Weißer Sonntag

Freitag, 09 April 2021

Weißer Sonntag

Erstkommunion, Mädchen als weiße Bräutchen, Buben in weißem Anzug: der weiße Sonntag! Stimmt irgendwie, insofern die Kommunion mit der Taufe zusammenhängt – und das tut sie ja. Ohne Taufe keine Eucharistiefeier und auch keine Kommunion. Die weißen Kleider, Erinnerung an die Taufe als Bedingung der Möglichkeit der Kommunion.

Das Weiß assoziiert man mit Reinheit, Unschuld und Frische des Neuanfangs. Am Grab des Auferstandenen ist der Engel in weiß; die Ältesten und Erlösten um den Thron Gottes im Himmel tragen Weiß (Offb7). „Wer siegt, wird mit weißen Gewändern bekleidet werden. Nie werde ich seinen Namen aus dem Buch des Lebens streichen“ (Offb 3). Die ersten Christen sind mächtig stolz darauf, bei der Taufe in der Osternacht eine weiße Tunika zu bekommen (heute die Albe, weißes Gewand, des Priesters). Diese trugen sie bis zum Gottesdienst am darauffolgenden, dem "weißen" Sonntag.

Es war nicht nur Romantik. Die um den himmlischen Thron in weißen Gewändern halten Palmzweige in der Hand, Symbol für das Martyrium: „Dies sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.“ Mit anderen Worten: Sie sind für Christus gestorben. Der Lohn? Das Lamm führt sie zum „Wasser des Lebens“, er wischt die „Tränen von ihren Augen ab“.

Nur ihnen? Und was ist mit mir, der ich für die Taufe nichts kann, die ich nicht einmal schätze? Geschweige denn, auf mein Christsein stolz zu sein. Und auch sonst ziemlich von Gott ‚gesondert‘ lebe, ein Sünder bin. Bekomme auch ich das weiße Gewand?

Schon im Alten Testament spricht Gott: „Sind eure Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie. Sind sie rot wie Purpur, wie Wolle werden sie“ (Jes 1). Während David deshalb noch beten muss: „Wasche mich und ich werde weißer als Schnee!“ (Ps 51), stehe ich schon im Chor der Erlösten und stammle, wenn auch etwas verschämt, mit: „Zum Mahl des Lammes schreiten wir mit weißen Kleidern angetan, Christus, dem Sieger, singen wir, der uns durchs Rote Meer geführt“ (Osterhymnus).

P. J. Gregur