Begeisterung

Freitag, 21 Mai 2021

Begeisterung

Quizfrage: Was ist der Urstoff von allem: Materie oder Geist? Oder was hält die Welt am Laufen und macht die Geschichte der Menschheit aus: Idee oder Ding? Gedanke oder Tat, Politik oder Philosophie? Gar Religion? – Wenn du möchtest, dass Matrosen hinausfahren, wirst du ihnen nicht ein Schiff bauen, sondern sie für die Weite des Horizonts und für neue Landschaften begeistern (Saint-Exupéry). So ist die Antwort ziemlich eindeutig: Der Gedanke, die Idee, der Geist geht der Tat voraus. Und wenn die Tat gut werden soll, muss der Geist begeistert sein.

In diesem Sinn erinnert Pfingsten daran, dass die Begeisterung auch der Kern des Christseins ist. Jesus hat seine Jünger drei Jahre lang geistig ‚bearbeitet‘, ihnen seine Einsichten in sinnreichen Worten und Gleichnissen eingehämmert. Und musste nach seiner Auferstehung auf dem Weg nach Emmaus feststellen: Begreift ihr denn immer noch nicht?

Der Verstand kommt da einfach nicht mit, in Glaubensdingen sieht man nur mit dem Herzen gut. Pfingsten ist das Fest des Begreifens mit dem Herzen, Enthusiasmus aus dem Geist Jesu, der dem Verstand die Angst und lähmende Rücksicht nimmt: Vorher im Obergemach eingeschlossen, jetzt hinausstürmend; vorher privat glaubend, jetzt öffentlich verkündend; vorher Jünger, jetzt Apostel. Der Jünger versucht zu begreifen, der Apostel ist begeistert.

Das gilt auch heute. Vorsicht ist zwar 'Mutter der Porzellankiste'. Aber mit Vorsicht und Kalkül hätte sich das Christentum nie ausgebreitet. Die Begeisterung war notwendig, denn nur sie steckt an. Brennen muss es, wenn der Funke überspringen soll. Und richtiges Feuer gibt es nur, wenn viele zusammen brennen, einzelnes Holzscheit verglüht zu schnell. Neben Feuer steht auch der Wind für den Heiligen Geist. Er wirbelt die Spreu vom Weizen weg. Der Heilige Geist steht für Frische, Offenheit und Neubeginn. Wo er weht, hütet die Kirche nicht die Asche der Tradition, sondern tradiert die Glut des Glaubens.

Glut des Glaubens, wohlgemerkt, nicht Strohfeuer der Emotion und die Flamme des Zeitgeistes. Strohfeuer macht Eindruck, die Holzglut wärmt nachhaltig. Oder, im Sinne Jesu: An den Früchten erkennt man, ob die Begeisterung echt ist. Worauf Paulus konkret wird: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“ (Gal 5,22f).

„Die Sache Jesu braucht Begeisterte.“ - https://www.youtube.com/watch?v=Z-m_6kON2xI

 

Begeisterte Pfingsten!

P. Gregur im Namen der KHG