Der Segen

Freitag, 16 April 2021

Der Segen

Der Segen

Kann man alles segnen? Diese Frage wird immer wieder aktuell, wenn ambivalente Dinge gut-geheißen werden, die Waffen beispielsweise oder Autos, die andere gefährden können. Denn segnen heißt auf Latein benedicere, auf Deutsch eben gutheißen oder gutsagen, benedeien. „Es ist gut, dass es dich gibt“ ist schon ein Segen. Zum kirchlichen Segnen kommt die Symbolik des Kreuzes und des Weihwassers dazu. Dann ist der Segen amtlich oder sakramentlich, wie man theologisch sagen würde.

In der Vergangenheit war die Verteidigung des Landes ein solch hohes Gut, dass die Öffentlichkeit die Waffensegnung nicht anstößig fand. Die Autosegnung wird nach wie vor bejaht, weil man damit zur Arbeit, zum Arzt, und in die Freizeit fahren kann. Wer aber daran denkt, dass die Waffen nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zum Angriff ‚gut‘ sind, und dass durch das Auto Menschen auch zu Tode kommen, wird Probleme mit ihrer prinzipiellen Gutheißung haben.

Die Kirche war von Anfang an sehr segensfreudig. Nicht nur, dass sie beispielsweise beim Aufkommen des Telegraphen mit dem Segen gleich zur Stelle war, sie hatte auch ein Formular für die „Segnung jeglicher Dinge“ parat. Darum fragen sich heute viele, warum sie Probleme mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben muss. Geht es doch um die Liebe zweier Menschen und wer, wenn nicht die Kirche, sollte die Liebe gutheißen.

Aber es geht nicht nur um die Liebe, die selbstverständlich hohes Gut und gutzuheißen ist. Warum die (Welt-)Kirche zurückhaltend ist, hat mit der sakramentlichen Segnung der Ehe zu tun, von der sich andere Zweierbeziehungen unterscheiden sollen. Im offiziellen liturgischen Segensbuch wird festgehalten: „Dinge [auch Beziehungen] werden gesegnet, wenn sie wegen ihrer Eigenart in besonderer Weise auf den Schöpfer hinweisen.“ Welchen Schöpfer? Den Schöpfer allen Lebens. Wenn daher Gott, die Liebe, den Menschen nach seinem Bild als Mann und Frau erschuf, so wohl mit der Absicht, ihm nicht nur in ihrer Liebesbeziehung zu ähneln, sondern auch im Hinblick auf die schöpferische Lebensweitergabe. Er segnete sie in ihrer Konkreativität mit ihm (vgl. Gen 1,28).

Eine schöne, gesegnete Woche wünscht euch im Namen der KHG

P. J. Gregur