt „don“ (Herr) Bosco als Patron der Jugend. Denn sein Herz für junge Menschen war groß. Viele von ihnen, auf der Arbeitssuche nach Turin gekommen, waren im wildkapitalistischen Treiben einer aufstrebenden Industriestadt des 19. Jhs. orientierungslos. Der junge Priester, selbst arm und ohne Vater aufgewachsen, zum Glück jedoch mit einer starken und klugen, tiefgläubigen Mutter, sammelte sie zuerst unter freiem Himmel, auf einer Wiese, bis er ihnen ein bescheidenes Dach überm Kopf bieten konnte. Und den Arbeitgebern für sie soziale Verträge abnötigte. Sie liebten ihren charismatischen Seelsorger abgöttisch nicht nur deshalb. Sympathieträger war er für sie, weil zu spüren war, dass er sie als Mensch ernst nahm. Er wollte das lieben, was ihnen wichtig ist, Freude, Witz und Spiele, ihre Spontaneität, wissend, dass sie dann lieben werden, was ihm wichtig war: aus ihnen „gute Christen und ehrenwerte Bürger“ zu machen. Eine Kostprobe aus einem Brief an junge Auszubildende:

„Dass ich euch mag, muss ich euch nicht sagen, das habe ich euch bewiesen. Dass ihr mich mögt, das müsst ihr mir nicht sagen, das habt ihr mir durchweg gezeigt. Aber unsere gegenseitige Sympathie, worauf gründet sie? Auf dem Geldbeutel? Nicht auf meinem, denn ich leere ihn ständig für euch; nicht auf eurem, weil ihr – mit Verlaub – keinen habt. Also fußt meine Zuneigung auf dem Wunsch, eure Seelen zu retten, die alle durch das kostbare Blut Jesu Christi erlöst sind. Und ihr liebt mich, weil ich versuche, euch auf den Weg des Heils zu führen. Also ist das Wohl unserer Seelen das Fundament gegenseitiger Zuneigung.“

Das war kein frommes Blabla. Nicht nur, dass er für seine Schützlinge ständig unterwegs war, Don Bosco suchte auch zupackende Helfer, aus dem später ein Orden hervorging, um mit Schulen, Internaten und Freizeitstätten sein Werk weiterzuführen: die Salesianer (benannt nach seinem Vorbild Franz von Sales). Das, was Don Bosco seinen geistigen Söhnen und Töchtern – denn es gibt auch die Don Bosco Schwestern – unter anderem ins Stammbuch schrieb, klingt selbstverständlich, macht aber den feinen Unterschied: „Daß die Jugendlichen nicht nur geliebt werden, sondern dass sie diese Liebe selbst auch spüren.“ Konkret werden also, nicht vor lauter Himmel die Erde vergessen! Diese Konkretheit fußt für ihn zunächst auf der Grundhaltung der amorevolezza – dem Liebe-wollen. Also nicht Liebe nur als eine diffuse Gefühlszuneigung für die ohnehin Sympathischen; sondern Agieren aus der Überzeugung heraus, dass in jedem Menschen ein von Gott gestifteter, guter Kern ist.

Diese Konkretheit der Liebe fließt dann in das andere Prinzip im Erziehungskonzept dieses Mannes, der sich zum Wohl der „armen und bedürftigen Jugend“ buchstäblich verzehrte: Assistenza - dabei sein! Im Gegensatz zu anderen Internaten, wo Strukturen den Alltag von Jugendlichen regulierten, steht bei Don Bosco das personale Konzept im Vordergrund: ein Stück des Lebens mit den Menschen teilen, mit ihnen durch Dick und Dünn gehen; nicht nur hinter dem PC für die Jugend da sein, sondern auf dem Arbeits- und Spielplatz, im Theater, in der Küche und Kirche. Das ist sein Ideal, in der Überzeugung, dass die erwünschte Formung so am besten gelingt.

In diesem Sinn, last but not least: In Zeiten ewiger Missbrauchsdebatte sollte nicht unter den Tisch fallen, dass nicht nur ein Johannes Bosco, sondern weltweit hunderte anderer Priester und Ordensleute in konkreter ‚Assistenz‘ der „bedürftigen Jugend“ selbstlos beigestanden und so die Gesellschaft weitergebracht haben, in der Überzeugung des Turiner Heiligen: „Die Vernunft, die Religion, die Geschichte und die Erfahrung zeigen, dass religiöse und zivile Gesellschaft insofern gut oder schlecht sein werden als ihre Jugend gut oder schlecht ist.“

Eine schöne Woche und gute Prüfungszeit wünscht euch

P. J. Gregur, Salesianer Don Boscos

Erfüllte Zeit

Freitag, 22 Januar 2021

Erfüllte Zeit

Manchmal vergeht die Zeit wie im Nu, dann wieder ist sie endlos lang-weilig. Je nachdem, was los ist. Wenn es gut ist, dann fühlt sie sich an wie bei Goethes Faust: „Verweile doch! du bist so schön!“ Aber die Zeit lässt sich nicht aufhalten. „Je älter man wird, desto hastiger tritt sie einem auf die Hacken, die Zeit, die sogenannte“ (W. Busch).

Es gibt die lineare, die zyklische und die spiralförmige Zeit.

Dass sich die Zeit im Kreis dreht, glaubten die alten Griechen: Alles kommt wieder, nichts Neues unter der Sonne. Für die Bibel und uns verläuft sie linear, alles hat seinen Anfang und ein Ende. Und doch sieht man, dass im Jahreskreis die Dinge sich wiederholen, die Jahreszeiten und Feste wiederkehren. Immer das Gleiche, sagen die Gelangweilten. Es stimmt aber nicht. Denn auch wenn Bekanntes erneut da ist, so haben wir uns geändert: Man ist älter, die Umstände sind anders, man hat anderen Blick auf die Welt. Gleiches und Neues: Wie eine Spirale schraubt sich die Zeit durch unser Leben.

Es gibt aber noch eine andere Zeit. Von ihr spricht Jesus am kommenden Sonntag: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe“ (Mk 1,15). Erfüllte Zeit? – Wenn alles passt, wenn sie wie in Ekstase still zu stehen scheint und sie quasi nicht mehr gibt. Die Nahtoderfahrungen berichten davon. Aber unter normalen Umständen?

Die alten und neuen Weisheitslehrer empfehlen, weder nostalgisch in die Vergangenheit, noch neugierig in die Zukunft zu blicken. Jetzt, diesen Augenblick leben! Die Hand auf den Pflug legen und nicht zurückschauen, das ist bei Jesus die praktische Erfüllung der Zeit. Das Reich Gottes ist wirksam, wenn der Herr der Zeit das Sagen hat: „Meine Zeit steht in Gottes Händen“, singen wir im Gottesdienst. „Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“ So lautet das erste „Gebot der Gelassenheit“ bei Papst Johannes dem Dreiundzwanzigsten. Und das zehnte: „Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.“

Die Liturgie bekräftigt diese Haltung mit ihrem „Heute!“. Es heißt dort immer wieder: Heute ist Jesus geboren, heute ist er der Welt erschienen; „Am Abend vor seinem Leiden nahm er das Brot – das ist heute“ (Gründonnerstag). Was bedeutet dieses „Heute“? Nichts, als dass es bei Gott keine Zeit mehr gibt und er alles heute tut. Wer den Gottesdienst mit Leib und Seele mitfeiert, der taucht in diese Zeit ein, die keine mehr ist. Um ihre, auch therapeutische Wirkung zu erfahren, muss man, wie alles im Leben, achtsam sein und üben. Vielleicht durch Meditation: Einatmen, ausatmen, loslassen, den Augenblick spüren, vielleicht durchleiden, und – betend glauben, dass Gott ihn für mich so und nicht anders will.

Eine schöne Woche wünscht euch P. J. Gregur

Überleg mal

Freitag, 15 Januar 2021

Überleg mal

Heute haben Vereine, Parteien und Kirchen immer weniger Nachwuchs. Das gibt Anlass zur Sorge. Ohne Zuwachs keine Zukunft. Bei manchen Gruppierungen wäre das nicht unbedingt ein Nachteil. Für die Kirche aber schon. Denn Christen glauben, dass die Kirche den Menschen etwas, nein: Jemand (!) zu geben hat.

Nur: Wie gewinnt man Multiplikatoren? Die Antwort ist im Grunde einfach: Indem junge Leute für Christus gewonnen werden. Aber wie kommt man an sie heran? Durch Angebote? Davon gibt es inzwischen so viel, dass man nicht weiß, wo zuerst hinklicken: Online-Impulse, und -Gottesdienste, Podcasts, YouTube und Instagram. Trotz der Fülle tut sich in punkto Glaube und neue Christen wenig.

Vielleicht kann man vom Evangelium des kommenden Sonntags lernen, wie es gehen kann. Zunächst ist da einer, der sensibel ist und genau hinschaut: Johannes der Täufer. Er erkennt die Einmaligkeit Jesu und spricht es aus: Seht, das „Lamm Gottes“! Zwei seiner Jünger – einer ist Andreas – trifft dieses Wort. Sie zeigen sich interessiert und gehen Jeus nach. Bleiben sogar den ganzen Tag dort und fangen Feuer. Es dauert nicht lange und Petrus, der Bruder von Andreas, ist dabei.

Bescheidener Anfang mit großem Ausgang: es entsteht die Gruppe der Zwölf, dann die der Zweiundsiebzig und am Ende die weltweite Glaubensgemeinschaft. Man sieht: die Kirche entsteht aus der Beziehung und ist Beziehung. Sie wächst oder schrumpft in dem Maß als Leute an dieser Beziehung arbeiten. Die Mitte ist selbstverständlich Jesus Christus. Auf ihn muss mich jemand aufmerksam machen. Vorausgesetzt, er/sie ‚brennt‘ selbst. Denn nicht Information, sondern Begeisterung ist entscheidend: „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“, hat man mal gesungen.

Das Ganze hat freilich einen Haken: es ist graue Theorie. Wenn sie praktisch werden soll, müsste ich bei mir anfangen. Das ist aber das Problem… Oder kennst du jemand (außer dem Kaplan vielleicht), der mit Jesus ‚wuchert‘, auf ihn mit Herzblut aufmerksam macht? Du bist jung! Junge Menschen können Gleichaltrige, Kommilitoninnen und Kommilitonen, begeistern und gewinnen. Das ist die Chance. Überleg mal, wo es an Dir liegt, für die Zukunft des Glaubens und mit ihm für die Gesellschaft etwas zu tun. Religion ist alles andere als Privatsache.

P. J. Gregur

Werde Licht

Donnerstag, 24 Dezember 2020

Werde Licht

 Mache dich auf und werde Licht:

 

Geh zum Kind und lass dich anstecken – von seiner Anmut.

 Geh zu Jesus und lass deine Dunkelheiten bescheinen – von seinem Licht.

 Geh zu Christus und lass dich berühren – von seiner Gnade (der göttlichen Herrlichkeit)

 Geh zu Gottessohn und lass dich ein-beziehen – ins Leben des dreieinigen Gottes.

  Geh zu IHM und lass dich ‚aufklären‘, um zu strahlen wie er – damit es in unserer Welt ein wenig lichter wird.

 

Gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr!

Wünscht euch im Namen der Haupt- und Ehrenamtlichen der KHG

 P. J. Gregur

 

Der Engel des Herrn

Freitag, 18 Dezember 2020

Der Engel des Herrn

„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ – wie geht der Satz weiter? Kennst du dieses Gebet noch, vielleicht von der Oma daheim? Früher wurde es täglich dreimal gebetet, beim Morgen-, Mittag- und Abendläuten. Es ist richtig schade, dass es verschwindet. Denn es ist die Erinnerung daran, dass das „Wort Fleisch geworden“ ist. Gott wird Mensch! Über diesen göttlichen ‚Wahnsinn‘ hätten sich die antiken Griechen nur amüsiert. Dass Götter sich in alles Mögliche verwandeln können, der Zeus z. B. in den Stier bei der Entführung Europas, das kannten sie auch. Aber dass ein Unsterblicher sich erniedrigt, um mit allen Nachteilen der Sterblichen Mensch zu werden, das wäre für sie doch ein Nonsens gewesen.

Die Menschwerdung ist tatsächlich etwas Unglaubliches und wir sollten den Zweiflern ihre Schwierigkeiten damit nicht verdenken. Wir sollten sie eventuell nur darauf aufmerksam machen, dass wir nicht einem Mythos auf den Leim gehen; dass wir an Weihnachten vielmehr den „wunderbaren Tausch“ bedenken, in dem Jesus das Defizit unserer Liebesunfähigkeit Gott und den Menschen gegenüber ausgleicht. Er wird Mensch, damit wir ‚göttlich‘ werden. Nicht nur wir, auch Gott will vollkommen geliebt werden. Nur geht das leider nicht. Nicht weil wir böse, sondern schlicht, weil wir begrenzt sind. Das ist, was Erbsünde genannt wird: lieben sollen und nicht können. In Jesu Hingabe, einem von uns und gleichzeitig einem für uns, wird Gott vollkommen geliebt und unsere gegenseitige Liebe bzw. Ethik begründet. An Weihnachten feiern wir in Jesus quasi die genetische Gesundung der an Liebesmangel kränkelnden Schöpfung.

Grund genug, dass unsere Glocken davon dreimal am Tag künden. „Und sie empfing vom Heiligen Geist“, heißt es an der genannten stelle weiter. Maria empfängt den Gottessohn im Namen der Menschheit. Ich hab noch das Bild der marienfrommen Bauern vor Augen wie sie beim Mittagsläuten ihre Kopfbedeckung abnehmen, die Hacke zur Seite legen oder, sich darauf stützend, gemeinsam zum Angelus anheben. Beim Schlüsselsatz „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ klopften sie an die Brust als sollte es heißen: Wirklich, es mangelt uns an Liebe.

Die Menschwerdung ist zusammen mit der Auferstehung einer der Eckpunkte christlichen Glaubens. Dieser Glaube braucht Anregung und Nahrung. Das ist der Sinn des Mittags- und Abendläutens. In Istanbul habe ich erlebt, wie Muslime in großer Zahl auf den Muezzinruf hin zum Mittagsgebet in die Moschee eilen. Die Engelsbotschaft an Maria vom kommenden Sonntag ist vielleicht ein Wink, jetzt in der Zielgerade des Advents, auch unsere Gebetstradition neu zu entdecken. „Der ‚Engel des Herrn‘ ist eine bewährte Weise, den Tag zu heiligen“, sagt das „Gotteslob“. Dort ist der „Angelus“ auf Seite 36 (Nr. 3,6) zu finden.

P. J. Gregur

Lebendiger Adentskalender

Dienstag, 01 Dezember 2020

Lebendiger Adentskalender

In diesem Jahr öffnen wir jeden Tag im Advent ein Türchen mit Beiträgen von Studierenden und Lehrenden der Augsburger Hochschulen und Personen aus Kirche und Stadt.

zur Playlist auf Youtube

 

Beten für den Klimaschutz?

Freitag, 20 November 2020

Beten für den Klimaschutz?

Diese Frage beantwortet Pastoralreferent Dennis Nguyen diese Woche in einem Podcast-Video.

Licht bezeugen

Freitag, 11 Dezember 2020

Licht bezeugen

Licht ist ein unerschöpfliches Thema. Du könntest mehrere Doktorarbeiten darüber schreiben: Licht physikalisch, Licht kosmisch, Licht in der Kunst, Licht metaphorisch, Licht in den Religionen, und und und.[1] Die vielen adventlichen Lichterketten, in den Fenstern, an den Straßen, sie zeigen unsere Affinität für das Licht. Was Wunder, Licht ist ja lebenswichtig. Ohne Licht gäbe es uns nicht. Diese vielen Lichter, die jetzt überall funkeln und glitzern, die Adventskränze und Christbäume, die wir anzünden, sind sie nicht ein Schimmer der Sehnsucht nach dem ‚wahren Licht‘?

Als Christ/in kannst du über Jesus Christus als Licht nachdenken. Er selbst nennt sich Licht: „Ich bin das Licht der Welt“. Auf dem Berg Tabor wird er verklärt und schwebt im Licht. Seine Auferstehung ist ein Lichtereignis, darum die Osterkerze. Zu Weihnachten ist er Licht für das Volk, „das im Finstern wandelt“. Um das Licht des Glaubens wird in der Liturgie gebetet. Jesus gebraucht die Licht als Metapher der Verkündigung: Eine Lampe zündet man nicht an, um sie anschließend unter den Scheffel zu stellen.

Damit bin ich schon bei dem, was von Johannes dem Täufer am kommenden Sonntag gesagt wird: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht“ (Joh 1,7f).

Im Lateinischen gibt es zwei Wörter für das Licht: lux und lumen. In gewisser Weise sind sie Synonyme, beide können Folge und Wirkung einer Lichtquelle sein. Im religiösen Zusammenhang aber ist lumen so etwas wie Beleuchtet-werden, wie der Mond im Vergleich zur Sonne. Den Christen ist Jesus lux mundi, die eigentliche Lichtquelle, „Sonne der Gerechtigkeit“. Johannes ist also bloß lumen: der Angestrahlte und nur als solcher eine Lichtgestalt.

Und dadurch gleichzeitig ein Zeuge des Lichts.

Jede/r  steht in irgendeinem Licht, manche im Rampenlicht. Auf der Schattenseite des Lebens ist ja nicht gut sein. Sag mir in welchem Licht du stehst und ich sage dir, wo deine Schattenseiten sind. Von allen Seiten werden wir illuminiert (aufgeklärt): von Idolen und Ideologien, von Weltanschauungen und Parteiprogrammen, von der öffentlichen Meinung und der political correctness. Oder sind das eher Schatten, Mangel an Licht? Jedenfalls kann man sich ihnen kaum entziehen und reflektiert sie unbewusst in sein Umfeld. Deshalb ist die Frage wichtig: In welchem Licht stehst du? Wo sind deine Stars?

Johannes bezeugt das „wahre Licht“ öffentlich und freimütig. Er stellt sein Licht, Jesus und sein Evangelium, nicht unter den Scheffel. Deshalb ist er zum Märtyrer (= Zeugen) des Lichtes geworden. Als solcher ist er ein leuchtendes Beispiel, Vorläufer auf Weihnachten zu. 

Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,
um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.
Gib, dass in unseren Werken widerstrahlt,
was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet. (Liturgie an Weihnachten)

P. J. Gregur

 

 
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