Licht bezeugen

Freitag, 11 Dezember 2020

Licht bezeugen

Licht ist ein unerschöpfliches Thema. Du könntest mehrere Doktorarbeiten darüber schreiben: Licht physikalisch, Licht kosmisch, Licht in der Kunst, Licht metaphorisch, Licht in den Religionen, und und und.[1] Die vielen adventlichen Lichterketten, in den Fenstern, an den Straßen, sie zeigen unsere Affinität für das Licht. Was Wunder, Licht ist ja lebenswichtig. Ohne Licht gäbe es uns nicht. Diese vielen Lichter, die jetzt überall funkeln und glitzern, die Adventskränze und Christbäume, die wir anzünden, sind sie nicht ein Schimmer der Sehnsucht nach dem ‚wahren Licht‘?

Als Christ/in kannst du über Jesus Christus als Licht nachdenken. Er selbst nennt sich Licht: „Ich bin das Licht der Welt“. Auf dem Berg Tabor wird er verklärt und schwebt im Licht. Seine Auferstehung ist ein Lichtereignis, darum die Osterkerze. Zu Weihnachten ist er Licht für das Volk, „das im Finstern wandelt“. Um das Licht des Glaubens wird in der Liturgie gebetet. Jesus gebraucht die Licht als Metapher der Verkündigung: Eine Lampe zündet man nicht an, um sie anschließend unter den Scheffel zu stellen.

Damit bin ich schon bei dem, was von Johannes dem Täufer am kommenden Sonntag gesagt wird: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht“ (Joh 1,7f).

Im Lateinischen gibt es zwei Wörter für das Licht: lux und lumen. In gewisser Weise sind sie Synonyme, beide können Folge und Wirkung einer Lichtquelle sein. Im religiösen Zusammenhang aber ist lumen so etwas wie Beleuchtet-werden, wie der Mond im Vergleich zur Sonne. Den Christen ist Jesus lux mundi, die eigentliche Lichtquelle, „Sonne der Gerechtigkeit“. Johannes ist also bloß lumen: der Angestrahlte und nur als solcher eine Lichtgestalt.

Und dadurch gleichzeitig ein Zeuge des Lichts.

Jede/r  steht in irgendeinem Licht, manche im Rampenlicht. Auf der Schattenseite des Lebens ist ja nicht gut sein. Sag mir in welchem Licht du stehst und ich sage dir, wo deine Schattenseiten sind. Von allen Seiten werden wir illuminiert (aufgeklärt): von Idolen und Ideologien, von Weltanschauungen und Parteiprogrammen, von der öffentlichen Meinung und der political correctness. Oder sind das eher Schatten, Mangel an Licht? Jedenfalls kann man sich ihnen kaum entziehen und reflektiert sie unbewusst in sein Umfeld. Deshalb ist die Frage wichtig: In welchem Licht stehst du? Wo sind deine Stars?

Johannes bezeugt das „wahre Licht“ öffentlich und freimütig. Er stellt sein Licht, Jesus und sein Evangelium, nicht unter den Scheffel. Deshalb ist er zum Märtyrer (= Zeugen) des Lichtes geworden. Als solcher ist er ein leuchtendes Beispiel, Vorläufer auf Weihnachten zu. 

Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,
um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.
Gib, dass in unseren Werken widerstrahlt,
was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet. (Liturgie an Weihnachten)

P. J. Gregur