Lieber heiliger Josef

Freitag, 19 März 2021

Lieber heiliger Josef

 

Lieber Josef! „Du Opfer“ heißt es verächtlich im Jugendjargon, wenn einer sich nicht wehren oder durchsetzen kann oder wenn er verkannt wird. Ich weiß nicht warum mir das gerade bei Dir kommt. Aber irgendwo stimmt es schon: Bleibst Du doch trotz seltsamer Umstände bei Maria; hockst auf alten Bildern mit besorgter Miene abseits der Krippe von Bethlehem, grübelst und sagst nichts; fliehst Hals über Kopf mit den beiden vor den Schlächtern des Herodes nach Ägypten hinunter, der Wüste, wilden Tieren und Räubern ausgesetzt. Spätestens da hätte einer die Flinte ins Korn geworfen.

 

Und wieder kein Wort von Dir, zumindest ist nichts überliefert. Dabei wüsste man doch gerne wie es in Dir aussah: Spielt der liebe Gott ein bizarres Spiel mit mir? Was habe ich mir nur aufgehalst? Bin ich ein Opfer? – Oder hast Du dir‘s mit Träumen geholfen? Sie als Gottes Morgenröte erfahren? Dann wäre Dein Stummsein keine Resignation, eher Ergebenheit, Achtsamkeit, Lebensweisheit, oder tiefer: Hingabe an den Willen Gottes.

 

Dir ist es wahrscheinlich egal, aber das schätzen viele bis heute: Dass Du Dich nicht nach vorne drängtest, auf die Bühne, ins Rampenlicht. Als hättest nicht auch Du viel zu posten gehabt! Ich frage mich, ob Jesus von Dir oder Du von ihm gelernt, dass Geduld einen längeren Atem hat; dass die stille Liebe von zäher Kraft ist; dass eigentlich die ganze Welt auf Hingabe angewiesen ist. Hast Du bei Feldarbeit vielleicht schon mit ihm über das dunkle Wort (des kommenden Sonntags) sinniert: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Ich nehme an Er hat Dich ahnen lassen, dass wer „sein Leben in dieser Welt gering achtet, es bewahren wird bis ins ewige Leben.“

 

So steht Dein Schweigen nicht als Schwäche vor mir, eher als Weitblick eines Weisen. Vielleicht wollte der Papst Franziskus die Kurzsichtigkeit unserer Tage zurechtrücken, als er am 8. Dezember 2020 bis zum 8. Dezember 2021 Dein „Josefsjahr“ ausrief. Freilich: es wird bei uns davon nicht sonderlich Notiz genommen. Aber ich möchte glauben, dass der ‚sanften Zähigkeit‘ Deines Beispiels die Zukunft gehört. Immerhin hast Du bis in unsere Tage in Geduld gewartet, in der Mitte der Kirche, im Eucharistischen Hochgebet der Messe, genannt zu werden. Und so verstehe ich es irgendwo doch – zumal als Dein Namensträger –, wenn man in Bayern den 19. März als öffentlichen Feiertag hätte beibehalten wollen. Mach‘s gut und schau auf uns, wie Du für Jesus und Maria gesorgt hast!

 

Dein Josip (Josef) Gregur