Masken...

Freitag, 04 Dezember 2020

Masken...

…sind seit einigen Monaten selbstverständlicher Teil unseres Alltags. Was zuvor höchstens an Fasching erlaubt war, ist in Pandemiezeiten bitterer Ernst geworden. Aber nicht nur der Körper kann dadurch vor unsichtbaren Bedrohungen geschützt werden. Im übertragenen Sinne legt sich auch die Seele so manche Maske zu, um sich gegen Ängste und Gefahren abzusichern. Wie es mir wirklich geht, bleibt meinen Mitmenschen deshalb oft verborgen. Davon weiß auch das Buch der Sprichwörter in der Bibel:

Das Herz allein kennt seinen Kummer, /

auch in seine Freude mischt sich kein Fremder.

Das Haus der Frevler wird zertrümmert, /

das Zelt der Redlichen gedeiht.

Manch einem scheint sein Weg der rechte, /

aber am Ende sind es Wege des Todes.

Auch beim Lachen kann ein Herz leiden, /

das Ende der Freude ist Gram.

Der Untreue sättigt sich von seinen Wegen, /

der gute Mensch von dem, was in ihm ist. (Spr 14,10-14)

 

So sehr Verkleidung und Verstellung im Alltag nützlich sein mögen: Tief in meinem Herzen lebt die Sehnsucht nach einem Freiraum, in dem ich alle aufgesetzten Masken ablegen kann. Ich möchte mich selbst so sehen und von anderen so wahrgenommen werden, wie ich wirklich bin. Als gläubiger Mensch vertraue ich darauf, dass ein unendlich gütiges Wesen mich mit seinen liebenden Augen wahrnimmt und wertschätzt. Davon getragen darf ich meine größte Freude und meinen schwersten Kummer zur Sprache bringen. Vielleicht kann ich eine solche Demaskierung meines Herzens mit den Worten des niederländischen Dichters Huub Oosterhuis beginnen:

 

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.                  Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.

Wer mich entlarvt hat, wird mich finden.                  Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden

Ich hab´ Gesichter, mehr als zwei,                            und wird ganz neu sich selbst verstehn,

Augen, die tasten vor im Blinden,                              wird leben, offen, unumwunden,

Herzen aus Angst, die vor Angst vergehn.                 und nirgends hin verloren gehn.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.                  Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.

 

Martin Blay