Dummheit & Weisheit

Donnerstag, 05 November 2020

Dummheit & Weisheit

Ehrlich gesagt, ich hatte irgendwie immer schon Sympathien für die fünf ‚Dummen‘, die das Öl für ihre Lampen vergessen haben. Oder ist es einfach eine Schwäche für Menschen, die sich ungeschickt anstellen? Bloß, weil sie einmal unachtsam waren, schloss man ihnen die Tür vor der Nase zu!

Aber Jesus geht es mit der Parabel von den zehn Jungfrauen, die im kommenden Sonntagsevangelium verkündet wird, nicht um Details oder menschliche Höflichkeiten und Gepflogenheiten. Worum aber dann? Ich stelle mir ein Feuerwehrauto vor, dessen Tank beim fälligen Einsatz leer ist. Dümmer ging’s nicht. „Seid also wachsam!“ – meint Jesus! Bereit sein, darum geht es.

Dummheit, wie das Evangelium sie einigen Jungfrauen unterstellt, ist nicht der Gegensatz zur Begabung im Rechnen, Lernen und dem gescheiten (Daher-)Reden. Es ist Mangel an Weisheit (von der in der Lesung die Rede ist). Weise wird man nicht über Nacht, man kann die Weisheit nicht auf die Prüfung hin lernen. Weisheit lernt man durch Erfahrung, Kommunikation, Achtsamkeit, Rücksicht, am meisten vielleicht durch schwierige Situationen, auch durch Leid. Menschen, die viel ertragen, erdulden, zurückgesetzt werden, die ihre Zeit für andere und die ‚gute Sache‘ opfern, sie lernen eher Weisheit als die sog. Erfolgreichen. Und die auf diese Weise ‚Armen‘ sind es dann am ehesten, die in der „Torheit des Kreuzes“ die Weisheit Gottes erkennen. „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ So Paulus an die Korinther (1 Kor 1,22-24).

Langen Atem haben, den Tank rechtzeitig füllen (beten!), das Leben als Ganzes überblicken, Gottes Weisheit d.h. Jesus integrieren, und von da aus den Augenblick bewerten, das ist, denke ich, weise. Die fünf ohne Öl in ihren Lampen stehen für Menschen, die gedankenlos in den Tag leben. - Nehme ich das Evangelium eigentlich ernst, wenn ich mit ihnen Mitleid habe?

 P. J. Gregur