Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben

Freitag, 23 Oktober 2020

Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben

An Allerheiligen und beim Besuch des Friedhofs rückt der Tod wieder näher an uns heran. Und damit auch die Fragen, die uns immer wieder quälen, mit Schmerz erfüllen und oft unbeantwortet bleiben. Wieso musste dieser Mensch schon aus unserer Mitte gehen? Wieso lässt Gott so viel Leid zu?

Dabei ist für mich wichtig, dass ich nicht allein bin in dieser Situation. Fulbert Steffensky hat es mal passend formuliert: „Ich benutze die Sprache meiner lebenden und toten Geschwister, und ich benutze damit auch ihren Glauben.“ Wenn wir Gebete sprechen oder Erzählungen aus der Bibel lesen, dann glauben wir nicht in erster Linie „etwas“, sondern wir glauben den Menschen, die sie uns überliefert haben. Diese Zeugen der Hoffnung sind Propheten, Jesus, Jüngerinnen und Jünger, Heilige aber vor allen Dingen auch Leute wie du und ich.
Väter, Mütter, Großeltern, Freunde und Fremde haben über all die Jahre die Botschaft der Freude und Hoffnung weitergegeben. Überlege doch mal, wer für dich so ein „Zeuge der Hoffnung“ war, der dir von Gott und Glauben erzählt hat.
Auch wir sind nun Teil dieser Überlieferungskette.

Steffensky sagt weiter: „Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben. Die Opfer fordern Versprechungen, die größer sind, als mein Herz wissen und vertreten kann. Da ich niemanden Opfer sein lassen will, nicht einmal mich selber, rufe ich: Gott wird die Toten nicht vergessen.“
Im Vertrauen an all die Menschen, die uns vorausgegangen sind und der Zusage Gottes geglaubt  und diese weitergegeben haben, dürfen wir uns einreihen.

Es ist nicht immer leicht, oft kommen auch mir Zweifel. Doch der Glaube an eine Gerechtigkeit, die unser Denken übersteigt, bekräftigt mich an ein Leben nach dem Tod zu glauben und mich ebenso im hier und jetzt für eine bessere Welt einzusetzen. Es kann ja nicht sein, dass die Tyrannen dieser Erde, die Unterdrückung und der Tod das letzte Wort haben.

Das Vertrauen auf Gott und das Bewusstwerden ein Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, kann immer wieder Mut schenken - und Sätze, die von Generation an Generation weitergegeben wurden:
„Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,4)

 

Michael Rösch