Lob der Schöpfung

Samstag, 03 Oktober 2020

Lob der Schöpfung

Lob der Schöpfung - Franz von Assisi

Am 4. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Heuer fällt dieser Tag mit dem Erntedankfest zusammen, an dem der Schöpfung gedacht wird. Ein guter Zufall, denn Franziskus ist bekannt für seinen „Gesang auf die Schöpfung“, den Sonnengesang. Bewahrung der Schöpfung ist gegenwärtig eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Auch in kirchlichen Kreisen wurde sie als eines der Ideale christlichen Handelns erkannt (man höre das Hirtenwort des Augsburger Bischofs Betram).

Als Christ wird man sich allerdings vorsehen, Franziskus romantisch zu verniedlichen, etwa nach dem Motto: Franz fand die Natur in ihrem Eigenwert ganz toll, im Gegensatz zu einer Zeit, die die Erde um des Himmelreiches willen geringachtete. Nichts dergleichen; sein Gesang ist theo-logisch, auf das Verhältnis zwischen Gott und seiner Schöpfung bezogen. Zu Beginn des Sonnengesangs wird das deutlich: „Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.“ Dann folgt die Aufzählung der kosmischen ‚Geschwister‘, die dieses Lob realisieren, Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer.

Es geht also nicht um die Natur an sich, sondern um das Lob Gottes; und zwar zunächst mit einem höchst merkwürdigen Gedanken, dass nämlich Gott selbst „Lob“ ist. Daher kann er allein sich selbst gebührend loben: „dein ist das Lob“. Kein Mensch ist in der Lage, seine Lobwürdigkeit angemessen auszudrücken („ist würdig“). Zumal der Mensch sich prinzipiell immer wieder selbst an Gottes Stelle positioniert, selbst ‚gelobt‘ sein will (Erbsünde). Im Gegensatz zur Natur; sie will nichts, ist daher rein, unschuldig; sie lebt das aus, was ihr wesentlich bzw. von Gott ins Stammbuch geschrieben ist: in ihrem schlichten Da-sein, Gottes Ursprünglichkeit und Schönheit abzubilden und ihn so zu loben. „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes“ (Ps. 19). Nur in dieser Eigenschaft, als Abbild der Schönheit und Weisheit Gottes ist auch sie lob-würdig und eine Schwester des Franziskus. Sein Sonnengesang ist nicht ein „Loblied auf die Schöpfung“, sondern ein Lob Gottes mit der Schöpfung oder aufgrund der Schöpfung.

Die Ökologie, die gegenwärtig in aller Munde ist, auch in der christlichen Sozialethik, kann nach Franziskus nur Gott-bezogen begründet werden. Naturverklärendes Engagement für die Umwelt fällt früher oder später dem Pragmatismus, dem Nützlichkeitsstreben des Menschen zum Opfer. Nur wenn die Natur als Schwester und Bruder im Konzert des kosmischen Lobes Gottes begriffen wird, wird sie in ihrer unantastbaren, in Gott gründenden Würde erkannt, anerkannt und dann – hoffentlich – auch bewahrt.

P. Josip Gregur SDB