Dreifaltigkeit

Freitag, 28 Mai 2021

Dreifaltigkeit

Kennst du das? Hast du das schon mal gesehen? Richtig! Die Zeichnung auf dem Einband des katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob. Nie gesehen? Macht nichts! Dann schauen wir jetzt hin!

Diese Grafik ist eine von neunzehn Zeichnungen im neuen Gotteslob der Kölner Künstlerin Monika Bartolommé. „Sie sind keine Illustrationen zu den Texten und Liedern, sondern selbständige meditative Elemente“, so sagt die Künstlerin und wünscht, „dass meine Zeichnungen etwas öffnen und keine eindeutigen Interpretationen brauchen.“

Was öffnet sich in uns, wenn wir die Zeichnung auf den Einband des Gotteslob anschauen? Wo früher ein schlichtes goldenes Kreuz die Hülle zierte, ist nun ein kunstvolles Dreieck zu sehen. Dreieck? Die drei geschwungenen Linien können – das ist eher wahrscheinlicher – auch als Kreuz gedeutet werden.  Oder als abstrakte Figur? Jesus Christus, der uns mit offenen Armen empfängt. Andere denken an Wege, die sich in einem Zentrum treffen und dann wieder auseinanderlaufen. Wir haben viel Freude damit gehabt, bei einem Einkehrtag in der Gruppe diese und andere Zeichnungen der Künstlerin zu deuteten.

Eine Deutung der Einband-Zeichnung wurde mehrmals genannt: Ein Symbol der Heiligsten Dreifaltigkeit. Jemand  sieht darin sogar einen „Gnadenstuhl“, eine im Mittelalter sehr verbreitete künstlerische Darstellung der Dreifaltigkeit: Gottvater hält das Kreuz mit dem toten Christus in beiden Händen, während der Heilige Geist  als Taube darüber schwebt. „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden“. So heißt es bei der Beichte.

So lädt die Zeichnung ein, dieses „Geheimnis des Glaubens“ zu meditieren. Öffnen wir doch einmal das Gotteslob jetzt nach Pfingsten! Gemeinsam singen dürfen wir ja jetzt nicht in der Corona-Zeit. Doch schade! Wenn das Gotteslob so lange Zeit nicht benutzt würde! Blättern wir Seite für Seite vom Advent und Weihnachten über die Passion und Auferstehung bis hin zu Pfingsten und der Wiederkunft Christi. Überall begegnet uns der Dreifaltige Gott. Wir erfahren, dass der Glaube an die Dreifaltigkeit kein statisches Bild ist, sondern ein Weg, den Gott allezeit mit uns geht als Vater und Sohn und Heiliger Geist. Das erleben wir, wenn wir im Gotteslob weiterblättern: die Kraft der Gebete und Lieder, vor allem der Psalmen, die Worte der Heiligen Schrift, die Feier der Eucharistie und der anderen Sakramente. Unser ganzes Leben wird getragen von der Taufe bis zum Tod, (mit der Hoffnung auf das Ewige Leben) durch den Vater und den Sohn und Heiligen Geist. Und noch etwa dürfen wir entdecken. Deses Gotteslob ist ganz und gar ökumenisch ausgerichtet. Denn die Taufe verbindet alle Christen im Bekenntnis des einen und dreifaltigen Gottes.

Zum Dreifaltigen Gott bekennen wir dies im Zeichen des Kreuzes. Der große Theologe Romano Guardini mahnt: „Mach das Kreuzzeichen nicht hastig, sondern langsam, groß von der Stirn zur Brust, von einer Schulter zur anderen. Spürst du, wie es dich umfängt?“ „Sammle dich in diesem Zeichen.“

So dürfen wir sprechen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Pater Gerhard Eberts MSF