Quarantäne

Freitag, 19 Februar 2021

Quarantäne

Quarantäne ist in diesen Wochen nicht nur in aller Munde, sondern für manche leidvoll spürbar. Alle Ansteckungsverdächtige müssen soziale Kontakte meiden, unter Umständen bis zu vierzehn Tage zu Hause eingesperrt durchhalten.

Weiß man aber, woher der Begriff Quarantäne kommt? – Er ist religiösen Ursprungs.

Als im 14. Jh. die Pest wütete und Millionen Menschen dahinraffte, wusste man ihr nicht beizukommen. Wie denn auch? Aber dass sie durch Kontakte ansteckend ist und deshalb isoliert werden muss, war bald deutlich. Die Stadtrepublik Dubrovnik hat in der besagten Pestepidemie die reisenden Kaufleute, die in die Stadt wollten, für vierzig Tage in ein nahegelegenes Lazarett gesteckt. In die Quarantäne also (frz. quarantaine; vom lateinischen quadraginta bzw. dem galloromanischen quarranta). Dabei hat die religiöse Symbolik der Zahl eine Rolle gespielt: Die Erinnerung an die vierzigtägige Sintflut und die vierzigjährige Wanderung Israels aus der Sklaverei. Vierzig Tage hielt sich Jesus vor seinem öffentlichen Auftreten in der Wüste. Ebenso lange ist es von Weihnachten bis zum Fest Darstellung des Herrn und von Ostern bis Christi Himmelfahrt. Eine heilige Zahl dieses Vierzig also, die Zeit Gottes, die im Mittelalter der Pest ein Ende bereiten sollte.

Wie jedes Jahr, sind wir wieder zur vierzigtätigen geistlichen Quarantäne, zur Fastenzeit – oder Österlichen Bußzeit, wie die Fachleute sagen – gerufen. Denn auch die geistige Virusgefahr lauert: das Virus des Egoismus, das Virus der Geltung und Macht, das Virus des übermäßigen Konsums und so weiter. Die geistliche Quarantäne könnte bedeuten, diese Viren mal bewusst unter die Lupe zu nehmen und ihre Ausbreitung zu bremsen, angefangen bei sich selbst. Hierzu sind keine Tests vorhanden, aber der Verzicht ist eine bewehrte Methode, um das eigene Ich zurückzupfeifen, mal andere vorzulassen, die Verzeihung zu gewähren; das Handy liegenlassen und einen Besuch machen; bewusster essen, Energie sparen. Und – wenn es eine geistliche Quarantäne sein soll – Beten. Gottes Nähe ist ein ziemlich wirksamer Impfstoff gegen die Sünde d. h. Absonderung von Gott und dem Nächsten.

Wer heute über die Grenzen will, muss mit Quarantäne rechnen. Wer die Grenzen des guten Mit- und Füreinander überschreitet – und das tun wir leider alle – der/die sollte hin und wieder im stillen Kämmerlein sein Leben und Handeln Revue passieren lassen. Die Fastenzeit ist ein guter Tipp der Kirche in diese Richtung.

Eine gute (Fasten-)Zeit wünscht euch

P. J. Gregur