Superhelden sind gefragt

Samstag, 27 März 2021

Superhelden sind gefragt

Uns faszinieren bombastische Inszenierungen und Siegertypen. Filme, Theaterstücke und Bücher handeln zumeist von Helden; oft sind es sogar Superhelden, die mit ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten siegen. Um das Ziel zu erreichen ist Gewalt dabei ein akzeptiertes Mittel.

Jesus tanzt in vielerlei Hinsicht aus der Reihe. Gerade am Palmsonntag wird das uns sehr deutlich vor Augen geführt. Er wählt eine ganze andere Inszenierung und überlässt dabei nichts dem Zufall:
Auf einem Fohlen einer Eselin zieht Jesus nach Jerusalem ein. Ihm folgen seine Jüngerinnen und Jünger. Ihre Hände sind leer. Damit ist es eine Friedensdemonstration par excellence.

Dem gegenüber steht die Machtdemonstration der römischen Weltmacht: Pontius Pilatus als Präfekt der Provinz Judäa liefert bei Prozessionen ein Spektakel imperialer Stärke. Pilatus sitzt schwerbewaffnet hoch zu Ross, wenn er seine Stadt betritt. Bewaffnete Fußsoldaten, Reiter, Standarten und andere Machtsymbole transportieren eine klare Botschaft. Hier kommt ein Befehlshaber, dem sich alles unterzuordnen hat – notfalls mit Waffengewalt.

Wie die Menschen damals in Jerusalem erwarte auch ich oft einen Superhelden, der sofort alles wieder in Ordnung bringt. Doch Gott geht mit und durch Jesus einen anderen Weg.
Er ist ohnmächtig gegenüber der Macht und Gewalt des Staatsapparates und der korrupten Elite der Hohepriester. Selbst zur Verteidigung lehnt Jesus Gewalt als falschverstandene Sicherheit ab. Bei seiner Gefangennahme mahnt er seine Freunde in aller Deutlichkeit. Aufgrund seiner konsequenten Liebe zu allen Menschen verliert er – (zunächst) sein Leben.

Gott ist nicht nur triumphal und allmächtig zu sehen. Um uns auf Augenhöhe zu begegnen hat er einen außergewöhnlichen und unglaublichen Weg eingeschlagen. Jesus ist auch der Mann, der vor einem anrollenden Panzer gewaltfrei stehen bleibt. Er ist ebenso die Frau, welche mit Rosen in der Hand auf bewaffnete Polizisten in einem totalitären Staat zugeht. Jesus ist in einer leidenden Kranken wie in einem Jugendlichen zu finden, der nicht mehr weiter weiß.

Jesus passt einfach nicht in unsere Erzählungen von Superhelden. Er sprengt den Rahmen. Vertrauen wir seiner gewaltfreien Revolution der Liebe, die spätestens mit dem Einzug in Jerusalem begonnen hat.

Michael Rösch